Scarface: The Shame of the Nation / Narbengesicht

Während der Prohibition ist Chicago der brutalen Kontrolle des organisierten Verbrechens unterworfen. Oscar-Gewinner Paul Muni brilliert als Tony Camonte, ein ambitionierter Krimineller, der rücksichtslos nur ein Ziel verfolgt – zum mächtigsten Gangsterboss Chicagos aufzusteigen. (Universal Pictures)

Scarface basiert auf dem Roman von Armitage Trail und handelt von einem jungen Rowdie, der von einem kleinen Bandenmitglied zum Mob-Anführer in Chicago aufsteigt. Unter der Regie von Howard Hawks und dem Drehbuch von W.R. Burnett, John Lee Mahan und Seton I. Miller nach einer Geschichte von Ben Hecht dreht sich der Film um die Welt des Bandenkrieges und der polizeilichen Intervention zur Kontrolle Chicagos, wo ein junger Ganove alles erreichen will. Mit Paul Muni, Ann Dvorak, Karen Morley, Osgood Perkins und Boris Karloff. Bei Scarface handelt es sich um einen phänomenalen und aufregenden Film von Howard Hawks.

In der Hoffnung, während eines Konflikts zwischen verschiedenen Fraktionen zum größten Verbrechensboss Chicagos aufzusteigen, beschließt ein Leibwächter eines Mob-Bosses für dessen Stellvertreter zu arbeiten. Durch das kreieren von Terror und das Töten aller Beteiligten hat er Erfolg, während er auch die Polizei antagonisieren muss. Tony Camonte (Paul Muni) will mehr, als „nur“ über Chicago zu regieren, denn er will zu DEM Big Shot aufsteigen. Dabei ist ihm bewußt, dass er für Johnny Lovo (Osgood Perkins) zunächst einmal den Stellvertreter spielen muss, als sie damit beginnen Geschäfte mit O’Hara, dem Chef von Chicagos Nordseite, zu machen. Camonte hat mit dem Gebiet seine eigenen Ideen, doch Lovo möchte keine Probleme verursachen. Daraufhin nimmt Camonte die Dinge auf seine Art und Weise in die Hand, indem er Lovos Freundin Poppy (Karen Morley) erobert und viel Geld verdient, sich allerdings von Lovo entfremdet und auch noch den Verdacht der Polizei auf sich zieht.

Das Drehbuch des Films porträtiert nicht nur eine Geschichte von Aufstieg und Fall, sondern auch eine Studie über Ehrgeiz und Grausamkeit in den Händen eines jungen Gangsters, der den Mann töten würde, den er eigentlich beschützen sollte, nur um ihn aus dem Weg zu räumen. Zumal der Boss jemand war, der sich mehr an die alten Werte hielt und nicht das Bedürfnis hatte zu expandieren, da er bereits alles hatte, was er brauchte. Camonte und Lovo sind nun Teil einer neuen Weltordnung, in der sie nach ganz Oben gelangen wollen, doch Lovo hält sich noch immer an einige alte Regeln, wenn es darum geht, sich im Hintergrund zu halten und zu wissen, wann und bei wem man keine Probleme verursachen sollte. Camonte ist jemand, der nie genug bekommen kann, ist allerdings auch ziemlich sadistisch veranlagt, was seine Schwester Cesca (Ann Dvorak) betrifft, die er beschützt. Sobald er alle Rivalen ausgeschaltet hat und zum großen Mann geworden ist, wird es immer offensichtlicher, dass Camontes Weg von nun an nur noch nach Unten führt.

Howard Hawks Regie ist als sehr faszinierend auf die Art und Weise zu bezeichnen, wie er den Film mit einer langen Einstellung einer Partyfeier eröffnet, die eine einzigartige Kamerafahrt beinhaltet, bei der die Kamera die Bilder in einer Weitwinkelaufnahme festhält. Einige von Hawks‘ Kompositionen erweisen sich als enorm stilvoll, was besonders die breiten und mittleren Einstellungen betrifft. Die Gewalt im Film ist teilweise sehr graphisch gestaltet worden, während die Gewaltmomente, die außerhalb der Kamera stattfinden, eine ähnlich wuchtige Wirkung innehaben, da sie ein Gefühl der Auswirkung dessen erzeugen, was gerade vor sich gegangen ist. Selbst in einer Szene, in der Hawks mit Hilfe von Co-Regisseur Richard Rosson das Valentinstags-Massaker von 1929 auf stilvolle Weise nachbildet, zeigen erst die Folgen des Ereignisses, wie intensiv die Dinge damals wirklich waren. Hawks‘ Verwendung von Nahaufnahmen ist auch offensichtlich, da sie in die komplexe Persönlichkeit von Camonte hineinspielen, indem sie widerspiegeln wie charmant, aber auch äußerst angsteinflößend er sein kann. Selbst in Momenten, in denen er versucht die Kontrolle zu bewahren, oder in denen er das Gefühl hat er sei unbesiegbar. Insgesamt gelingt es Hawks einen spannenden sowie unterhaltsamen Film über den Aufstieg und Fall eines Gangsters in Chicago zu erschaffen.

