Shaolin – Die Rache der gelben Teufel / Tong tian lao hu / The Master Strikes

Liang, ein mittelloser Gauner, braucht dringend Geld. Um es zu beschaffen, nimmt er den Auftrag, eine seltene Jadefigur außer Landes zu schaffen, nur zu gerne an. Bei der Übergabe ist die Box, in der das Wertstück transportiert wurde, jedoch leer. Liang hat keine Wahl. Er muss die Figur wiederbeschaffen, sonst zahlt er mit seinem Leben. Von Freunden, die er auf dem Weg durchs Land kennenlernt, erfährt er, dass er betrogen wurde. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach der kostbaren Rarität und üben Rache an denen, die Liang hintergangen haben. (filmArt)

Hongkong wird aufgrund seiner erstaunlichen Filmproduktion auch das Hollywood des Ostens genannt. Zwischen dem goldenen Zeitalter der Kung-Fu-Filme aus den 1970er Jahren und der neuen Welle der Actionfilme in den 80er und 90igern hat das Hongkong Kino sicherlich bei vielen Menschen einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Eine der auffälligsten Ähnlichkeiten zwischen der Hongkonger Filmindustrie und Hollywood besteht darin, dass dort der Kommerz oft vor die Kunst gestellt wird. Sollte ein Genre erfolgreich sein, so wird es so gut wie immer auf jede erdenkliche Art und Weise ausgeschlachtet, bevor es dem Publikum letztendlich genug ist. Im Falle des Martial Arts Genres wurde genauso verfahren, doch in den späten 70er Jahren hatten Jackie Chan und Sammo Hung viel Erfolg mit einer Komödienvariante der Kung-Fu-Filme, die beim Publikum einschlug wie eine Bombe. Daher war es natürlich selbstverständlich, dass andere Kung-Fu-Komödien gedreht wurden, um von dem beliebten Trend profitieren zu können.

Auch Shaolin – Die Rache der gelben Teufel von 1980 ist zu diesen besagten Komödien zu zählen. Es gibt zwar etliche Martial-Arts-Einlagen zu bestaunen, doch der Film ist viel eher daran interessiert den sogenannten funny bone der Zuschauer, als deren Schädel zu zertrümmern. Tseng Tien-Tu aka Casanova Wong – ein sehr begabter koreanischer Kampfkünstler – bringt seine beeindruckenden Spin-Kicks in der Rolle des Liang an den Mann, einem glücklosen Kurier, der eine Lieferung mit seinen gesamten Ersparnissen versichert. Der korrupte Lu (Shi-Kwan Yen) nutzt sowohl Liangs Gutmütigkeit, als auch dessen Mangel an Geschäftssinn aus und beauftragt ihn damit eine sehr wertvolle Jadestatue von einem Antiquitätenhändler zu seinem mehrere Kilometer entfernten Haus zu liefern. Doch noch bevor Liang mit dem Paket aufbrechen kann, wird er bereits hinters Licht geführt und bekommt ein leeres Kästchen mit auf den Weg. Als er einige Tage später an seinem Ziel ankommt, wird er von Lu für den „Verlust“ seines Schatzes verantwortlich gemacht. Aufgrund dessen wird nun sein gesamtes Vermögen an Lu überschrieben. Der Verlust von Geld sowie Ehre ist zu viel für Liang und treibt ihn in den Wahnsinn.

Unnötig zu erwähnen, dass dies alles innerhalb der ersten fünf Minuten des Films passiert. Der jetzt wahnsinnig gewordene Liang nistet sich in einer örtlichen Taverne ein und wird allgemein als harmlos angesehen. Die beiden Betrüger bzw. Falschspieler, Lung (Siu-Tung Ching) und Lee (), versuchen die Gäste der Taverne mit einem fingierten Würfelspiel über den Tisch zu ziehen, weswegen die Besitzerin jedes Mal einen Wutanfall bekommt, wenn die beiden in ihrem Etablissement auftauchen. Liang wird in eine Auseinandersetzung zwischen den Betrügern und deren Opfern verwickelt, wobei Lung und Lee ganz nebenbei erfahren, was Liang in einen sabbernden Idioten verwandelt hat. Schnell erkennen die beiden, dass sie eventuell davon profitieren können, wenn sie Liang helfen sein Vermögen zurückzugewinnen. Das einzige Problem dabei ist, Liang kann sich nicht mehr daran erinnern, wer ihm Unrecht getan hat. Nur ein kurzer Blick auf ein lachendes Gesicht ist ihm in Erinnerung geblieben, jedoch kein Name oder Hinweis darauf, mit wem man es in Verbindung bringen könnte. Um die Sache noch schwieriger zu gestalten, ist der gesuchte Mann untergetaucht, nachdem er mit seinen unrechtmäßigen Gewinnen ein kriminelles Imperium aufgebaut hat.

