Rambo: Last Blood

John Rambo (Sylvester Stallone) hat viele große Schlachten in seinem Leben geschlagen – nun soll endlich Schluss sein. Zurückgezogen lebt der Kriegsveteran inzwischen auf einer abgelegenen Farm in Arizona. Doch der einstige Elitekämpfer kommt nicht zur Ruhe. Als die Enkelin seiner Haushälterin Maria (Adriana Barraza) verschleppt wird, begibt sich Rambo auf eine Rettungsmission jenseits der amerikanischen Grenze nach Mexiko. Schon bald sieht er sich dort einem der mächtigsten und skrupellosesten Drogenkartelle gegenüber. Die vielen Jahre im Kampf mögen Rambo gezeichnet haben, aber sie haben ihn nicht weniger gefährlich gemacht. (universum film)

Rambo: Last Blood ist der fünfte Eintrag im Franchise, bei dem Stallone seine Rolle als ehemaliger Green Beret wiederaufnimmt. Adrian Grunberg inszeniert diese Fortsetzung mit den beiden Drehbuchautoren Matthew Cirulnick und Sylvester Stallone. Die Geschichte hier spielt ungefähr 8 -10 Jahre nach den Ereignissen des letzten Films, als Rambo auf die Familien-Ranch in Arizona zurückkehrte. Dort hat er eine Nichte, die wie eine Tochter für ihn ist, während er die Gewalt seiner Vergangenheit scheinbar hinter sich gelassen hat. Selbstverständlich hält dieser Zustand nicht lange an, da es sonst kein „letztes Blut“ geben würde, das in dieser Fortsetzung vergossen werden könnte. Seine Nichte gerät südlich der Grenze in Schwierigkeiten, weswegen John Rambo noch einmal den Soldaten in sich aufwecken muss, um ihr beizustehen. Doch seine Aktionen führen den Kampf diesmal vor seine eigene Haustür zurück.

Dieser Film repräsentiert eine gehörige Mischung aus 80er-Jahre-Action mit Nuancen des letzten Akts von Kevin – Allein zu Haus, gewürzt mit einer Brise Horrorfilm wie Cube von 1997. Wie bereits beim letzten Rambo-Film aus dem Jahr 2008 dehnt die Geschichte den Charakter nicht über seine körperlichen Fähigkeiten hinaus. In diesem Film wurde Stallones Alter bei der Inszenierung der Ultra-Gewalt berücksichtigt, wobei das Ergebnis zufriedenstellend war. Vom schauspielerischen Aspekt her konnte Stallone erneut seine Rolle des Hauptdarstellers bestätigen, als den der Film ihn verkaufte. Doch leider bedeutete der Streifen insgesamt eher einen Fehlschlag. John Rambo konnte man in Abschnitten genießen, während andere ehrlich gesagt langweilten, da es an kreativem Geschichtenerzählen mangelte. Das Drehbuch verbrachte auch nicht zu viel Zeit damit, sich mit dem Charakter von Rambo auseinanderzusetzen, wobei das ja sowieso zum Trend des Franchise geworden war, da die Zeiten von Rambo – First Blood längst vorbei waren. Der gestörte Soldat, der mit sich selbst im Krieg liegt, wurde seit Rambo II – Der Auftrag gegen eine Ein-Mann-Tötungsmaschine getauscht.

Daher konnte man in diesem Bereich des Skripts nicht allzu viel erwarten. Doch überraschenderweise findet zwischen den generischen Actionfilm-Story-Rudimenten eine Entwicklung bei Rambo statt, die man wirklich genießen kann, egal wie subtil sie auch sein mag. Rambo versprüht sichtbaren Optimismus und vermittelt gleichzeitig ein Gefühl von Zufriedenheit, was man beides nicht von ihm kennt und für eine nette emotionale Note gehalten werden kann. Es ist etwas Wachstum in der Figur zu erkennen, denn es sah wirklich so aus, als hätte er den Krieg hinter sich gelassen. Leider fühlt sich die gesamte Handlung eher nach dem straight-to-video Regal an. Hier handelt es sich nämlich um ein B-Movie Drehbuch, dem es viel an kreativem Ehrgeiz fehlt. Das Ganze ähnelt einer Handlung vom Fließband mit einer Ansammlung von bekannten Stopps, die man schon allzu oft gesehen hat. Sie ist voll von Pappfiguren, die nie authentisch wirken, weswegen man sich nicht mit ihnen identifizieren oder um sie sorgen kann. Abgesehen davon kann Yvette Monreal durch und durch hervorgehoben werden, da sie dem Film einen herzlichen Charakter verleiht und trotz der Einfachheit des Drehbuchs in der Lage ist Emotionen in ihre Darbietung zu pumpen.

