Scorpio

Scorpio (Scorpio, der Killer) ist ein Spionagethriller von 1972 mit Burt Lancaster und Alain Delon in den Hauptrollen.

CIA-Agent Cross (Lancaster) kehrt nach längerem Auslandseinsatz nach Hause zurück, doch dort ist er nicht mehr wilkommen. Die paranoide Organisation setzt ihn diesmal selbst auf die Abschussliste. Dafür heuert die Agency ausgerechnet den Franzosen Laurier (Delon) an, auch als Scorpio bekannt. So ein wenig halbfreiwillig soll der nun seinen alten Kollegen hopps nehmen. Doch der ist nicht nur ein Veteran sondern auch sein Mentor, und auch wenn der Zögling mit allen Wassern gewaschen ist, die Katz-und-Maus Jagd die nun entbrennt, ist mehr als eine einfache Jagd. Cross hat Kontakte, Safe-Houses, Bankkonten… die Jagd führt sie nach Wien und wieder in die USA zurück. Ob Cross sich aus der Zwickmühle winden kann? Was ist mit den Russen?

Michael Winner (bekannt vor allem für u.a Death Wish, The Mechanic, Chato’s Way, Lawman) schmiedet hier einen sehr ruhigen, fast schon langsamen, Spionagethriller vor teils aufregenden Kulissen, teils innovativen Locations, so wie man es eigentlich nur von den 007 Filmen kennt. Bis der Film etwas in Fahrt kommt, dauert eine ganze Weile, dann wird er ziemlich spannend und wartet mit einigen abgefahrenen Verfolgungsjagden auf. Ja, er wird sogar daramatisch – und hier läuft Winner dann zur Bestform auf. Zwar fragt man sich, warum er nicht früher einen Gang hätte höher schalten können, aber man ist dennoch unterhalten. Zur Belohnung gibt es dann auch noch ein kleines Cameo von Richard Wyler.

Während sich Alain Delon im Wesentlichen selbst spielen darf, dabei aber nicht gänzlich überzeugen weiß, bringt Burt Lancaster einen alternen Spion auf die Leinwand, der in der sich modernisierenden Welt als Dinosaurier keine Zukunft mehr hat, auch nicht im Agentengewerbe. Und so heißt es letztlich Schüler gegen Lehrer, in einem Katz und Maus Spiel bei dem jedoch beide sich fragen müssen, wofür sie instrumentalisiert werden. Am besten kommt das natürlich am Ende heraus, aber schon zu beginn gibt es für den wachsamen Zuschauer gewisse Vorzeichen. Delon, dessen Charakter relativ rücksichtslos mit weiblichen Gefährtinnen umgeht und scheinbar gar nicht viel Skrupel hat, gegen den ehemaligen Meister anzutreten, spielt das leichtfertig. Während Lancaster fast schon etwas staatstragendes auf die Leinwand bringt.

Die Action kann recht gut überzeugen, die Story ist auch nicht übel, und handwerklich ist der Film solide. Der etwas schleichende Beginn wird durch ein fulminantes Finnish ausgeglichen – aber ein ganz großer Vertreter seines Genres ist Scorpio leider nicht. Zu wenig Besonderes hat der Film, zu sehr belanglos wirkt alles was er sagen will und vorführt. Seichte Spätabend-Unterhaltung allemal, vor guten Kulissen und mit soliden Performern.

Koch Films bringt die BluRay mit Ton (je DTS-HD MA 2.0) in Deutsch und Englisch (Untertitel auch je Deutsch und Englisch), wobei ich nur letzteres getestet habe, wie immer. Der Film klingt dabei ganz passebel, die Dialogverständnlichkeit ist gut, und auch die Actionszenen klingen solide. Leider lässt die Tonspur teilweise eine Nachsynchronisation vermuten, oder man hat etwas stark restauriert, jedenfalls klingen nicht alle Dialog sehr real. Das Bild sieht für das Alter in Ordnung aus, bietet größtenteils solide Kontraste und schwächelt auch in dunklen Szenen nur durchschnittlich. Bei den Extras wird es interessant. Dabei ist nämlich der erstklassige Audiokommentar mit Lem Dobbs, Julie Kirgo und Nick Redman von Twilight Time (wo der Film 2015 in einer limitierten BluRay schon einmal erschienen ist). Wie immer klasse diesen Enthusiasten zu lauschen, schön das Koch des Öfteren auch die Extras mit lizenziert. Außerdem gibt es noch die isolierte Filmmusik (gabs auch auf der Twilight Time Scheibe), den Originaltrailer in Breitbild und Open Matte, sowie eine Bildergalerie. Die Scheibe erscheint am 11. April.

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Die BluRay wurde uns freundlicherweise von Koch Films zur Verfügung gestellt, auch die erst die ich rezensiere in der zu Anfang das neue Firmenlogo zu sehen ist übrigens. Screenshots teilweise von BluRay.com

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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