Sieben Minuten nach Mitternacht aka A Monster Calls

Regisseur Juan Antonio Bayona (Das Waisenhaus) tritt hier in gewisser Weise in die Fußstapfen von Guillermo del Toro. Wie dessen The Devil’s Backbone und Pans Labyrinth ist auch A Monster Calls (2016) eine düstere Fantasy-Fabel mit Botschaft und einem Kind als Protagonisten.

Der dreizehnjährige Conor lebt zusammen mit seiner kranken Mutter. In der Schule wird er von Mitschülern schikaniert und er leidet unter einem wiederkehrenden Alptraum. Durch das Fenster seines Zimmers blickt er, in einiger Entfernung, auf einen Friedhof, eine Kirche und einen alten Baum. Eines Nachts, um sieben Minuten nach Mitternacht, wird der Baum in Gestalt eines Monsters lebendig und sucht ihn heim. Das Monster kündigt ihm weitere Besuche an und es werde ihm drei Geschichten erzählen. Und anschließend sei es an Conor, ihm eine vierte Geschichte zu erzählen, die gleichzeitig sein größter Alptraum sein wird. Als sich der Zustand von Conors Mutter verschlechtert, muß sie dauerhaft ins Krankenhaus und er wird bei seiner Großmutter, zu der er kein sonderlich gutes Verhältnis hat, aufgenommen. Doch auch dort taucht das Monster auf und macht seine Ankündigung wahr.

Dies ist die Verfilmung des Jugendbuch-Bestsellers von Patrick Ness und Siobhan Dowd. Eine, als Fantasy-Märchen verpackte, Allegorie über Verlust, Trauer, Schmerz, Verdrängung, Akzeptanz. Man legt sich auch nicht endgültig fest, ob das Monster real existiert oder Teil der Imagination Conors ist. Es stellt für den Jungen auch keine Gefahr dar, sondern fungiert als ein Gefährte in der schwierigen Phase, in der er sich befindet.

Hoch anrechnen muß man, daß der Film sich und sein Thema zu keiner Sekunde ins Lächerliche zieht. Im Gegenteil, er bleibt erstaunlich düster und ernst und könnte sogar damit einen Teil seiner (jüngeren) Zielgruppe überfordern. Andererseits sind Grimms Märchen im Grunde auch harte Kost.

Sieben Minuten nach Mitternacht überzeugt aber auch im Hinblick auf Optik, Effekte und Schauspieler. Jungdarsteller Lewis MacDougall muß ja einen Großteil des Films als Conor stemmen, was ihm überzeugend gelingt. Liam Neeson verleiht dem Baumwesen enorme Stimmgewalt und Sigourney Weaver tritt als Großmutter auf, die zwar zunächst streng wirkt, aber gar nichts Böses im Schilde führt. Etwas im Abseits steht Felicity Jones, da ihre Rolle sie binnen kürzester Zeit zur Untätigkeit im Krankenbett verdammt. Zur, bisweilen fast trostlosen Stimmung und Atmosphäre, gesellt sich eine entsprechende Optik und Kameraarbeit. Und auch bei den Spezialeffekten hat man sich nicht lumpen lassen. Man zweifelt nie daran, daß der Junge hier gerade mit einem 15 m großen Wesen interagiert.

Das Zusammenspiel von Form und Inhalt paßt jedenfalls sehr gut und machen Sieben Minuten nach Mitternacht zu einem der besten Genre-Beiträge jüngerer Vergangenheit. 8 – 8,5/10

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Andrew Woo

"You don't butt in line! You don't sell drugs! You don't molest little children! You don't profit off the misery of others! The rules were set a long time ago! They don't change!"

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