Rumble Fish

Man kann einen Filmemacher nicht verstehen, ohne sein (oder ihr) Frühwerk gesehen zu haben. Nicht ohne Grund entdecke ich gerne Fruehwerke, zu letzt beispielsweise ja das von Peter Weir. Francis Ford Coppola, das Genie das mit Apocalypse Now fast wahnsinnig geworden wäere, und aus der Filmgeschichte nicht mehr wegzudenken ist, hat, genauso wie auch George Lucas, anfangs viele Aussenseiter Filme gedreht. Bei Lucas hiess das American Graffitti, bei Coppola war The Outsiders der große Erfolg. Weniger bekannt ist Rumble Fish, obwohl mit Mat Dillon, Diane Lane, Mickey Rourke, Nicholas Cage, Dennis Hopper und Chris Penn jede Menge bekannte Schauspieler versammelt sind. Das Werk aus den 80ern ist nicht unbedingt zugänglich, aber es punktet mit einigen tollen Aspekten. Man könnte Rumble Fish als den weniger bekannten kleinen Bruder von The Outsiders sehen.

Rumble Fish Diane Lane

Der Film handelt von Rusty James (Matt Dillon), der im Schatten seines älteren Bruders und ehemaligen Gangchefs Motorcycle Boy (Mickey Rourke) seine Truppe an Freunden zu einer angesehen Gang machen will. Er ist rastlos, hat keine Perspektive, und sehnt sich nach einer Zeit, die er als besser in Erinnerung hat, als nämlich sein Bruder noch da war, und sein Name was wert war. Motorcycle Boy jedoch ist erwachsen geworden, und Rusty weiß dass er weder den Charme noch den Grips seines großen Bruders hat, um auf diese Art und Weise etwas zu werden. Patty (Diane Lane) ist die Freundin von Rusty, doch auch hier hat er seine Probleme. Zum einen seine eigene Unsicherheit, zum anderen sein Way of Life, nicht gerade kompatibel mit der Sehnsucht einer jungen Dame nach einer starken Schulter. Der Konflikt von Rusty und seiner Gang mit rivalisierenden Jungs, die Aussichtslosigkeit in Tulsa, Oklahoma, und seine Zerrissenheit, bedeuten nichts gutes für den Teenager. Zunehmend verliert er den Anschluss, und verliert letztendlich auch Patty an seinen Kumpel Smokey (Nicolas Cage). Rustys Unruhe zeigt sich in fast schon irren Zügen. Besonders hingezogen fühlt er sich zu siamesischen Kampffischen, die er „rumble fish“ nennt, in einem Tiergeschäft. Als er dort mit seinem Bruder einbricht und die Tiere befreit, kommt es zu einem fatalen Zwischenfall, und Rusty flieht richtung Ozean….

Rumble Fish

Francis Ford Coppola geht mit der Romanvorlage nicht zimperlich um. Dieses Frühwerk hat viel eines psychologischen Romans mit viel Selbstreflexion. Die Zerrissenheit von Rusty, die Orientierungslosigkeit der Charaktere, all das kanalisiert Coppola in einem stilistisch feinen Schwarz-Weiß Ambiente, mit nur wenig Farben. Er schafft ein düster melancholisches Bild der Jugendlichen, das gleichzeitig aber auch die Romantik, nach der sich Rusty sehnt veranschaulicht. Es stehen sich die Momente von Todesgefahr und die der Verspieltheit, zum Beispiel in der Pool Halle, gegenüber. Der Schwarz-Weiß Gedanke findet auch seine Wiederholung in der Geographie, so ist die andere Flußhälfte für die Jungs ein konstantes Thema.

Man kommt nicht ohnehin, den Film mit The Outsiders zu vergleich, dennoch ist er grundverschieden. Rumble Fish ist ein Charakterdrama, The Outsiders ein Portrait. Wo Rumble Fish tief in die Zerrissenheit seiner Protagonisten eintaucht, bleibt The Outsiders ein Beobachter der Ära – außerdem ist The Outsiders bei weitem kompatibler zum Mainstreamgedanken, Rumble Fish bietet sich dem Zuschauer bei weitem nicht so zugänglich an.

Rumble Fish

Besonders interessant ist hier das Ensemble. Der Vater der Brüder wird von Dennis Hopper gespielt, und in diversen anderen Nebenrollen sind ebenso bekannte Gesichter zu sehen. Es ist ein frühes Zeugnis der Talente die Coppola hier versammeln konnte. Bis auf die bereits verstorbenen sind alle der beteiligten mindestens A-Listen Stars heute. Matt Dillon liefter eine brilliante Leistung, eine sehr kritische Darstellung, die nur oberflächlich etwas von einer James Dean-haften Coolness hat. Besonders auffallend ist auch Diane Lane, in der Rolle einer Femme Fatale für die Gruppe. Lane hatte lange Zeit wenig Erfolg, bis sie Ende der 90er wieder gute Rollen landete und nochmal stärker bekannt wurde. Damals jedoch konnte sie mit jugendlichem Charme und enormer Schönheit auftrumpfen, sie verleiht dem Film eine Extra Dosis Grazie.

Rumble Fish

Der Look sei hier nochmal extra erwähnt. ich habe versucht ein paar gute Bilder hier auch einzubauen. Schwarz-weiß ist definitv ein Metier in dem sich Coppola wohl fühlt. Rumble Fish sieht auch stilistisch seinem erst vor kurzem erschienenen Werk Tetro nicht ganz unähnlich. An vielen Stellen ist der Film lichtarm, außer beispielsweise in Closeups oder auf der belebten Flaniermeile in der anderen Stadthälfte. Ich bin persönlich großer Fan von s/w Film, ich finde man konzentriert sich dabei viel mehr auf die Substanz, und ich denke das geht dem Filmemacher genauso.

Erzähltechnisch hat der Film einige Längen, und die psychologische Komplexität und die etwas experimentielle Erzählweise trägt mit sicherheit zur etwas schwierigen Zugänglichkeit bei. Dennoch ist es ein Glanzstück für Coppolla, und Rumble Fish ein beeindruckender, leider zu wenig beachteter, Film.

Rumble Fish

Koch Media hat die BluRay kürzlich in Deutschland auf den Markt gebracht, und sie sei Fans definitiv empfohlen. Das Bild ist für eine BluRay nun nicht unbedingt herausragend, doch ist es um Längen besser als Versionen die man möglicherweise noch von VHS oder TV kennt. Die Bluray beinhaltet die ungekürzte Fassung, und bietete neben dran noch mit einem unterhaltsamen Audiokommentar von Coppola interessante dreingaben, wenn man auch nicht behaupten kann dass diese Scheibe (aber für welche ist das heute schon noch der Fall) das Format damit ordentlich ausgereizt wurde.

Rumble FishFAZIT

Rumble Fish ist ein Juwel, wenn auch kein perfektes. Fans werden ihre Freunde daran haben, und alle anderen lade ich ein, dieses Frühwerk für sich zu entdecken, wenn auch nur wegen der jungen Schauspieler und der Atmosphäre.

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Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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1 Antwort

  1. 19. Februar 2017

    […] in meinem Coppola Wissen zu schließen. In The Cotton Club von 1984 lässt Francis Ford Coppola (Rumble Fish) das swingende Harlem der späten 20er auferstehen und zu meiner Freude in einem Leinwand-Fest das […]