Raiders of the Magic Ivory / Magic Ivory – Die Jagd nach dem goldenen Elfenbein / I predatori della pietra magica

Marc und Sugar erhalten von einem reichen Chinesen den Auftrag, den mystischen Schrein aus Elfenbein zu finden. Zusammen mit einem chinesischen Kampfexperten gehen sie nach Vietnam. Dort entdecken sie den alten Tempel und beobachten, wie die Anhänger eines antiken und magischen Kults ein junges Mädchen ihrem heiligen Schrein opfern wollen. Sie reißen den Schrein an sich und retten das Mädchen vor einem qualvollen Tod. Marc und Sugar können nicht verhindern, dass ihr chinesischer Begleiter sich mit dem Schrein davonmacht. Doch ein tödlicher Fluch lastet auf dem Schrein. Als das junge Mädchen dann auf unnatürliche Weise ums Leben kommt, beginnt für die beiden Kämpfer ein gnadenloser, mörderischer Kampf gegen die übernatürliche dunkle Macht des Schreins… (VZ-Handelsgesellschaft)

Man muss die Italiener einfach lieben! Ähnlich wie die Jungs von Cannon produzierten sie schnell dreiste Kopien von jedem Film, der groß raus kam. Tatsächlich fertigten sie solche Reproduktionen schon viel länger als Golan und Globus, angefangen mit Peplum-Filmen in den 50er Jahren und Italo-Western in den 60er Jahren. Und sie waren schlauer, weil sie nicht Millionen damit verschwendeten. Während der späten 80er Jahre befand sich die italienische Filmindustrie im freien Fall, doch die Unternehmen stellten immer noch knock-offs her. Ein solches Unternehmen stellte Fulvia Film dar. Fulvia wurde von Fabrizio De Angelis (alias Larry Ludman) gegründet und ist wahrscheinlich dafür bekannt Anfang der 80er Jahre Geld für Lucio Fulcis Horrorfilme bereitgestellt zu haben. Allerdings war De Angelis recht gierig und wollte viel Geld verdienen, weswegen er die Filmwelt mit einer Menge an Imitationsfilmen (darunter postapokalyptische Filme, Haifischfilme, Vietnamfilme und Karate-Kid-Filme) versorgte. Angesichts seiner Neigung zur Nachahmung überrascht es, dass er mit Magic Ivory – Die Jagd nach dem goldenen Elfenbein (1988) erst recht spät am Indiana Jones „Gewinnspiel“ teilnahm.

Magic Ivory beginnt mit Söldner Mark (Christopher Ahrens), der seinen Kumpel Capt. „Sugar“ Rogers (James Mitchum) aus einem fernöstlichen Gefängnis raushaut. Die beiden Hauptdarsteller entspannen sich danach erstmal in ihren Kimonos (Schauder, Schauder) und werden bald von Lee Chang (Franklin Dominguez) angeheuert, einem alten Zausel, der irgendwie Ähnlichkeit mit Lo Pan hat und möchte, dass sie eine magische Elfenbeintafel beschaffen, die mit seinem Familiennamen beschriftet ist. „Für Euch Westerner ist die Tafel wertlos“, berichtet Chang, bevor er mitteilt, das gute Stück würde sich in einem Dschungelgebiet befinden, das grob übersetzt „Hölle, aus der niemand zurückkehrt“ genannt wird. Hört sich gut an und noch dazu so vollkommen ungefährlich! Von Hunderttausenden von Gründen überzeugt, begibt sich das Schatzsucher-Team schon bald mit dem einheimischen Führer Tao in den Dschungel. Die Mission startet jedoch ziemlich schlecht, denn unsere Helden treffen auf Rebellen und Tao schlägt sich auf deren Seite, wonach die Schatzsucher nun gut verschnürt aufgehängt und gefoltert werden. Doch zur Überraschung Aller spielt Tao ein doppeltes Spiel und tötet die Rebellen. Schlauer Bursche, dieser Tao!

Wie auch immer, sie finden den Tempel, der von Männern in seltsamen Affenmasken bewacht wird, die für Kugeln und Granaten nicht anfällig zu sein scheinen. Trotzdem gelingt es Mark und Sugar sich in den Tempel zu schleichen und dort – wie es das Filmgesetz vorschreibt – eine attraktive junge Dame vorfinden, die gerade rituell geopfert werden soll. Der Anführer ist ein Typ, der aussieht, als würde er eine Weihnachtsmann-Maske tragen (siehe Bild). Unsere Glücks-Soldaten schnappen sich schnell die Elfenbeintafel und retten My Lai (Clarissa Mendez) vor deren Opferung. Der Anführer des Kults führt nun einiges an mystischem Hokuspokus auf, um sie aufzuhalten, doch der liebenswerte Zucker durchschaut die ganze Sache („Es ist alles nur Bullshit, Mann!“), weswegen sie sich schnell zum Treffpunkt aufmachen. Am wartenden Hubschrauber angekommen, werden sie von Tao zum wiederholten Male hintergangen, der sich mit dem Schatz aus dem Staub macht. Natürlich steckt ein Kerl namens Sugar ein solches Doppelkreuz nicht ganz so leicht weg, weswegen unser Trio zu Chang zurück wandert. Es stellt sich heraus, dass Changs hintergründiges Motiv darin bestand, die Welt zu regieren (was ein Trottel), und unsterblich zu sein, was ihm die Tafel ermöglichen kann. Unser Trio greift daraufhin das von Ninjas bewachte Gelände an, wobei My Lai in dem entstehenden Chaos erschossen wird. Während sie im Sterben liegt, informiert sie Sugar, dass nur er Chang aufhalten kann, weil er der „heilige Hüter des himmlischen Friedens“ ist. Ja, anscheinend hat Gott dieses kleine Detail auf den Schultern eines mehr als vierzigjährigen Alkoholikers namens Sugar hinterlassen!

