Shadowzone

Ein Team von NASA-Wissenschaftlern arbeitet an einem geheimen Forschungsprojekt namens „Shadowzone“, in dem die Auswirkungen übermäßiger Tagesmüdigkeit (EDS) untersucht werden. Während sie Experimente durchführen, stellen sie fest, dass sich ihre Probanden in einem EDS-Zustand in Portale zu einem Paralleluniversum verwandeln. Als eine schreckliche außerirdische Kreatur aus der anderen Welt bei ihnen ankommt, müssen die Wissenschaftler um ihr Leben kämpfen…

Shadowzone hält mit seinen Einflüssen nicht hinterm Berg und zitiert sowohl Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt als auch Das Ding aus einer anderen Welt direkt auf einem Poster bei Full Moon Streaming. Dies ist ziemlich mutig für einen Low-Budget-Film, der keine Chance hat die Exzellenz dieser Filme zu erreichen. Horrorfans mit Selbstachtung werden diese beiden genannten Filme höchstwahrscheinlich lieben und hatten eventuell deswegen bisher kein Interesse daran eine kleinere, billigere Version davon zu sehen. Da der Pool nicht gesehener Full Moon Filme jedoch immer kleiner wird, war es unvermeidlich, sich mit Shadowzone auseinanderzusetzen. Glücklicherweise erwies sich der Streifen nicht als die schmerzhafte Erfahrung, die man erwartet hatte.

Eine abgelegene und ansonsten verlassene Forschungseinrichtung bekommt Besuch von einem Mann der NASA, Capt. Hickock (David Beecroft Falcon Crest; Melrose Place), um einen Todesfall zu untersuchen, der möglicherweise auf das Konto der Projektleiter geht: Dr. Van Fleet (James HongDer Blade Runner; Big Trouble in Little China) und Dr. Erhardt (Louise FletcherEiner flog über das Kuckucksnest; Blumen der Nacht). Die Wissenschaftler untersuchen den Zusammenhang zwischen Schlaf sowie Tod und studieren das Phänomen der übermäßigen Tagesmüdigkeit (EDS = Excessive daytime sleepiness), indem sie den Hirnstamm vom Gehirn abschneiden… nicht wörtlich, sondern durch die Blockierung elektrischer Signale. Man braucht sich keine Sorgen zu machen, wenn das alles keinen Sinn ergibt. Die Charaktere in Shadowzone reden sowieso so viel wissenschaftlichen Hokuspokus, sodass man vollkommen durcheinander kommt.

Das kann einen schon (trotz geringer Erwartungen) gewaltig irritieren. Wie könnte ein Film über Nurse Ratched und Lo Pan in einem unterirdischen Forschungsbunker, in dem interdimensionale Portale geöffnet werden, kein Ultra-B-Movie-Gold sein!? Für diejenigen, die länger als die ersten 20 bis 25 Minuten durchhalten, bricht der Film schließlich auf und bringt viel Spaß. Was könnte diese Verschiebung der Dinge besser signalisieren als eine gute, altmodische Kopfexplosion? Sobald Hickock die Wissenschaftler auffordert, die Umstände für den Todesfall zu erklären, bzw. nachzubilden, heizt sich die Atmosphäre auf. Irgendwie haben die Wissenschaftler durch das Herumspielen mit Gehirnwellen unwissentlich ein Portal zu einer anderen Dimension geöffnet … und auf ihrer Seite ist etwas durchgekommen! Ich möchte nicht zu viel verraten, doch dieses „Etwas“ stellt keine wohlwollende Kreatur wie E.T. (E.T. – Der Außerirdische, 1982) oder Mick (Mick… mein Freund vom anderen Stern, 1989) dar!

Der Rest des Films kann nur als Standard-Horror-Ware beschrieben werden, bei der das Monster einen Menschen nach dem anderen „entsorgt“. Sollte man sich jedoch für diese Art von Horrorfilm interessieren, wird man mit Sicherheit sehr gut unterhalten. Full Moon Filme fallen bekanntlich ja nie besonders blutig aus, wobei Shadowzone keine Ausnahme bildet. Solange man allerdings mit den richtigen Erwartungen (also nicht allzu hohen) an den Film herangeht, wird man nicht enttäuscht werden. Was jedoch am meisten zu „begeistern“ versteht, ist der dämlich blöde Dialog, der mit Leidenschaft gesprochen wird. Zeilen wie „I’m gettin’ the fuck outta here!“, lesen sich vielleicht nicht sehr gut im Drehbuch, doch wenn Sie von einem enorm verängstigten Hinterwäldler geschrien werden, ist das einfach als fantastisch zu bezeichnen. Einige andere derartige Höhepunkte sind: „I don’t know jackshit about fixin’ no transformer!“ und „Fuck the monkey!“ Die Köchin darf wohl die Beste Zeile von allen zum Besten geben, als sie dem Hinterwäldler gerade eine riesige Ratte auf einem Teller serviert und diese Worte folgen lässt: „That’s dessert, you lazy hillbilly dipshit!“

Shadowzone weist doch tatsächlich noch einige zusätzliche Gemeinsamkeiten mit einem anderen Full Moon Film auf, nämlich Groom Lake (The Visitor, 2002). Beide Filme handeln von geheimen Aktivitäten in einer militärischen Forschungseinrichtung und beide Filme zeigen eine Figur, die eine Annäherung an Arnolds „C’mon! Do it! Kill me now!“ aus Predator zum Besten gibt. Ja wirklich! In Shadowzone entsteht dieser Moment mit der freundlichen Genehmigung unseres ausgeflippten guten alten „hillbilly dipshit“, der „C’mon chickenshit! I’ll kick your ass!“ in Richtung unsichtbares Alien brüllt und dann vollkommen in Bill Duke Modus übergeht und seine Schrotflinte wahllos und wiederholt in alle Richtungen abfeuert, bis sie leer ist (nach gefühlten zwanzig Schüssen, obwohl eine twelve gauge pumpgun eine Magazinkapazität von nur 6-7 Patronen hat).

Shadowzone repräsentiert den zweiten veröffentlichen Full Moon Film, wobei man sich fragt, ob er irgendwann wie ihr erster Film Puppet Master unter dem Banner von Empire im Kino veröffentlicht werden sollte. Die Qualität des Films stützt diese Theorie etwas, da mehr Zeit und Geld in die begrenzte FX-Arbeit des Streifens gesteckt worden sind, aber er versprüht auch eine sehr starke Full Moon direct-to-video Atmosphäre, also wer weiß. Auf jeden Fall handelt es sich um einen seltsamen Film, um auf Puppet Master zu folgen, da er im traditionellen Sinne als nicht besonders stark zu bezeichnen ist, aber da das Unternehmen weiter wuchs, kann man sich schon vorstellen, dass er trotzdem ziemlich gut lief. Sollte man eine Vorliebe für B-Movies, ein Faible für abgelegene Orte und lauernde Monster haben, dürfte Shadowzone ziemlich viel Spaß machen. Der Film hat sicherlich seine Mängel, doch die vermag er mit seinen Lachern (die höchstwahrscheinlich unbeabsichtigter Natur sind) wieder wett zu machen.

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Diese Edition wurde uns freundlicherweise von Wicked-Vision zur Verfügung gestellt.

Die Bilder stammen nicht von dieser Edition.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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