Rock ’n‘ Roll High School

 

Die Vince Lombardi High School verschleißt einen Direktor nach dem anderen. Nervenzusammenbrüche des Kollegiums sind an der Tagesordnung, da die Schüler lieber Rock´n´Roll hören, als sich um ihre Bildung zu kümmern. Wie zum Beispiel die vermeintliche Schülersprecherin Riff Randell, die lieber zum Ramones-Konzert geht, als zu büffeln. (Anolis)

Rock ’n‘ Roll Highschool hat viel zu bieten. Für den Anfang bekommt man P.J. Soles und Mary Woronov präsentiert, deren Charaktere Riff Randal und Miss Evelyn Togar die ikonischen Personen darstellen, welche die Show tragen. Auf Anhieb sorgen ihre Auftritte dafür, das der Film zu einem der lustigsten Drive-In-Flics seiner Zeit gerät. Fügt man jetzt auch noch gut ausgewählte Nebendarsteller wie Clint Howard, Dey Young, Paul Bartel und Vincent Van Patten hinzu, so bekommt man einen beinahe perfekten High-School-Streifen voller charismatischer und talentierter Schauspieler. Dazu trägt zusätzlich ein ambitionierter, hart arbeitender first-time Regisseur wie Allan Arkush bei, der vor kreativen Ideen nur so übersprudelt. Dennoch ist die Band The Ramones der einzige Grund, warum es Rock ’n‘ Roll Highschool überhaupt gibt.

Allan Arkush war einer von Roger Cormans Trailer-Cuttern, der zum Second-Unit-Regisseur aufstieg, als er 1976 den Sub-Low-Budget-Flic Hollywood Boulevard mit Joe Dante machte. Der Erfolg dieses Streifens brachte ihm sein erstes Solo-Regie-Projekt, wobei es dafür kein perfekteres Timing hätte geben können. Arkush war ganz in seinem Element und zum Glück für das Publikum, erlaubte Corman den Namen des Projekts von Disco High (Rogers Idee) zu Rock ’n‘ Roll Highschool ändern zu lassen. Arkush holte die Ramones (die vier der besten Alben aller Zeiten in weniger als drei Jahren produziert hatten) mit an Board, weswegen das Ergebnis zu einem Höhepunkt für New World Pictures avancierte, zu einem der besten Rock’n’Roll-Filme aller Zeiten, einem Dokument über eine der größten Bands Amerikas auf dem Gipfel ihres Erfolges, und, oh ja, eine der am besten geschriebenen und inszenierten Teenager Komödien überhaupt.

Rock ’n‘ Roll Highschool spielt an der fiktiven Vince Lombardi High, wo die neue Schulleiterin Miss Togar (Woronov) beschlossen hat, einen „Eine-Frau-Krieg“ gegen die Geißel der Menschheit namens Rock ’n‘ Roll zu führen. Ihre Nr. 1 Nemesis ist die mutig entschlossene Riff Randall (Soles), die einen Song für ihre geliebten Ramones geschrieben hat und beabsichtigt, diesen der Band zu übergeben, wenn die für ein großes Konzert in die Stadt kommt. Unterdessen gelüstet es Tom (Vincent Van Patten), dem dämlichen Football-Kapitän, nach Riff, weswegen er Eagelbauer (Clint Howard) anwirbt, um sie zusammen zu bringen, obwohl Riffs beste Freundin, die attraktive aber bücherwurmige Kate Rambeau (Dey Young) in den sozial benachteiligten Vollblut-Athleten verknallt ist. Diese Handlungsstränge funktionieren wunderbar, um einen Film voller zielgerichtetem Slapstick und visuellen Gags abzuliefern, die nur selten danebengehen. Ein denkwürdiger „Running Gag“ ​​mit Labor-Mäusen gestaltet sich besonders inspiriert und beweist, dass die Macher sich nicht schämten, das Ganze soweit zu treiben wie nur möglich.

Wie bereits erwähnt, sind es jedoch die Ramones, die die Show stehlen, und wie viele bereits vor mir angemerkt haben, wäre dieser Film ohne die Band nicht derselbe gewesen. Ihre einzigartige Kombination aus unantastbarem Rock-Credo und unbekümmerter Goofiness machen sie zur perfekten Wahl für diese Rock ’n‘ Roll-Musical-Fantasie. Ob sie auf dem Gehweg Lippensynchronisieren, Backstage fettige Pizza verschlingen, in Soles‘ Schlafzimmerträumen erscheinen oder alle Register während der großen Konzertsequenz ziehen, sie sind charismatischer als jede andere Band von sozialen Außenseitern aus Queens das Recht hat es zu sein. Das Ergebnis ist ein Film, der unmittelbar und bezeichnend für seine Zeit ist, genauso wie es Yeah Yeah Yeah (A hard days night, 1964) anderthalb Jahrzehnte zuvor gewesen war. Zu dem Zeitpunkt, wenn die Band die Flure der Lombardi High paradiert und dabei „Do You Wanna Dance“ singt, um eine ausgeklügelte Sing- und Tanznummer mit synchronisierten Footballspielern und Pom Pom Girls zu sprengen, weiß man, dass man etwas völlig Einzigartiges anschaut, was aufwändig konzipiert sowie brillant inszeniert wurde. Ganz besonders, wenn man das bescheidene Budget berücksichtigt.

Anolis Entertainment veröffentlicht Rock ’n‘ Roll Highschool im Mediabook und einer Standard Blu-ray Box. Das Bild (1,79:1/16:9) bietet, wie bereits gewohnt, anständiges Niveau und geht vollkommen in Ordnung. Beim Ton werden uns zwei Spuren (deutsch und englisch, DTS HD-MA 2.0 Mono) geboten, die beide keinen Grund zur Beschwerde geben. Deutsche Untertitel sind auf Wunsch auch zuschaltbar. Die recht umfangreichen Extras bestehen aus einer Bildergalerie und einem 24-seitigem Booklet mit interessantem Text von Dietmar „Dia“ Westerteicher (exklusiv nur in den Mediabooks enthalten), sowie dem US Kinotrailer, „Trailers From Hell“ mit Eli Roth, US TV & Radio Spots und einem US Werberatschlag. Auch die Audiokommentare mit Allan Arkush und Mike Finnell sowie der mit Allan Arkush, P. J. Soles und Clint Howard und der mit Roger Corman und Dey Young sowie der mit Jörg Buttgereit und Alexander Iffländer sind wie immer sehr unterhaltsam und informativ. Die Extras werden dann von den Featurettes Back to School – Ein Rückblick, Roger Corman bei Leonard Maltin, Staying After Class und Audio Outtakes: The Ramones live im Roxy abgerundet. Insgesamt handelt es sich hier wieder um eine äußerst gelungene Veröffentlichung mit enorm viel Hintergrundinformationen über einen klasse Film.

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Darsteller: P.J. Soles, Vincent van Patten, Clint Howard, Dey Young, Mary Woronov
Regisseur: Allan Arkush
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Anolis Entertainment
Produktionsjahr: 1979
Spieldauer: 93 Minuten

Diese BluRay sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Anolis zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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