Repo Man

Repo Man

Repo Man ist ein Kultfilm von Alex Cox aus dem Jahr 1984. Darin dreht es sich um den Pleitegeier Otto (Emilio Estevez) der aus Geldnot bei einer Pfandeintreiber-Firma anheuert, wo er von Bud (Harry Dean Stanton) lernt, zur Pfändung freigegebene Autos von Schuldnern „einzutreiben“ (wieder in Besitz nehmen; engl. to repossess) – auf Kommission, also … eigentlich zu klauen. Während er das Gewerbe anlernt, in ständiger Konkurrenz mit örtlichen Gangs (quasi eine natürlicher Wettbewerb, beide irgendwie aus wirtschaftlichen Motiven), gerät er scheinbar ahnungslos in eine Verschwörung. Alle sind auf der Suche nach einem Chevy Malibu, in dem sich wertvolle Fracht befinden soll. Doch weder die Todesfälle, noch die immer präsenteren Regierungseinheiten, noch die Aussagen der Leila (Olivia Barash) in die Otto sich verliebt, machen das so richtig klar. Die ist immerhin bei einer Firma mit der Abkürzung UFO angestellt…. und den Chevy Malibu sollten er und sein Kollege ja pfänden. Eine irre Verfolgungsjagd durch Los Angeles beginnt.

Alex Cox (Walker) schuf mit Repo Man seinen wahrscheinlich bekanntesten Film und einen heute als Kultfilm betrachteten Meilenstein des schrägen Genrekinos. Um es vorweg zu nehmen, ich denke der Film haut heute keinen mehr um, aber er ist smart und erfinderisch und skurril und voller mutiger Charakter-Entscheidungen, sowas war in den frühen 80ern nicht so alltäglich wie in den 90ern, nachdem Tarantino das Gangstergenre umkrempelte. Dabei glänzt Emilio Estevez (Loaded Weapon) als schräger Vogel, der ein wenig zwischen die Mühlen von wahrlich größeren Ereignissen gerät als sein Charakter es für möglich hält. Er ist ein typischer Außenseiter, ein Slacker und Störenfried, den Job macht er auch nicht ganz freiwillig, und mit Autorität hat er es auch nicht so richtig. Aber er hat als Repo Man Talent und Potential.

Richtig grandios ist der großartige Harry Dean Stanton (Paris, Texas), der es als Ottos Mentor  ordentlich krachen lässt und dabei als versifferter Rowdie Repo-Veteran eine seiner vielleicht doch denkwürdigsten und klar unterbewertetsten Rollen abliefert. In einer Nebenrolle ist außerdem Vonetta McGee (Leichen Pflastern seinen Weg) zu sehen. Cox beweist im Film ein gutes Händchen bei der Darstellung eines Los Angeles abseits der Postkarten-Motive, auch wenn der obligatorische Ausflug in die leeren Kanäle nicht fehlen durfte. Der kann es hier zwar nicht mit Live and Die in LA aufnehmen, aber auf eine rotzige Art spielt es in dieser Liga irgendwie mit. Dass der Film in etwa so alt ist wie ich, merkt man dabei höchstens an den Effekten, nicht aber an der Handwerksqualität. Der Film sieht aus als hätte er dreimal so viel gekostet, kommt mit einem coolen Soundtrack daher und schreddert nur knapp unter dem Größenwahn. Der ist es letztlich, der ihn aus heutiger Sicht etwas blass aussehen lässt: bei all der Verschwörung, den Aliens, und sonstwas, bleibt der Film etwas zu sehr auf dem Teppich. Aber wer weiß, vielleicht ist es ja gerade das, was ihn so besonders macht.

Repo Man

Explosive Media zieht alle Register bei dieser auf 1000 Stück limitierten 3-Disc Mediabook Edition die seit April erhältlich ist, vielleicht sogar eine der besten Releases des Labels seit langem! Den Film gibts darauf auf Englisch (getestet) und Deutsch, je DTS-HD MA, aber viel ewarten (immerhin 5.1) sollte man sich davon nicht unbedingt in sachen Wumms und Raumklang. Untertitel gibt es ebenfalls Deutsch oder Englisch. Das Mediabook ist wirklich etwas Besonderes. Zwar ist das Booklet, wie so oft der Fall, eingeklebt, aber es ist in Zusammenarbeit mit Alex Cox entstanden, der dafür Originalmaterialen zur Verfügung gestellt hat, die im Wesentlichen sein damaliges Produktionspaket für das Studio enthält, inkl. Comic und Finanzplanung. Außerdem enthält das Booklet ein Interview mit ihm. Auf der BluRay ist der Film in neuer Abtastung enthalten und sieht dabei sehr gut aus, außerdem liegt bei der Original Kinotrailer, eine Bildergalerie und ein Audiokommentar. Der Audiokommentar ist von 1990 und ist wahrscheinlich von einer alten Laserdisc oder so ähnlich, also schon ein betagter Kommentar, aber dafür noch mit sehr frischer Erinnerung. Es ist ein sehr gut informierter Kommentar der auch recht unterhaltsam ist.

Repo Man

Auf der DVD gibt es das gleiche Paket noch einmal in SD. Disc 3, die Bonus DVD, enthält auch die seltene US TV Fassung (darin fehlen u.a. Schimpfwörter, Drogenreferenzen usw.), die auf dem TV-Master beruht, aber insgesamt qualitativ nicht viel bietet, es ist was für Hardcore-Fans, die sich diese Version antun wollen. Außerdem dabei ist eine kurze informative Intro von Alex Cox von 2011 (10min), eine Doku über den Film namens „Repossessed“  von 2005 (25 min) die im Wesentlichen ein Gespräch beim Frühstück darstellt, aber den Audiokommentar gut komplementiert, sowie einge ganze Reihe von Deleted Scenes (25 min) von unterschiedlichem Wert aber dafür mit Interviews die das erläutern (u.a. den Produzenten und Alex Cox), ein ziemlich cooles Interview mit Harry Dean Stanton von etwa 2011 vermutlich (21min), und nochmals dem Originaltrailer von 1984.

Fazit: Großartiges Paket, das getrost zu einer der besten Veröffentlichungen von Explosive Media gehört, unabhängig davon ob man nun den Film mag oder nicht. Wenn man aber den Film mag, ist das ein absolutes Muss!

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Die BluRay wurde uns freundlicherweise von Koch Films zur Verfügung gestellt, in deren Vertrieb der Film erscheint.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

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