RIGOR MORTIS / LEICHENSTARRE

„Die Vampire sind verschwunden, zusammen mit den Vampir-Jägern.“ Der alte Yau muss es wissen, denn er ist der letzte seiner Zunft. Die Werkzeuge des Jägers hat er schon lange abgelegt, das wilde Treiben der Geister in dem alten Wohnblock interessiert ihn wenig. Da stirbt Onkel Tung und seine trauernde Frau versucht, ihn mit schwarzer Magie von den Toten zurück zu holen. Mit Erfolg, aber um welchen Preis! Tung steht als Vampir wieder auf, blutgierig und gefräßig. Und die Geister werden durch die Präsenz der finsteren Kreatur zu besonderer Angriffslust angestachelt. Das Haus versinkt in Blut und Chaos! Yau muss handeln. Gemeinsam mit seinem todessehnsüchtigen Nachbarn Siu-ho greift der letzte Jäger noch einmal zu den Waffen …

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Bilder von exquisiter Grausamkeit und alptraumhafter Intensität erfindet Regisseur Juno Mak für seine blutige Hommage an die Vampirfilme der 80er Jahre. Die legendäre Mr. Vampire-Reihe des Hongkong-Kinos hat den 29jährigen Filmemacher nachhaltig geprägt. Für sein stylisches Werk holte er Chin Siu-hou, einen der Stars dieser Filme, vor die Kamera. Den modernen J-Horror-Faktor der unheimlichen Geistergeschichte garantiert Produzent Takashi Shimizu, Regisseur von DER FLUCH – THE GRUDGE. Die japanische Horror-Ikone gibt als Produzent entscheidenden visuellen Input. Der ehemalige Jung-Popstar Juno Mak entpuppt sich mittlerweile als regelrechtes Multitalent. Nachdem seine Musikkarriere durch eine Korruptionsaffäre seines reichen Vaters einen herben Rückschlag erlitt, konnte Juno Mak inzwischen nicht nur mit seinen Platten, sondern auch als Filmschauspieler überzeugen. Nebenher gründete er ein erfolgreiches Modelabel. Nun hat er sich als Autor, Produzent und Regisseur von RIGOR MORTIS in der Filmszene lautstark bemerkbar gemacht. Sein perfekt gestylter Alptraum-Trip in die chinesische Geisterwelt verknüpft mit fantastischen Effekten Elemente der Mr. Vampire-Stories mit modernem J-Horror im Stil von The Ring und The Grudge. (Ascot Elite)

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Dem Multitalent Juno Mak (Pop-Star, Fashionista, Schauspieler) würde man wahrscheinlich nicht zutrauen einen vernünftigen Film auf die Beine zu stellen. Gerade deswegen wird man von seinem Regiedebüt RIGOR MORTIS überrascht sein. Eine visuell atemberaubende Hommage an die 1980er Jahre Blütezeit des Hongkong-Kinos, als das Vampir-Genre sehr lebendig war (meist in der Form der Hopping Vampire“ Horrorkomödien) erweist sich Geung si als sehr viel mehr als nur ein Fest für Genre-Fans, denn der Film beinhaltet überraschend viel emotionale Tiefe und etabliert sich als eine erfrischend andere Art von Meta-Kino. Vampir-Fans werden schon in der Eröffnungsszene den Hauptdarsteller Chin Siu-howiedererkennen. Er ist einer der letzten Überlebenden der klassischen „Mr. Vampire“ Serie von 1985 (Mak widmet den Film den beiden anderen verstorbenen Schauspielern Lam Ching Ying und Ricky Hui) und spielt sich selbst als einen abgehalfterten Filmstar, der in ein heruntergekommenes Mietshaus zieht, um dort Selbstmord zu begehen. Dieser Akt der Verzweiflung führt ihn zu Onkel Yau (Anthony Chan Yau, ehemals Schlagzeuger der 1970er Jahre Band The Wynners sowie Chins Tragstern von „Mr. Vampire), einem Veteran Taoist Vampirjäger, der jetzt seine eigene kleine Garküche in der Nachbarschaft betreibt.

