Quentin Tarantino Unchained: Die blutige Wahrheit

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Quentin Tarantino Unchained: Die blutige Wahrheit

Reservoir Dogs, Pulp Fiction, Jackie Brown, Kill Bill, Death Proof, Inglourious Basterds und Django Unchained: Mit nur sieben Filmen verpasste Quentin Tarantino dem US-amerikanischen Popcorn-Kino einen Adrenalinstoß wie kein zweiter Filmemacher. Hollywoods wüstes Wunderkind schuf sein eigenes Genre, das auf einem unwiderstehlichen Mix aus Filmzitaten, blutiger Gewalt und einzigartigen Dialogen basiert. Die erste deutschsprachige Biografie über den ultimativen Kino-Popstar zeichnet den unkonventionellen Weg eines Problemschülers und Videothekars zum Kultregisseur und zweifachen Oscar-Gewinner nach. Gönner und Neider aus Hollywood kommen ebenso zu Wort wie die deutschen und österreichischen Schauspieler, mit denen Quentin Tarantino in Brandenburg und Sachsen sein Meisterwerk Inglourious Basterds drehte, denn Deutschland fühlt sich der Ausnahmeregisseur ganz besonders verbunden. (riva Verlag)

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Von seiner Mutter geliebt, von seinem Vater verlassen, wuchs Quentin Tarantino in den schwarzen Vierteln von Los Angeles auf. Ungezählte Stunden vor dem Fernseher und in Kinos prägten seine persönliche Bildsprache, die vielen Rückschläge im wahren Leben formten sein Selbstbewusstsein. Das brauchte er, um sich über alle Kino-Konventionen hinwegzusetzen und sich an die Spitze zu kämpfen. Quentin Tarantino Unchained: Die blutige Wahrheit erzählt erstmals die Entsstehungsgeschichte seiner Filme, die er immer in erster Linie für sich selbst machte, für die er nie vor unpopulären Entscheidungen zurückschreckte und die er mit einer teilweise extremen Loyalität zu seinen Schauspielern realisierte.

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Egal, ob einem die Filme und das Leben von Quentin Tarantino noch fremd sind, man ein Fan oder Experte ist und mehr darüber erfahren will, ist es sicherlich ein kluger Ansatz ein Buch über den Menschen und / oder seine Filme zu lesen. Doch seitdem Tarantinos Filme in den frühen 90er Jahren begannen die Kinoleinwände zu zieren, wurden bereits eine Menge Bücher über ihn und seine Werke geschrieben, sodass diese Palette an Büchern für Personen, die dem Thema neu gegenüberstehen, sicherlich irritierend sein kann. Welches Buch sollte man zuerst lesen? Welches Buch kann man getrost meiden? Welches Buch eignet sich zu welchem Zweck? Beschränkt man sich dabei auf die deutschsprachigen Veröffentlichungen, so verringert sich die Auswahl an Material schon beträchtlich und erleichtert die Suche nach einem geeigneten Exemplar zum Einstieg in die Materie enorm. In den folgenden paar Absätzen soll nun ein kleiner Eindruck darüber vermittelt werden warum sich Michael Scholtens Buch Quentin Tarantino Unchained: Die blutige Wahrheit dafür bestens gebrauchen lässt und in Bezug darauf überhaupt eines der besseren Tarantino Bücher im deutschen Sprachraum ist.

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Zuerst einmal muss erwähnt werden, dass sich Scholtens Buch einer wunderbar angemessenen Sprache bedient. Der Autor schreibt auf einem Niveau, welches das eines Hochschulstudenten nicht übertrifft – doch dies ist nichts Negatives – denn er hätte für den Zweck dieser Ausgabe keinen besseren Schreibstil wählen können. Während der Lektüre ist schnell heraus zu lesen, dass Michael Scholten ein Profi ist, der Dinge über Tarantinos Leben und dessen Filme in einer Sprache zu berichten weiss, die sich sehr gut lesen bzw. verstehen lässt und nicht in die akademische Linguistik eines Universitätsprofessors abdriftet. Dabei schafft er es Aspekte aus verschiedenen Tarantino Filmen in einer Art und Weise zu verbinden, die Sinn macht und sich nicht endlos wiederholt. Durch die (allerdings eher „öberflächliche“) Analyse der Filme von der Entwicklung über das jeweilige Drehbuch zu der Art, wie sie gefilmt wurden, unter Berücksichtigung von QTs Entscheidungen bei der Wahl seiner SchauspielerInnen und wiederkehrenden Mustern seines Stils, gelingt es Scholten, den Leser überzeugend zu informieren und glänzend zu unterhalten. Während er sich weder Fußnoten noch Endnoten bedient, ist sein Buch dennoch voller nützlicher Informationen, passender Zitate und teilweise auch neuen Einsichten in die Filmwelt und das Leben des Star-Regisseurs. Ausserdem hat er ein Gespür dafür, wenn auf einen Aspekt etwas detaillierter eingegangen werden muss und wenn nicht. Er übertreibt es nicht mit Geplauder, sondern setzt sich in angemessenem Umfang mit dem jeweiligen Thema auseinander. Doch wenn er es für nötig hält, braucht er auch schon mal mehr als nur eine Seite, um über bestimmte Dinge zu berichten.

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Quentin Tarantino Unchained: Die blutige Wahrheit ist die erste deutsche Biografie über QT und stellt gleichzeitig eine ausgezeichnete Mischung aus Büchern dar, die vor diesem erschienen sind (inklusive englischer Editionen). Daher sind hier zwar für Leser, die mit der englischsprachigen Literatur vertraut sind, nur wenige neue Informationen vorhanden, doch gibt die Lebens-beschreibung für Interessierte, die des Englischen nicht mächtig sind, einen wunderbaren Überblick über Tarantinos Leben und seine Arbeit, wobei diese beiden Aspekte in Zusammenhänge gestellt werden, die sowohl für seine Fans, als auch für jeden anderen beliebigen Leser interessant sein sollten. Kurz gesagt, Michael Scholtens Buch ist gut geschrieben und vermittelt eine interessante (tiefe) Einsicht in die Welt des Quentin Tarantino. Sucht man jedoch nach detaillierteren Werken, was vor allem die Analyse der Filme betrifft, so sollte man auf zweckdienlichere Literatur wie zum Beispiel Der rote Faden aus Blut: Erzählstrukturen bei Quentin Tarantino von Uwe Nagel, Unfinished Business: Quentin Tarantinos „Kill Bill“ und die offenen Rechnungen der Kulturwissenschaften von Achim Geisenhanslüke und Christian Steltz oder Quentin Tarantino von Robert Fischer, Peter Körte und Georg Seeßlen zurückgreifen. Möchte man sich den Filmen von einer eher philosophischen Seite her nähern, ist das Buch Quentin Tarantino and Philosophy von Richard Greene und K. Silem Mohammad sehr zu empfehlen.

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  • Broschiert: 200 Seiten
  • Verlag: Riva
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3868836985
  • ISBN-13: 978-3868836981
  • Größe und/oder Gewicht: 13,6 x 2,5 x 21,6 cm

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Dieses Buch sowie (teilweise) das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise vom riva Verlag zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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1 Antwort

  1. 15. Februar 2016

    […] Noch ein Filmbuch: Bluntwolf rezensiert auf Nischenkino sehr wohlwollend „Quentin Tarantino: Die blutige Wahrheit“. Allerdings macht mich sein Text da eher skeptisch.  […]