Rupture

Rupture ist ein Film aus der Kategorie „je weniger man vorher darüber weiß, umso besser“. Renee lebt, seit der Trennung von ihrem Mann, allein mit ihrem Sohn. Schwarz-Weiß-Aufnahmen, wie von Überwachungskameras, aus ihrem Haus und der Straße davor deuten an, sie werden beobachtet. Jemand macht sich an ihrem Auto zu schaffen und dies führt zu einer Reifenpanne auf einer Landstraße, nachdem sie den Sohn zum Ex-Mann gebracht hat. Zwei, vermeintlich zufällig vorbeikommende, Männer täuschen Hilfsbereitschaft vor und die Falle schnappt zu. Renee wird entführt und in einen entlegenen Gebäudekomplex verschleppt. Unbekannte führen Untersuchungen und Befragungen mit ihr durch und auch ihre Arachnophobie wird auf die Probe gestellt. Doch das willensstarke Opfer nutzt eine sich bietende Möglichkeit zum Ausbruch. Auf ihrer Suche nach einem Ausweg aus dem Gebäude stellt sie fest, sie ist nicht die einzige Person mit der hier die seltsamen Versuche durchgeführt werden.

Lange Zeit bleibt es ein Geheimnis für die Protagonistin und den Zuschauer, was es mit der Entführung und den Experimenten auf sich hat und schafft damit einen guten Spannungsbogen. Noomi Rapace (Dead Man Down) spielt die clevere, starke Heldin mit sichtbarem Engagement. Ihre „Gegenspieler“ werden u. a. von Michael Chiklis (Las Vegas) und Peter Stormare (The Big Lebowski) verkörpert. Im Kopf arbeitet man mit, ob es sich hier um eine Lösegelderpressung handeln könnte, ob Organ-Räuber am Werk sind oder vielleicht ein Hostel-Folterknecht hinter der nächsten Ecke lauert. Erst nach gut 70 Minuten wird das Geheimnis langsam gelüftet und sorgt dann doch für Erstaunen.

Ich könnte jetzt zwei bis drei andere Filme nennen, mit denen man Rupture vergleichen könnte, aber allein dadurch wäre die Spoiler-Gefahr schon zu groß. Auch über das Ende kann man sich noch so einige Gedanken machen. Je nachdem, welche Deutung man für sich selbst in Anspruch nimmt, schwankt es zwischen fies, böse oder zappenduster. Rupture ist ein unerwartet starker Vortrag, komplexer und tiefgründiger, als es zuerst den Anschein hat und dabei frei von Gewaltdarstellungen oder Blutvergießen. Das Highlight unter den Videopremieren im Januar. 8/10

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Andrew Woo

"You don't butt in line! You don't sell drugs! You don't molest little children! You don't profit off the misery of others! The rules were set a long time ago! They don't change!"

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