Lu bekommt Wind davon, dass Liang Hilfe gefunden hat und beschließt, die drei Männer zu vernichten, bevor sie überhaupt damit beginnen können gegen ihn vorzugehen. Also heuert er einige Auftragsmörder an und schickt sie los, um seine Kontrahenten in einem örtlichen Bordell zu beseitigen. Zum Glück verliert Liang „nur“ seine Zurechnungsfähigkeit und nicht seine erstaunlichen Kung-Fu-Skills, allerdings kann er zum Nachteil unserer Helden oftmals nicht zwischen Gut und Böse unterscheiden. Lung und Lee sind günstiger Weise jedoch selbst in der Lage sich gut verteidigen zu können, da die Filmemacher die allgegenwärtige Präsenz eines Drunken Masters hinzugefügt haben, der unseren beiden unbeholfenen Betrügern – im Austausch für eine stetige Versorgung mit Wein – eine unschlagbare Kampfkunsttechnik beibringt. Unser Trio bekommt unterwegs noch einige weitere Killer auf den Hals gehetzt, nur damit sie vom buchstäblich verrückten Beinkicker Liang erledigt werden können. Die klimaktische Kampfsequenz am Ende ist das Warten wirklich wert, wobei die vorherigen Komödienanteile leider recht gezwungen und schwerfällig rüberkommen.

Shaolin – Die Rache der gelben Teufel befindet sich nicht auf Augenhöhe mit Jackie Chans oder Sammo Hungs Produktionen aus der gleichen Zeit, aber Casanova Wong ist als ein beeindruckender Kämpfer zu bezeichnen, während der Film neben albernen Komödienelementen auch eine ganze Menge an gelungener Kampfaction zu bieten hat. Hier handelt es sich zwar mit Sicherheit um die Old-School-Variante von Kung-Fu, doch das ist vollkommen egal, denn die haut – im wahrsten Sinne des Wortes – voll rein. Eine brennende Frage haben wir zum Schluss allerdings noch: WER genau ist denn eigentlich der zuschlagende Meister? In diesem Streifen gibt es mindestens drei verschiedene Personen, die auf die Beschreibung des Striking Masters passen würden. Letztendlich ist das jedoch nicht wirklich wichtig, da das Ganze sowieso hauptsächlich zum Lachen animieren soll. Entscheidet man sich trotz aller Comedy dazu Shaolin – Die Rache der gelben Teufel anzusehen, könnte man möglicherweise angenehm überrascht werden.

Trotz Plot-technischen Defiziten repräsentiert Shaolin – Die Rache der gelben Teufel eine einigermaßen harte und recht unterhaltsame Genremixtur. Die DVD (auf 1000 Stück limitiert) von filmArt bietet nicht die vom Label gewohnt gute Bildqualität (Format 1.77:1) aber dafür einen netten Bahnhofskino – Look. Beim Ton (Dolby Digital 2.0 Mono) verhält es sich zumindest bei der englischen Spur ähnlich, während sich die deutsche sehr gut hören lässt und dabei sogar einige gelungene Kalauer auf Lager hat. Die Extras bestehen aus dem Original Kinotrailer, dem originalen deutschen Vorspann und einer Bildergalerie. Ein Wendecover ist auch vorhanden. Insgesamt wird Shaolin – Die Rache der gelben Teufel wohl hauptsächlich für Genre-Fans empfehlenswert sein, doch die sollten sich den Film auf keinen Fall entgehen lassen.

Bei Amazon bestellen

Seitenverhältnis: 16:9 – 1.77:1
Alterseinstufung: Freigegeben ab 16 Jahren
Regisseur: Shu, Kao Pao, Kao, Pao-Shu
Medienformat: Letterbox
Laufzeit:‎ 1 Stunde und 30 Minuten
Darsteller:‎ Wong, Casanova, Yuen-Man, Meng, Shi-Kwan, Yen, Lam, Meg, Siu-Tung, Ching
Sprache: ‎Deutsch (Dolby Digital 2.0 Mono), Englisch (Dolby Digital 2.0 Mono)
Studio: ‎filmArt

Beim Film-Retro-Shop bestellen

Die Screenshots stammen von dieser Edition !!!

Diese DVD wurde uns freundlicherweise von filmArt zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert