Provincia Violenta / Provinz ohne Gesetz

Polizio Provinz ohne Gesetz

Ein Syndikat beherrscht einen ganzen Landstrich in dem Raub, Mord und Erpressung an der Tagesordnung sind. Wer gegen das Syndikat aussagt, stirbt! Keiner kennt die Hintermänner der Organisation. Sind es Mitglieder der Regierung? Ein verzweifelter, aussichtslos scheinender Kampf der Polizei gegen das Syndikat beginnt und einem Mann gelingt der Vorstoß. Wird er das Syndikat sprengen?
Ein suspendierter Polizist versucht die Erpresserbande auffliegen zu lasen, dessen Machtmittel Nacktaufnahmen sind. Die Opfer sind hilflos. (X-Rated)

Provinz ohne Gesetz

Zum Auftakt der neuen Poliziotteschi-Reihe hat X-Rated gleich mal tief in der Mottenkiste gewült und mit Provinz ohne Gesetz einen wohl weniger bekannten Titel hervorgekramt. Dieser besonders ruppige und freizügige Vertreter des Genres, der weder mit nackter Haut, noch mit Gewalt geizt, wurde 1978 von Mario Bianchi in Szene gesetzt. Der Regisseur musste sich dabei ganz offensichtlich mit ziemlich niedrigen Produktionswerten zufrieden geben, was sich vor allem auf die Ausstattung der Sets und das Schauspiel ausgewirkt hat aber dazu später mehr. Zunächst einmal lernt der Zuschauer (durch den Einsatz von Rückblenden) die rauhen Methoden des Kommissar Franco Sereni kennen, der bei der Verbrechensbekämpfung nicht davor zurückschreckt seine Gegner mit gezielten Kopfschüssen oder geschickt gesetzten Treffern in den Rücken (!) ins Jenseits zu befördern. Selbstverständlich handelt er sich mit seiner kompromisslosen Vorgehensweise großen Ärger ein und wird vorübergehend vom Dienst suspendiert. Um dieser Welt voll sinnloser und roher Gewalt entfliehen zu können, entschließt er sich selbst eine längere Auszeit (er quittiert seinen Job) zu gönnen und seine alte Freundin Nadja zu besuchen. Diese läßt seinen Traum von einem erholsamen und erotischen Urlaub schnell platzen, denn sie berichtet ihm von ihrer Verstrickung („… ich verkaufte mich also für Geld aber es ist mir nicht besonders schwer gefallen, da ich im Grunde vorher schon eine Nutte gewesen bin.“ [!]) in die verbrecherischen Machenschaften der Hotelbesitzerin Flavia (Alicia Leoni) und des Geschäftsmanns Augusto (Richard Harrison). Die beiden sind die Köpfe der lokalen mafiösen Organisition, die ihren Profit hauptsächlich aus Erpressung, Prostitution und Drogenhandel schlägt. Selbstverständlich möchte Sereni seiner „Freundin“ aus der Patsche helfen und die Gangster zur Strecke bringen, die sich schon längst an Nadjas Fersen geheftet haben.

Provinz ohne Gesetz

Provincia Violenta stellt schon eine äußerst dubiose Concoction dar. Während der Plot bereits in unzähligen anderen Polizei- und Gangsterfilmen verwurstet worden ist, merkt man dem Film sein niedriges Budget schnell an. Neben der Ausstattung (das Inventar der Sets erinnert teilweise an das sozialistisch geprägte aus Plattenbauten der damaligen Ostblockstaaten) fehlt es auch den überwiegend unbekannten Darstellern an Esprit und Ausdrucksstärke. Hier treten plötzlich Leute ins Rampenlicht, die normalerweise „nur“ als Stuntman oder in kleinsten Nebenrollen zum Einsatz kamen. Entsprechend ulkig ist es deren Schauspielkünsten zu folgen. Calogero Caruana sollte Liebhabern des Italo-Kinos aus vielen Western bekannt sein, in denen er vornehmlich als Stuntman fungierte aber auch hin und wieder als Hauptprotagonist agieren durfte, wie zum Beispiel an der Seite von Klaus Kinski in Black Killer. In der Rolle des Franco Sereni brennt er ein wahres Feuerwerk der mimischen Künste ab, das einem die Tränen in die Augen schiessen lässt … halb vor Schrecken und halb vor unfreiwilliger Komik. Seine Darstellung als hölzern zu bezeichnen wäre vollkommen untertrieben, jedoch fällt das irgendwann gar nicht mehr so schwer auf, da sich die meisten anderen Akteure an sein ausdrucksloses Niveau anpassen. Die beiden Ausnahmen bilden da eindeutig Al Cliver aka Pier Luigi Conti als Restelli und Richard Harrison als Augusto. Während Harrison vergleichsweise wenig in Aktion tritt, darf Cliver als Mafia-Killer so richtig auf den Putz hauen. Restelli beseitigt seine Opfer am liebsten mit einem Messer und geht dabei genauso sorgfältigt, brutal und skrupellos vor wie bei der Entsorgung der Leichen, die er schon mal vor Ort in Brand steckt.

Provinz ohne Gesetz

Zum allgemeinen Sleaze-feeling tragen neben der schäbbigen Darstellerriege und den billigen Sets auf jeden Fall auch die deutsche Synchronisation und exzessive Zurschaustellung von nackter Haut bei. Diese C-Produktion weiss aber trotzdem, oder gerade deswegen, gut zu unterhalten. Der Film wird nie langweilig, wobei sogar die eine oder andere interessante Kameraeinstellung überrascht. Al Cliver, der den meisten sicherlich aus Lucio Fulcis Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies bekannt ist, liefert hier eine seiner besten Leistungen ab, indem er den soziopathisch anmutenden Mörder authentisch rüberbringt und dem Film somit ein wenig Glanz verleihen kann. Kommando „Siku“ ist bestimmt kein Italo-Krimi Hochgenuss, allerdings mit allen Zutaten angereichert, die sich der geneigte Poliziotteschi-Fan in seinen Filmen wünscht. Die Gewalt bleibt, wohl aus Kostengründen, leider genauso blutleer wie bei Der Satan ohne Gesicht, doch das fällt nicht weiter ins Gewicht. Insgesamt würde ich Provinz ohne Gesetz aufgrund seiner Obskurität als einen sehr unterhaltsamen Genrevertreter ansehen. Gleichzeitig kann ich den Film aber ausschließlich Italo-Kino-Kennern empfehlen, die etwas mit den Darstellern / SchauspielernInnen anfangen können und wissen, dass qualitätsmäßig noch viel Luft nach unten ist. Der genrefremde Betrachter wird sich bei diesem Sleazefest wohl eher schnell verloren vorkommen.

Provinz ohne Gesetz

X-Rated bringt den Streifen zum ersten mal in Deutschland in der um zwei Szenen erweiterten deutschen Fassung als HD-Weltpremiere auf BluRay heraus. Die technischen Daten der Scheibe können dem Alter des Materials entsprechend als gut und somit der Auftakt zur neuen Poliziotteschi Reihe des Labels als gelungen bezeichnet werden. Wie schon erwähnt ist Provincia Violenta kein Meilenstein des Polizeifilms aber mit Sicherheit eine tolle Entdeckung für die Kategorie Nischenkino. Der Edition liegt als Bonusfilm der türkische Reißer Mondo Brutale II – Es begann um Mitternacht (Çirkin dünya, 1974) bei !!! Als weitere Extras beinhaltet die BluRay einen italienischen Trailer des Films, ein aktuelles Interview mit Eurocult-Star Richard Harrison (70 Minuten!), ein 16 Seiten Booklet Exposé von Christoph N. Kellerbach, das „alle Trash-Register zieht!“ sowie einen speziellen Audiokommentar von Prof. Dr. Marcus Stiglegger! Als Tonspuren stehen eine deutsche und eine italienische mit englischen Untertiteln zur Verfügung.

Provinz ohne Gesetz

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  • Format: Limited Edition
  • Sprache: Italienisch (DD), Deutsch (DD)
  • Untertitel: Englisch
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
  • FSK: Nicht geprüft
  • Studio: X-Rated
  • Produktionsjahr: 1978
  • Spieldauer: 77 Minuten

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Provinz ohne Gesetz Provinz ohne Gesetz Provinz ohne Gesetz Provinz ohne Gesetz

Provinz ohne Gesetz

  • Darsteller: Calogero Caruana, Alicia Leoni, Al Cliver, Richard Harrison, Antonella Dogan
  • Regisseur(e): Mario Bianchi
  • FSK: Nicht geprüft
  • Studio: X-Rated
  • Produktionsjahr: 1978
  • Spieldauer: 77 Minuten

Provinz ohne Gesetz

Provinz ohne Gesetz

Die alten Fantaflaschen versprühen einen Hauch von Nostalgie!

Provinz ohne Gesetz

Provinz ohne Gesetz

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Dieses Mediabook sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von X-Rated zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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