Satan der Rache / E Dio disse a Caino… / And God said to Caine

Nach zehn Jahren harter Strafarbeit in einem Steinbruch wird Gary Hamilton aufgrund von Amnesie aus der Haft entlassen. Jetzt hat er nur einen Gedanken: Rache an Acombar. Durch die Intrige seines früheren Freundes hatte Hamilton Besitz und Frau verloren und unschuldig hinter Gittern gesessen. Jetzt will er sich zurückholen, was ihm gehörte. Schweigend, unbarmherzig und in den nächtlichen Nebel gehüllt, beginnt er seinen blutigen Rachefeldzug…

Nach zehn Jahren Zwangsarbeit wird Gary Hamilton (Klaus Kinski) begnadigt (für ein Verbrechen, das er gar nicht begangen hat). Er wurde von seinem ehemaligen Freund Acombar (Peter Carsten) hintergangen, der jetzt mit Garys ehemaligen Frau Maria (Marcella Michelangeli) verheiratet ist und sich zu einem lokalen Tyrannen entwickelt hat, der sich zu seinem Schutz von einer ganzen Armee von bewaffneten Männern umgeben lässt. In der Postkutsche trifft Hamilton zufällig auf Acombars Sohn Dick (Antonio Cantafora) und bittet den Jungen, seinem Vater von seiner Ankunft zu berichten. Es droht ein Tornado aufzuziehen und als sich Hamilton der Stadt nähert, werden die ihn erwartenden bewaffneten Männer vom aufgewirbelten Staub geblendet. Hamilton nutzt das Netzwerk unterirdischer Galerien (von einem indianischen Friedhof), um seine Feinde zu verfolgen und sie einen nach dem anderen zu töten, wobei er von einigen wenigen Stadtbewohnern unterstützt wird, die Acombar hassen. Dieser oft als Antonio Margheritis bester Western bezeichnete Film, repräsentiert gleichzeitig auch einen recht umstrittenen. Denn er stellt ein inoffizielles „Remake“ eines anderen Italo-Westerns dar, der nur Monate zuvor gedreht wurde, nämlich Salvatore Rossos Uno straniero de Paso Bravo (Der Fremde von Paso Bravo).

Einige Story-Elemente wurden verändert, doch die Ähnlichkeiten sind nicht zu leugnen, zumal Anthony Steffen in Rossos Film einen Rächer namens Gary Hamilton verkörpert, während sein Erzfeind (gespielt von Eduardo Fajardo) Acombar heißt. Doch ein Mangel an Originalität bedeutet nicht unbedingt auch gleichzeitig einen Mangel an Kreativität. In Satan der Rache entwickelte Margheriti einige Ideen weiter, die bereits in seinem früheren Western Joko invoca Dio… e muori (Fünf blutige Stricke, 1968) verwendet wurden. Während die Horroraspekte dieses Films noch eher als zurückhaltend zu beschreiben sind, vermuten einige Kritiker hinter Kinskis Charakter in Satan der Rache einen Geist. In der ersten halben Stunde des Streifens kann das Publikum förmlich beobachten, wie Kinski allmählich zu einem rachsüchtigen Wesen degeneriert, und als er endlich vor den Toren von Acombar-Town ankommt (in der besten Sequenz des Films), ist er nur noch als ein Schatten, eine Silhouette, die sich vom Horizont abhebt, wahrzunehmen. In der nächsten Szene reitet nur sein Pferd in die Stadt, so als wäre der Mann vom heulenden Wind verschluckt worden. In wahrer Gothic-Horror-Manier erzeugt Margheriti mit zuschlagenden Fensterläden, flatternden Vorhängen und läutenden Kirchenglocken eine Atmosphäre des Terrors und der drohenden Gefahr. Vögel beginnen zu kreischen, sobald Hamiltons Name genannt wird.

Ein weiterer Aspekt, der hier weiter vorangetrieben wird, als in Margheritis vorherigem Western, ist die Darstellung von Gewalt. Die berühmte Eröffnungsszene aus Fünf blutige Stricke, in der ein Mann gevierteilt werden soll, gestaltet sich zwar erschreckend, jedoch auf suggestive, nicht ausbeuterische Art und Weise. In Satan der Rache wird ein Priester langsam und mit voller Absicht (vor einer unbeweglichen Kamera) hingerichtet, während einer der Schurken (Luciano Pigozzi), in der wahrscheinlich grafisch gewalttätigsten Szene, die man jemals in einem Spaghetti-Western zu sehen bekommen wird, buchstäblich von einer riesigen Kirchenglocke zerquetscht bzw. in zwei Teile geteilt wird. Margheriti bezeichnete seinen eigenen Film auch „eher sizilianisch als amerikanisch“: Mit einem Drehbuch über Verrat und die Stärke familiärer Bindungen kommt er einem Mafia-Plot näher, als einer typischen Westerngeschichte. Als Acombars Sohn (der während des gesamten Films ein anständiger und sanftmütiger Charakter zu sein scheint) herausfindet, dass sein geliebter und scheinbar respektabler Vater ein Krimineller ist, wählt er dennoch dessen Seite, wobei er auf seine starke Loyalität gegenüber dem Clan und der Familie verweist (die der Existenz italienischer Verbrecherringe zugrunde liegt). In Übereinstimmung mit dem klassischen Familiendrama ist es der Vater, der Patriarch, der schließlich den Untergang der Dynastie herbeiführt, indem er seinen eigenen Nachfolger aus Versehen tötet.