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Neben Onkel Yau erhält Chin auch die Aufmerksamkeit der anderen meist älteren Mieter des Komplexes, die durch ebenso ehrwürdige Veteranen des Hongkong-Kinos dargestellt werden. Hee Chin Paw (als Nina Paw) und Richard Ngverkörpern das hingebungsvolle Paar Auntie Mui und Uncle Tung, dessen Band der Liebe auf die Probe gestellt wird, als Uncle Tung bei einem unglücklichen Unfall zu Tode kommt. Chung Fat spielt den lokalen Tempelpriester Uncle Gau, der sich in einem Hinterzimmer seiner Wohnung in den dunklen Künsten und Exorzismus übt. Kara Hui ist die alleinerziehende Mutter eines Albino-Jungen, deren tragische Vergangenheit mit der Wohnung, die Chin nun bezieht, verknüpft ist. Hoi-Pang Lo gibt den einzigen Wachmann des Gebäudes, der das Kommen und Gehen der Bewohner und deren Besucher mit einem misstrauischen und einem wachsamen Auge beobachtet. Mak, der gemeinsam mit Philip Yung und Jill Leung auch das Drehbuch geschrieben hat, lässt sich zwar viel Zeit die Hintergrundgeschichten der Protagonisten langsam nachzuzeichnen, baut dabei aber eine unheimliche Atmosphäre von beunruhigender Spannung und Angst auf, die er in jedem Frame gekonnt einzufangen weiß. Während dies dem Zuschauer schon ein gewisses Maß an Geduld abverlangt, gelingt es Mak mit einem starken, an gedämpften Farben schwer angereicherten, visuellen Stil überraschend gut unter die Haut des Betrachters zu fahren. Der Einfluss von „The Grudge“ Produzent Takashi Shimizu ist nicht zu leugnen, jedoch kreiert Mak mit einigen wirklich hypnotischen Bildern sein ganz eigenes Ding. In Anlehnung an seinen „Revenge: A Love Story“ Regisseur Wong Ching Poinszeniert Makdie Action-Sequenzen mit ein wenig expliziter Gewalt. Ja, das in dieser Richtung etwas empfindliche Publikum sollte zur Kenntnis nehmen, dass einige Szenen nicht nur blutig, sondern auch von verstörender Gewalt sind und dahingehend sensibele Menschen durchaus erschrecken könnten. Mak beabsichtigt damit eindeutig ein jüngeres Publikum anzusprechen, welches nach solch graphischen Details lechzt, übertreibt es damit aber nie und demonstriert ein gehöriges Stück an Zurückhaltung in Szenen, die noch sehr viel expliziter hätten dargestellt werden können. Zusätzlich zieht sich unvergleichbar ein Gefühl von Verlust und Bedauern durch den ganzen Film, ob in Form einer liebevollen Frau, die alles versucht, um den Körper ihres verstorbenen Mannes wieder mit Leben zu füllen, in Form rachsüchtiger Geister, die unfähig sind von ihrer tragischen Vergangenheit abzulassen oder in Form eines Individuums, das sein Leben verpfuscht und dadurch seine Lieben verloren hat.

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Rigor Mortis“ verdient es nicht nur als eine Hommage an das ‚keung si‘ Genre angesehen zu werden, sondern auch als gelungener moderner Horrorfilm. Mak liefert einen spannenden und unerwartet ergreifenden Film ab, der mit seiner ganz eigenen Bildästhetik durchdrungen ist. Zweifellos wird es einige Menschen geben, die es nicht mögen, dass  Mak dem Zuschauer am Ende noch gehörig den Boden unter den Füßen wegzieht aber bestimmt auch einige, die das als willkommenen Denkanstoß zu deuten und würdigen wissen, der den Streifen zu einem ungewöhnlichen und inspirierten Stück Meta-Kino macht.

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Ascot Elite Home Entertainment beschert diesem ziemlich ungewöhnlichen Film eine ordentliche Veröffentlichung. Das Bild ist im 2.35:1 / 16:9 – 1080 / 24p HD Format gehalten und bietet gute Qualität, da gibt es keine Beschwerden. So auch beim Ton, der mit Deutsch und Kantonesisch ( beide DTS-HD Master Audio 5.1) zwei Spuren zu bieten hat, die wirklich gut klingen. Möchte man Rigor Mortis mit Originalton anschauen, hat man die Möglichkeit deutsche Untertitel  anzuwählen. Als Extras sind lediglich ein kurzes Making of, der Originaltrailer und eine Trailershow anderer Ascot Elite Titel enthalten. Um das FSK Logo verschwinden lassen zu können ist glücklicherweise ein Wendecover vorhanden.

Wer auf Hong Kong Streifen wie The Grudge oder The Ring steht, dem wird sehr wahrscheinlich auch Rigor Mortis gefallen. Der Film ist bildästhetisch eine Wucht … doch wer Schwierigkeiten mit der Erzählweise des asiatischen Kinos hat, der wird auch hier so seine Probleme bekommen. Technisch bewegt sich die BluRay  auf hohem Niveau.

Diese BluRay wurde freundlicherweise von  Ascot Elite Home Entertainment zur Verfügung gestellt.

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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