Schwarzer Freitag / Black Friday

Der Chirurg Dr. Ernest Sovac soll auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet werden – er hat sein medizinisches Wissen nicht nur dafür eingesetzt, um Menschleben zu retten, sondern war in seiner Tätigkeit als Arzt auch in ein schwerwiegendes Verbrechen verwickelt. Kurz bevor die Todesstrafe vollstreckt wird, wird der ganze Vorfall noch einmal aufgerollt: Bei einem schweren Verkehrsunfall wird ein Freund des Arztes schwer verletzt: der Englisch-Dozent Professor George Kingsley, bei dem der Hirntod festgestellt wird. Um ihn zu retten, implantiert Dr. Sovac dem Patienten Teile des Gehirns des Verbrechers Red Cannon, der zeitgleich ebenfalls schwer verletzt eingeliefert wurde. (Wicked Vision)

Dr. Ernest Sovac (Boris Karloff) ist wegen Mordes im Todestrakt inhaftiert. Heute Abend wird er zum elektrischen Stuhl geführt, doch als er an den Presseleuten vorbeigeht, bleibt er stehen und übergibt einem Reporter seine Notizen und sagt: „Ihre Zeitung ist die einzige, die meine Geschichte mit Ausgewogenheit behandeln wird.“ Während Sovac angeschnallt und für die Hinrichtung vorbereitet wird, blättert der Reporter durch die Notizen, die Sovacs Seite der Geschichte erläutern und erklären wie er von einem Universitätsdozenten zum Kriminellen wurde und das alles wegen dem, was seinem guten Freund Professor George Kingsley (Stanley Ridges) widerfahren ist.

Freitag, der Dreizehnte, stellte bis 1980 nicht wirklich ein Synonym für Horror dar, bis der gleichnamige Slasher zum Hit wurde. Auch der hier vorliegende Film trug nicht viel dazu bei, da das Datum nur sehr kurze Erwähnung zu Beginn des Streifens findet und dann mit dem Rest der Geschichte absolut nichts mehr zu tun hat. Außerdem handelt es sich hier viel eher um einen Gangsterfilm mit fantastischem Touch, trotz des Auftritts von zwei der berühmtesten Horrorstars der Ära mit Boris Karloff und Bela Lugosi. Letztendlich spielt auch keiner von beiden die wirkliche Hauptrolle, da Stanley Ridges als schizophrener Mittelpunkt des Nervenkitzels anzusehen ist.

Dr. Sovac versucht verzweifelt Geld aufzutreiben, um ein neues Labor finanzieren zu können. Als sein alter Freund Professor Kingsley von einem Auto überfahren wird, als der gerade die Straße überqueren möchte, kommt er im Krankenwagen auf eine grandiose Idee. Es stellt sich nämlich heraus, dass der Mann, der Kingsley überfahren hat, der bekannte Gangster Red Cannon ist, der vor dem Unfall vor seinen ehemaligen Kollegen geflohen ist, weil er sie um eine ganze Menge Geld betrogen hat. Da Kingsley bereits Gehirntot und Cannons Körper zu nichts mehr zu gebrauchen ist, entscheidet sich Dr. Sovac dazu eine Gehirntransplantation durchzuführen, um seinen Freund zu retten und um eventuell das Versteck des Geldes zu erfahren. Also wird das unverletzte Gehirn des Gangsters in den unversehrten Körper des Professors verpflanzt.

Wissenschaft ist nicht die Stärke dieses Films, zumal Kingsleys Körper jetzt das Gehirn des Gangsters in sich trägt, er sich aber immer noch wie Kingsley verhält – bis Sovac ihn bearbeitet und es schafft, die Persönlichkeit des Bösewichts in New York City zum Vorschein zu bringen. Irgendwo in der Stadt liegt das Geld versteckt, wobei nur Kingsleys „böse Seite“ weiß, wo es sich befindet. Außerdem will sich Red Cannon an der von Bela Lugosi angeführten Bande (seinen ehemaligen Partnern) rächen, die ihn ja bekanntlich töten wollte. Also kommt es immer wieder vor, dass sich Kingsley in Red Cannon verwandelt (vor allem, wenn er Polizeisirenen hört) und beginnt die Mitglieder seiner einstigen Gang umzubringen. Wird er Dr. Sovac schließlich auch zum Geld führen?