Mit knapp 88 Minuten (einschließlich 2 Minuten Abspann) stellt Magic Ivory – Die Jagd nach dem goldenen Elfenbein ein ziemlich schwaches Werk auf allen Ebenen dar. Regisseur Tonino Ricci (unter seinem Pseudonym Anthony Richmond) kann definitiv in die Kategorie B eingeordnet werden, wenn es um Regisseure italienischer Exploitation-Filme geht. Konnte man Fulci, D’Amato, Castellari, Margheriti oder gar Mattei nicht bekommen, so war Tonino Ricci mit Sicherheit zur Stelle. Er lieferte stets so lala Streifen ab, die niemals mit denen seiner o.g. Zeitgenossen mithalten konnten. In Magic Ivory passiert nicht viel, wobei man am Ende nach seiner eigenen Unterhaltung „gräbt“. Zum Beispiel scheinen die Ninjas teilweise mit automatischen Waffen ausgerüstet zu sein, haben aber während des letzten Kampfes nur Schwerter zur Verfügung. Überraschenderweise präsentiert sich der Films von seiner besten Seite, wenn er sich gerade eng an Indiana Jones orientiert. Man wünscht sich sogar, dieses knock-off hätte noch etwas mehr an Imitation zu bieten. Das Tempel-Segment ist als der beste Teil des Films zu bezeichnen, vor allem dank des Bühnenbildes von Mutter Natur. Ja, die Höhepunkte dieses Streifens repräsentieren doch tatsächlich einige echte Höhlen.

Zugegebenermaßen bringt auch James Mitchum verdammt viel Spaß, allerdings auf eine Art und Weise, die einem Zugunglück ähnelt. Er erwies sich als Höhepunkt im wilden Hollywood Cop (California Cops, 1987) und stiehlt auch hier die Show (oder was auch immer hier gestohlen werden kann). Man bricht in lautes Gelächter aus, wenn er zum Bösewicht „Nenn mich Sugar“ sagt, als sie sich zum ersten Mal begegnen. Man kann sogar mitzählen in wie vielen Szenen er mit einem Getränk in den Händen zu sehen ist. Was auch immer sich in den Gläsern befunden haben mag, es war mit absoluter Sicherheit kein Prop-Alkohol. Tatsächlich klingt und sieht er die meiste Zeit recht fertig aus, was jedoch seine Dialog-Zeilen lustiger gestaltet. Sicherlich entstanden 90% seines Dialogs aus dem Stegreif. Physisch sieht Mitchum ziemlich mitgenommen aus. Sein Gesicht präsentiert sich hier so aufgebläht, ausgezehrt und geschwollen, sodass man eher ein Mitglied der Familie Keach erwartet, als einen Träger des Familiennamens Mitchum. Sein Bruder Chris war über die Filmproduktionen seines Bruders in den 80er Jahren bestimmt sehr enttäuscht, besonders jedoch über das Fehlen seines Lanky White Kung Fu. James darf jedoch während des letzten Showdowns einige Boxkünste anbringen, bevor er den Hauptbösewicht in einer Rauchwolke verschwinden lässt. Wie jetzt!? Ach so, weil er ja der Hüter des himmlischen Friedens ist! Co-Hauptdarsteller Christopher Ahrens gibt hier eine ziemlich steife Figur ab, doch man kann ihm vergeben, weil er gleich danach den Bösewicht in Bruno Matteis Terminator II (Contaminator … die Mordmaschine aus der Zukunft, 1989) verkörperte. Nur für James Mitchum-Komplettisten!

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Darsteller: James Mitchum, Christopher Ahrens
Regisseur(e): Anthony Richmond
Format: DVD-Video
Sprache: Deutsch (Stereo)
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 4:3 – 1.33:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: VZ-Handelsgesellschaft
Produktionsjahr: 1989
Spieldauer: 90 Minuten

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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1 Antwort

  1. 27. April 2020

    […] bereits in der Rezension zu Raiders of the Magic Ivory erwähnt wurde, sprangen die Italiener ziemlich schnell auf den Indiana Jones-Zug auf. Nach bestem […]

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