Indem Margheriti alle überflüssigen Dialog- und Story-Elemente aus Salvatore Rossos Film (der als Vorlage diente) hier weggelassen hat, ist es ihm gelungen, einen beinahe vollkommen originellen Spaghetti-Western zu kreieren, der sich kalt, beängstigend, blutig und wunderschön präsentiert. Satan der Rache respektiert die klassischen dramatischen Einheiten von Zeit, Ort und Handlung: Die Geschichte spielt hauptsächlich an einem Ort und entfaltet sich innerhalb einer schrecklichen, stürmischen Nacht. Auf die Idee, Kinski als Helden zu besetzen, konnte wohl auch nur ein Regisseur mit Horrorfilm-Hintergrund kommen, auch wenn es sich um einen Helden handelt, der nicht zögert seinen Feinden in den Rücken zu schießen. Wie man sich vorstellen kann, liefert Kinski eine wundervolle, fast hypnotische Vorstellung ab. Mit extrovertierteren Bösewichten wie Fernando Sancho oder Eduardo Fajardo vertraut, waren die meisten temporären Kritiker mit (Co-Produzent) Peter Carsten als Acombar nicht zufrieden, doch im Nachhinein passt seine verhaltene Leistung ziemlich gut in den Film. Marcella Michelangelis Rolle als die Frau, die ihren Ehemann verraten hat, um mit seinem korrupten Freund zusammenzuleben, kommt ein wenig vernachlässigt rüber. Eine weitere kleine Enttäuschung stellt das Finale des Films dar, das eine ziemlich vorhersehbare Hommage an Orson Welles‘ Spiegelszene aus Die Lady von Shanghai (1947) repräsentiert. Ansonsten handelt es sich bei Satan der Rache um einen großartigen Western. Angeblich wurde Clint Eastwood vom dunklen sowie eindringlichen Look des Films für seinen Oscar-Gewinner Unforgiven (Erbarmungslos, 1992) inspiriert.

Arrow Films veröffentlicht Satan der Rache im Rahmen ihrer limitierten Vengeance Trails Blu-ray Box, in der außerdem noch Django – Sein Gesangbuch war der Colt (1966), Jonny Madoc (1966) und Bandidos (1967) enthalten sind. Es liegen High Definition Blu-ray (16:9 – 1.78:1 / 1080p) Präsentationen aller vier Filme sowie 2K-Restaurationen aller vier Filme von den original 35-mm-Negativen vor, wobei Django – Sein Gesangbuch war der Colt, Jonny Madoc und Bandidos für diese Veröffentlichung von Arrow Films neu restauriert worden sind. Beim Ton liegen restaurierte italienische und englische Mono-Soundtracks vor, denen bei Bedarf, englische Untertitel für die italienischen Soundtracks sowie englische Untertitel für Gehörlose und Schwerhörige für die englischen Soundtracks zugeschaltet werden können. Die Box beinhaltet eine illustrierte Sammlerbroschüre mit neuen Texten des Autors und Kritikers Howard Hughes sowie ein doppelseitiges Klappposter mit neu in Auftrag gegebenen artwork.

Bonusmaterial:

  • Neuer Audiokommentar mit Autor und Kritiker Howard Hughes
  • Neues Featurette mit neuem Interview mit Fabio Melelli, inklusive einem neuen Audiointerview mit der Schauspielerin Marcella Michelangeli (ca. 20 Minuten)
  • Neues Interview mit dem Schauspieler Antonio Cantafora (ca. 13 Minuten)
  • Deutsche Werbegalerie mit Bildern von Christian Ostermeier

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  • Seitenverhältnis: ‎16:9 – 1.78:1
  • Alterseinstufung: ‎Nicht geprüft
  • Untertitel: ‎Englisch
  • Sprache: ‎Englisch (DTS 5.1)
  • Studio: Arrow Video
  • Anzahl Disks: 4

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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