Sam Hell ist – Der Jäger / The Hunter / Hell Comes to Frogtown

Die Welt ist zerstört, die meisten Männer können keine Kinder zeugen. Eine der wenigen Ausnahmen ist Hell, der einen Deal mit der Regierung eingeht, so viele Frauen wie möglich zu schwängern. Einige fruchtbare Frauen werden in Frogtown gefangen gehalten, einer Stadt, in der Mutanten leben, deren Gene sich aus Frosch und Mensch gemischt haben…

Die Zukunft, wieder einmal hat die Menschheit Armageddon auf die Welt losgelassen. In diesem radioaktiven Ödland wurde der Verbrecher Sam Hell von den Behörden gefangen genommen. Als einer der wenigen übrig gebliebenen fruchtbaren Männer auf dem Planeten ist er gezwungen dem Medtech-Unternehmen zu dienen, um entführte lebensfähige Frauen zu retten und zu befruchten. Allerdings gibt’s da noch das kleine Problem, dass man sich mit intelligenten mutierten Fröschen herumschlagen muss. Den amerikanischen Wrestler Roddy „Rowdy“ Piper dürfte man aus They Live (John Carpenter’s Sie leben, 1988) kennen, doch kann man noch einen anderen Film mit ihm nennen? Eine schwierige Frage, denn nach seiner erfolgreichen Vorstellung in John Carpenters Klassiker über böse Außerirdische, die die Welt erobern wollen, geriet Piper zu Unrecht in Vergessenheit. Bevor They Live übernahm er die Hauptrolle in Hell Comes To Frogtown, einem der zahlreichen postapokalyptischen B-Filme, die in den 80er Jahren die Regale der Videotheken überfüllten.

Mit seiner Zunge fest in der radioaktiven Wange macht Hell Comes To Frogtown seinem Titel alle Ehre, während der Film eine Mischung aus Mad Max 2 – Der Vollstrecker, Planet der Affen und unzähligen anderen futuristischen Filmen darstellt. Doch keiner dieser Filme kann einen Helden aufbieten, der den größten Teil des Films mit einem explosiven Codpiece (man könnte es auch Schamkapsel nennen) herumlaufen muss. Der Mann, der in diesen Apparat gezwungen wird ist Sam Hell, auf dem Papier ein gewöhnlicher Antiheld, aber dank Roddy Pipers Leistung ist er als ein sympathischer, engagierter Charakter zu beschreiben. Egal, ob er One-Liner abfeuert, versucht seinen Entführern zu entkommen oder sich mit sprechenden Fröschen schlägt, seine Leistung ist der Schlüssel zum Erfolg des Films. Denn wo auch immer die Handlung droht etwas zu sehr abzuflachen, ist Piper zur Stelle, um die Aufmerksamkeit des Publikums aufrecht zu erhalten. Genauso wie ein anderer Stammgast des Genrekinos, Sandhal Bergman (Conan, der Barbar; Red Sonja), die als glitzernde Leiterin der Mission bereit ist sich bis auf die Unterwäsche auszuziehen, aber natürlich nur, wenn das Drehbuch dies für erforderlich hält. Das Gezänk zwischen ihr und Piper trägt zum hellen Ton des Films bei, während unsere Charaktere, verstärkt mit der toughen Centinella (Cec Verrell aka Silk, die man sogar Oben-ohne zu sehen bekommt) durch das Ödland in Richtung ihres Zieles, Frogtown, reisen.

Ja Frogtown, das andere Element des Films, wo eine Gruppe fruchtbarer Frauen gefangen gehalten wird. Um ehrlich zu sein, sind die Amphibien-Kostüme trotz des geringen Budgets ziemlich gut umgesetzt worden, mit bösen Froschkommandanten und einer grünhäutigen Stripperin, die Sam anschmachtet. Leider verliert sich die Handlung im letzten Akt etwas, da dem Ganzen gehörig der Dampf ausgeht. Allerdings gibt es ein paar Faustkämpfe zu bestaunen, Sandhal führt den Tanz der drei Schlangen auf und unser Held bekommt es in der letzten Konfrontation mit Kermits bösem älteren Bruder zu tun, um das Interesse aufrechtzuerhalten. In einer Zeit, in der die meisten Sommer-Blockbuster kaum mehr als B-Filme mit Millionenbudgets zu bezeichnen sind, ist Sam Hell ist: Der Jäger sicherlich nicht schlechter als das, was ansonsten in Multiplexen angeboten wird. Günstig und fröhlich werden seine erzählerischen Flauten und Regiemängel durch eine überzeugende zentrale Vorstellung und einen Hauch witzigen Dialogs aufgewertet. Es handelt sich hier mit Sicherheit um kein filmisches Meisterwerk, doch gab es in Citizen Kane mutierte sprechende Frösche?

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  • Darsteller: Rowdy Roddy Piper, Sandahl Bergman, Julius LeFlore, RCB, William Smith
  • Regisseur(e): R. J. Kizer, Donald G. Jackson
  • Format: Dolby, PAL
  • Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
  • Region: Region 2
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
  • Anzahl Disks: 1
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: Maritim Pictures (Alive AG)
  • Produktionsjahr: 1987
  • Spieldauer: 80 Minuten

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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Eine Antwort

  1. 23. November 2020

    […] offenbar nicht erfolgreich genug um Cec Verrell (die ursprüngliche Silk und auch bekannt aus Hell Comes to Frogtown) wieder an Board zu bekommen. Warum dann nicht auch noch gleich eine Trilogie daraus gemacht wurde, […]