Die Kameramänner Lee Garmes und L.W. O’Connell leisten hervorragende Arbeit mit der Schwarzweißfotografie des Films, indem sie einige einzigartige Stimmungen mit Schatten und Licht für viele der nächtlichen Außenszenen und eine aufwendigere Beleuchtung für den Höhepunkt erzeugen. Editor Edward Curtiss hat keine Schwierigkeiten mit der Nachbearbeitung, denn er weiß genau, wann er für einige rhythmische Momente in Drama und Action schneiden muss, sowie einige stilvolle Ausblendungen zum Einsatz kommen lässt, um die nächste Szene im Film einzurichten. Bühnenbildner Harry Oliver versteht es sehr gut seine Sets authentisch zu gestalten, vom Aussehen der Außenfassade der Stadt bis zu den Räumen und Orten, in und an denen Camonte arbeitet und feiert. Die Klangarbeit von William Snyder weiss zusätzlich zu überzeugen, indem die Schallschichten mit den Maschinengewehrgeräuschen und anderen Dingen eingefangen werden, um die Welt der Gewalt hoch zu spielen. Shelton Brooks‘ Musik hält eine hervorragende Orchesterpartitur bereit, die in das Gefühl des Chaos hineinspielt, das mit seinen bombastischen Streicharrangements und Perkussionen auftritt und präsentiert einige Jazzstücke, die die damalige Zeit widerspiegeln.

Die brillante Besetzung des Films umfasst einige bemerkenswerte kleine Rollen von Harry J. Vejar als Tony und Johnnys alter Boss, Edwin Maxwell als Polizeichef, Tully Marshall als Zeitungsredakteur, Vince Barnett als Tonys einfältiger Assistent Angelo und Inez Palange als Tony und Cescas Mutter, die deren Lebensgewohnheiten missbilligt. C. Henry Gordon spielt großartig als Inspektor Guarino, der Camonte verachtet und hofft ihn zu Fall bringen zu können, während Boris Karloff als Verbrecherboss Gaffney zu glänzen weiss, der herausfinden will, wie man Camonte am besten bekämpfen kann ohne zu viel Ärger und Chaos zu verursachen. George Raft verkörpert Tonys rechte Hand Guino Rinaldo exzellent als einen Typen, der Tony unterstützt wo er nur kann, während er verhängnisvolle Gefühle für Cesca entwickelt.

Karen Morley ist wunderbar als schöne Blondine Poppy, die Lovos Freundin ist, bis sie von Camonte verzaubert wird. Schließlich wird sie zu Tonys Freundin und zeigt ihm, wie man als Boss auszusehen hat. Ann Dvorak ist erstaunlich gut als Tonys Schwester Cesca, eine Frau, die Spaß haben möchte und mit Guino zusammen sein will, da sie Gefühle für ihn hat. Osgood Perkins ist fantastisch als Johnny Lovo, ein Verbrecherboss der neuen Schule, der sich von Camonte entfremdet und letztendlich sogar gegen ihn wendet. Schließlich ist da auch noch Paul Muni, der eine phänomenale Leistung als Tony Camonte abliefert, als der junge Rowdie, der sich seinen Weg zum Top-Boss bahnte, während er in seinem Streben nach Erfolg rücksichtsloser als rücksichtslos war. Scarface ist ein bemerkenswerter und spektakulärer Film von Howard Hawks, in dem Paul Muni in einer seiner aufregendsten Vorstellungen zu sehen ist. Es handelt sich hier nicht nur um einen der definitiven Filme des Gangster-Filmgenres, sondern auch eine einzigartige Studie über Ehrgeiz und Gewalt in einer der turbulentesten Perioden der amerikanischen Geschichte.

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Darsteller: Paul Muni, George Raft, Boris Karloff, Ann Dvorak
Regisseur(e): Howard Hawks
Untertitel: Deutsch, Dänisch, Englisch, Finnisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Norwegisch, Schwedisch, Spanisch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 4:3 – 1.33:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Universal Pictures Germany GmbH
Produktionsjahr: 1932
Spieldauer: 93 Minuten

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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