Starflight One

Starflight One ist ein amerikanischer TV-Katastrophenfilm von 1983 mit Lee Majors (The Fall Guy) in der Hauptrolle. Im Original sehr treffend mit „Starflight: The Plane That Couldn’t Land“ betitelt, handelt der Film vom missglückten Jungfernflug eines raketengetriebenen Überschallflugzeugs, dessen Passagiere nach dem unbeabsichtigten Eintritt in All gerettet werden müssen. Koch Media bringt nun sowohl die volle US-Version als auch die kürzere deutsche Fassung auf DVD.

Starflight One ist ein neues Wunderflugzeug, dass in sehr kurzer Zeit von Los Angeles nach Sydney fliegen soll. Mit an Bord Presse, Wissenschaftler, Promis und sogar der Leichnam des kürzlich verstorbenen australischen Botschafters. Captain Briggs (Lee Majors) hat die Aufgabe, das Flugzeug ans Ziel zu bringen. Er hat leichte Bauchschmerzen, ebenso wie der Architekt des Monstrums Gilliam (Hal Linden), dessen Bedenken aber von den Bossen ignoriert wird. Er befürchtet, dass es ein Problem gibt, wenn die Raketen nicht auf Befehle gehorchen. Dann würde das Flugzeug beim Start zu weit Richtung All geschossen werden, und nicht mehr in die Atmosphäre kommen. Für einen Ausflug ins All ist das Ding nicht gebaut. Letztendlich passiert jedoch genau das. Unkontrolliert im All schwebend, geht der Starflight langsam der Sauerstoff aus, also wird an diversen Rettungsmissionen gearbeitet….

Lee Majors, der alte TV Haudegen, muss als erfahrener Pilot mit ernster Mine dieses futuristische Gefährt fliegen, einer Art Mischung aus Concorde und Air Force One. Schon im Vorfeld ist sowieso jedem klar, dass genau das passieren wird, was die Zahlenfüchse befürchten: Das Gefährt könnte übers Ziel hinaus schießen und dann unkontrolliert im All herumdongeln. Natürlich hört man nicht auf die Wissenschaftler sondern ist auf den Profit aus, immerhin ist ein Zeitplan einzuhalten und man will gute Presse. Also hopp. Dabei lernen dass Briggs neben fliegen eigentlich nur eine Reporterin im Sinn hat mit der er eine Affaire hat, während seine Frau am Boden um ihn bangt. Die Reporterin ist mit an Bord. Von diesem Hintergrund abgesehen, ist der Rest der Charaktere eher wenig ausgebaut und somit hat man es als  Zuschauer eher mit einer Truppe uninteressanter Passagiere zu tun, von denen man nicht so recht weiß wer es überleben wird, oder wer es verdient hätte zu überleben.

starflight one

Die Effekte sind für damalige Verhältnisse ziemlich originell und teilweise sogar beeindruckend. Eine Mischung aus trickreichen Sets und cleveren Projektionen sorgt für ein glaubhaftes All-Erlebnis. Leider bekommt man weder die Ausmaße noch die Einzelheiten des Fliegers nie wirklich gut zu sehen, das Interieur ähnelt eher der ersten Klasse eines Jumbojets als irgend einem hochmodernen stratosphärischen Raketenschiff. Dennoch ging wohl ein Großteil des Budgets für die Effekte drauf, Realismus hin oder her sieht alles für damalige Verhältnisse echt gut aus.

Realismus sollte man von dem Film natürlich nicht erwarten. Aus heutiger Sicht. Was man sich noch in den 80ern alles als plausibel herbei dachte mag zwar irgendwie glaubhaft gewirkt haben, aber heute ist man Fingernagel-Kauerei a la Apollo 13 gewohnt. Wobei man sagen muss, was Glaubhaftigkeit anbelangt ist Starflight One vielleicht eher bei The Martian anzusiedeln, der trotz aktuellem Datums megamäßig lächerlich war. Die Rettungsideen im Film sind kreativ aber wirken seltsam. Das Shuttle scheint alle paar Minuten hin und her fliegen zu können, in vielen Szenen scheint die Schwerkraft ausgehebelt.

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Die 2-DVD Edition von Koch Media ist auf den ersten Blick ein wenig seltsam. Disc 1 enthält die deutsche Kinofassung, Disc 2 die amerikanische Langfassung. Warum das nicht auf eine Disc gepasst hat, und ob der nur circa 7 Minuten Unterschied nicht per Seamless Branching möglich gewesen wäre, ist ein wenig schleierhaft. Warum man sich wenn man die Langfassung zur Hand hat absichtlich die kürzere ansehen sollte ist ebenso abwegig, vor allem da die Kürzungen in erster Linie Handlung betreffen und für den Film durchaus wichtig sind (die sind entsprechend untertitelt). Der zweite und schwerwiegendere Kritikpunkt sind die fehlenden durchgängigen Untertitel. Das macht die Veröffentlichung unpassend für all diejenigen, die zwar gerne und lobenswerter Weise den Originalton bevorzugen, aber für Lebenspartner oder Familienmitglieder zum Verständnis die Untertitel anmachen wollen würden. Sehr schade, vor allem da die deutsche Synchro qualitativ nicht der Knaller ist wie ich finde.

starflight one

Das Bild sieht recht gut aus und liegt in restaurierten Breitbild vor, so macht der Film Spaß wenn man nur alte grottige TV Ausstrahlungen im Kopf hat. Da es auf ZDF HD aber mal eine Ausstrahlung hab stellt sich die Frage, warum man hier nicht gleich eine BluRay hätte bringen können. Kommt dann wohl in einem Jahr. Der Ton ist ebenfalls ziemlich OK, und an Extras gibt es nur den Trailer und ein paar Bilder. Ein insgesamt solides Paket mit wenig Aufregern und nur sehr geringen Patzern.

Insgesamt ist Starflight One auch heute noch solide Sonntag-Nachmittagsunterhaltung mit viel Grinsefaktor, originellen Effekten und viel künstlicher Ernsthaftigkeit. Dass es sich damals durchaus um ein „Event Movie“ gehalten hat, kann man gut nachvollziehen, und die solide DVD lässt das neu erleben. Warum es nicht gleich eine BluRay sein konnte, obwohl der Film schon im HD-Fernsehen irgendwo lief ist seltsam, aber kann man mal so akzeptieren.

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starflight one dvdDie DVD wurde uns freundlicherweise von Koch Media zur Verfügung gestellt.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

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