Die Bösewichte bestehen aus austauschbaren Figuren, die keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Sobald man sie zu Gesicht bekommt, kennt man ihr Schicksal, wodurch keine richtige Intensität geschaffen wird. Jedoch nicht aufgrund ihrer Auftritte, die man für mehr als brauchbar halten kann. Das Problem ist, dass man nach ungefähr 15 Minuten ziemlich genau weiß in welche Richtung sich dieser Film entwickeln wird und wie er an seinem Ziel ankommt. Man kann zwar die Entwicklung der Geschichte mitverfolgen, doch die zieht einen nie in ihren Bann. Es gibt eigentlich keinen Grund, warum diese Geschichte erzählt werden müsste. Der Auftritt Stallones sollte für Fans sicherlich genießbar sein; auch wenn man gehofft hatte der Film würde einen umhauen, er es jedoch nicht tut. Allerdings bietet der Streifen einen großartigen Schlussakt mit endlos unbegründeter Gewalt.

Hier wird viel Gemetzel und Blut geliefert: Gliedmaßen werden abgeschlagen, Knochen werden gebrochen und Rambo kreiert einen wahrhaft fiesen Dungeon voller Sprengfallen, der sogar Kevin McAllisters Verstand explodieren lassen würde! Man muss schon zugeben, wenn das Morden auf Hochtouren läuft, gerät der Streifen zu einer wahren Freude für Fans gewalttätiger Actionfilme. Natürlich stellt dies auch eine Reminiszenz an klassische Rambo-Momente vergangener Zeiten dar. Bedauerlich ist nur, dass die Handlungsstränge, die diese blutigen Sequenzen zusammenhalten, nichts Neues auf den Tisch gebracht haben. Selbstverständlich zieht der Name Rambo Zuschauer an, doch mit ein paar kleinen Änderungen hätte man durchaus einen anderen Film, ohne Rambo, drehen bzw. sehen können. Dann hätte man mit Sicherheit auch nicht so große Erwartungen an das Drehbuch gehabt. Stallone spielt auf jeden Fall immer noch erstaunlich gut auf. Er fühlt sich wohl in der Rolle, wirkt kraftvoll und einschüchternd. Außerdem liefert er eine Handvoll nostalgisch-kitschiger Zeilen ab, die der Inbegriff von purer Actionfilm-Prahlerei sind und ein Lächeln auf die Gesichter der Zuschauer zaubert. Rambo: Last Blood repräsentiert keinen schlechten Film, er ist leider nur zu wenig inspiriert. Auf der positiven Seite kann ein schnelles Tempo gelistet werden, während der Film sein Willkommen sein nicht erschöpft.

Aufgrund der Einfachheit der Handlung und der Charaktere zieht sich die erste Hälfte des Films in die Länge, aber es dauert nicht lange bis das Töten beginnt und dann zeigt sich der Streifen von seiner besten Seite. Die Fallen und die Schießereien wurden recht gut in Szene gesetzt, wodurch eine Menge an Intensität aufgebaut wird. Die Kreativität des Films besteht lediglich aus der Vielfalt, mit der Rambo seine Angreifer abfertigt. Unter diesem Aspekt gesehen stellt der Film allerdings einen vollen Erfolg dar. Der Katz-und-Maus-Amoklauf weiß durchaus zu gefallen, was das schwache Drehbuch etwas vergessen lässt. Stallone ist für seine letzte Runde mehr als gewappnet, doch die Handlung fühlt sich wie kreatives Schreiben im ersten Semester an. Ok, ok wer schaut schon einen Rambo-Film, um Charakterstudien zu betreiben? Die Zuschauer bekommen im letzten Akt genau das, was sie wollen, nämlich Rambo, der tötet und zu seiner Ein-Mann-Armee zurückkehrt. Sollte man also das Franchise und/oder Stallone mögen, ist der Film einen Blick wert, vor allem jetzt, wo er digital erschienen ist.

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Darsteller: Sylvester Stallone, Sergio Peris-Mencheta, Sylvester Stallone, Adriana Barraza, Oscar Jaenada
Regisseur(e): Adrian Grunberg
Format: Breitbild
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
Studio: Universum Film GmbH
Produktionsjahr: 2019
Spieldauer: 101 Minuten

Diese BluRay sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von universum film zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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