Quiz Show – Berlinale Special

Quiz Show ist eine Mediensatire von Robert Redford aus dem Jahr 1994, und mein zweiter Ausflug zur Berlinale dieses Jahr. Der Film mit John Turturro (Barton Fink) und Ralph Fiennes (Strange Days) unter den Hauptrollen ist mir bisher nicht untergekommen und gilt auch sonst zu den oft übersehenen Filmen von Robert Redford. Zu Unrecht. Das Drehbuch stammt übrigens von Paul Attanasio, der auch das Script zu Donnie Brasco entworfen hat, und für die Kamera zeichnet sich Michael Ballhaus (The Color of Money) verantwortlich, als Hommage an ihn auch die Vorführung gedacht war.

Quiz Show

Der Film handelt von Herbie Stempel (Turturro) der sich 1957 für den Sender NBC als Kandidat in einer Quiz Show zum Zuschauerhelden empor arbeitet, bis er wegen stagnierender Einschaltquoten das Feld räumen soll. Produzent Dan Enright (David Paymer) bringt ihn dazu, eine Antwort zu versemmeln. Ersetzt wird er durch den jungen Literaturdozenten Charles Van Doren (Fiennes), der sich prompt als neuer Star herausstellt. Vom Erfolg geblendet, lässt er sich von Enright und seinem Kollegen Albert Freeman (Hank Azaria) die Fragen vorher zustecken. Die Show ist eine Lüge. Der hinaus geekelte Stempel zettelt eine gerichtliche Untersuchung an, die aber zu nichts führt, man hatte ihn diskreditiert und es gibt keine Beweise. Durch Zufall stolpert der aufstrebende junge Anwalt Dick Goodwin (Rob Morrow) über die Sache und überredet seine Vorgesetzten beim parlamentarischen Ausschuss für Rechtsangelegenheiten (dem auch die Rundfunkregulierung untersteht), eine Untersuchung anzustreben. Er lernt NBC von innen kennen, trifft aktuelle und ehemalige Kandidaten, freundet sich mit Charles an, und trifft auch die Sponsoren der Sendung, in seiner Mission herauszufinden wer schummelt und wer davon wusste….

Quiz Show

Basierend auf dem Buch von Goodwin selbst, inszeniert Redford, auch kein Neuling in Sachen politisch brisanter Filme, eine bissige Mediensatire. Quiz Show ist gespickt mit kleinen bis mittelgroßen Auftritten heute bekannter Stars, darunter William Fichtner, Barry Levinson, Ethan Hawke und natürlich Martin Scorsese als Rittenhome, der Chef des Show-Sponsors. Zusammen mit dem extravaganten Production Design und der ausgezeichneten Arbeit von Ballhaus entfaltet die Satire eine extrem fesselnde Wirkung, die Welt von 1957 wird lebendig, man fühlt sich von der Story um die getürkte Sendung in den Bann gezogen. Dabei geht es aber weniger um eine Detektivgeschichte, viel mehr ist es ein Lehrstück über die Massenmanipulation durch Fernsehen, das in Kauf nehmen dessen als Preis für Unterhaltung, und welche Mächte dafür sorgen dass alles glatt geht.

Quiz Show

Es ist somit eine nach wie vor höchst relevante Geschichte, die sich wohl regelmäßig wiederholt beziehungsweise nie „gelöst“ wird. Alles was wir heute im Unterhaltungsfernsehen geboten kriegen (für diejenigen die noch klassisches Fernsehen konsumieren) ist eben genau das: Unterhaltung, und zwar extrem professionalisiert, geplant, inszeniert und durchproduziert, von den Nachrichten bis zu den „Reality“ Formaten. Schon in den Anfangszeiten des TV war klar, dass Werbung für all diese glitzernde Fernsehwelt bezahlt, und somit die Macht der Sponsoren auch bis in die Sendungen hinein reichte. Ein paar Haribos bei Wetten Dass…? erscheinen harmlos, viel eklatanter ist eigentlich die systemische Flut an Formaten die unterm Strich für nichts anderes gut sind als Kurzweil und Trägerformat für Werbung.

Quiz Show

Zurück zum Film. Quiz Show ist ein wenig lang, aber Redford nimmt sich den Luxus und lässt Goodwin völlig eintauchen und es dauert eine Weile bis dieser sich – scheinbar – darüber klar wird in was er sich da einarbeitet. Dass Stempel nicht astrein ist, Van Doren zwar Professor aber auch kein Chorknabe, welche Rolle Enright in diesem Spiel einnimmt, vielleicht ist der junge Jurist doch etwas naiv an die Sache herangegangen. Daraus zehrt sich am Ende auch ein wenig die Moral des Films. Die Naivität, auch des Zuschauers, weicht einer unheimlichen fast schon peinlichen Erkenntnis darüber, verarscht worden zu sein, im ganz großen Stil, und man hat es auch noch genossen.

Immerhin, 1995 war Quiz Show neben Forrest Gump, Pulp Fiction, Four Weddings and a Funeral und The Shawshank Redemption für einen Oscar nominiert (den Forrest Gump nach Hause nehmen durfte). Ein starkes Jahr mit viel Wettbewerb, was auch für die Golden Globes usw galt. Die Mediensatire konnte sich ebenso wenig wie die anderen gegen die geballte Unterhaltungsmacht Gump behaupten. Das ist wahrscheinlich auch gut so, denn wenn die TV Unterhaltung von einem lebt, wie der Film es lehrt, ist es das Vertrauen in die Glotzkiste und die Verlässlichkeit, unterhalten zu werden. Wer aneckt, ehrlich ist oder unbequeme Wahrheiten ausspricht, dem ist oft finanzieller Ruin beschert oder wird politisch gebrandmarkt. Ich schweife wieder ab, da bleibt mir nur zu sagen, Quiz Show ist ein ausgezeichneter Film, mit einigen Längen, den man wirklich gesehen haben sollte.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

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