Ursprünglich sollte Karloff als Professor und Lugosi als Arzt besetzt werden, aber da Herr Karloff der Meinung war, er könne keinen Gangster mehr spielen, musste umgedacht werden. Da Lugosi aufgrund seines Akzents nicht in der Lage war den sich ständig verwandelnden Professor zu verkörpern (da der auch mit unterschiedlichen Stimmen spricht), konnten die Rollen nicht einfach nur getauscht werden, weswegen Stanley Ridges hinzugezogen wurde. Was vollkommen in Ordnung geht, da er eine absolut hervorragende Vorstellung auf die Beine stellt, mit der er seine beiden Schauspielkollegen förmlich an die Wand spielt. Black Friday ist auch insofern als ungewöhnlich zu bezeichnen, da Karloffs Charakter eher fehlgeleitet sowie recht verabscheuungswürdig und nicht wohlgesinnt oder freundlich rüberkommt, was zumindest eine Variation der Rollen darstellt, die ihn zu diesem Zeitpunkt typisierten. Leider haben er und Lugosi überhaupt gar keine gemeinsamen Szenen miteinander zu bestreiten, da sich Lugosi in einer Nebenrolle verliert, die eigentlich jeder Schauspieler hätte spielen können. Stanley Ridges gibt jedoch einen interessanten sowie tragischen Bösewicht ab und wenn man dem Streifen seine absurde Handlung verzeihen kann, so erweist sich der Film als ziemlich hochwertiges B-Movie Material.

Wicked-Vision veröffentlicht Black Friday als Nummer 47 ihrer Collector’s Edition im Mediabook (BluRay und DVD), mit drei verschiedenen Cover-Motiven, die jeweils auf 333 Stück limitiert sind. Bild (1,85:1 1080p / 1,85:1 anamorph) und Ton (Deutsch + Englisch DTS-HD Master Audio 2.0) bewegen sich auf ziemlich hohem Niveau, da gibt es keine Beschwerden anzumelden. Deutsche oder englische Untertitel können auf Wunsch ebenfalls zugeschaltet werden. Insgesamt handelt es sich bei Black Friday wieder einmal um eine äußerst gelungene Mediabook-Edition mit interessantem Bonusmaterial. Erlebt den vielleicht ersten Film noir als deutsche HD-Premiere in einer liebevollen Sammleredition!

Bonusmaterial:
• 24-seitiges Booklet mit einem Essay von Robert Zion „Über Legenden des Kinos – Arthur Lubins Schwarzer Freitag (Black Sunday) von 1940“ mit dem er seine Leser von Karloff und Lugosi (oder umgekehrt) über Im Hirn Curt Siodmaks zu Woody Bredell und der Film noir führt. (sehr interessant sowie informativ)
• Audiokommentar mit Filmhistoriker Constantine Nasr (recht informativ und unterhaltsam)
• Dokumentation: „A Good Game: Karloff und Lugosi bei Universal: Teil 4 – Black Friday“ (hier kann man mehr über die Produktion erfahren, vor allem warum die Rollen letztendlich so verteilt wurden, wie sie es sind.)
• Originaltrailer
• Trailers from Hell mit Joe Dante
• Bildergalerie

Beim Wicked Shop oder Amazon bestellen

  • Seitenverhältnis: ‎4:3 – 1.33:1
  • Alterseinstufung: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur: ‎Lubin, Arthur R.
  • Laufzeit: ‎1 Stunde und 12 Minuten
  • Darsteller: ‎Karloff, Boris, Lugosi, Bela, Nagel, Anne, Craig, James
  • Untertitel: Deutsch, Englisch
  • Sprache: ‎Englisch (DD Stereo)
  • Studio: ‎Wicked Vision Distribution GmbH

Die Screenshots stammen nicht von dieser Edition !!!

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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