Stille Nacht Horror Nacht

Nachdem der acht Jahre alte Billy mit ansehen musste, wie seine Eltern von einem als Weihnachtmann kostümierten Psychopathen ermordet wurden, ist nichts mehr, wie es einmal war. Traumatisiert landet er im Waisenhaus, entwickelt eine tiefe Abneigung gegen die Weihnachtszeit und leidet unter immer stärker werdenden Angstzuständen. Als er 13 Jahre nach jener schrecklichen Nacht in einem Spielzeugladen ausgerechnet als Weihnachtsmann aushelfen muss, holt ihn seine Vergangenheit endgültig ein: Billy dreht durch, stülpt sich die Zipfelmütze über und zieht blutdurstig mit einer Axt um die Häuser. Na dann, frohe Weihnachten! (Anolis Entertainment)

Geschrieben von Michael Hickey, geriet dieser absurde Horror ins Zentrum vieler Kontroversen, als er in Amerika veröffentlicht wurde. Eltern und Wächter der Moral empörten sich darüber, dass der heilige Weihnachtsmann mit einem Slasher-Film in Verbindung gebracht wird. Doch was ist nun geschmacklos an einem axtschwingenden Wahnsinnigen, der als Santa verkleidet ist und die halb nackte Linnea Quigley durch einen Raum jagt? Hm!? Ja, OK, vielleicht war das ein Argument? Sieht man sich den Film allerdings heutzutage an, ist das Anstößigste, was an Silent Night Deadly Night auffällt, die allgemein eher durchschnittliche Qualität des Films.

Ohnehin handelt es sich hier um keine neue Idee, da bereits Joan Collins in der 70er Jahre Horror-Anthologie Tales from The Crypt von einem Killer-Santa bedroht wurde. Mit längerer Laufzeit, um Geschichte und Charaktere vernünftig aufbauen zu können, möchte Stille Nacht, Horror Nacht erreichen, dass das Publikum Mitleid für den Mörder entwickelt. Beinahe die ganze erste Hälfte des Films beschäftigt sich dann auch damit Billys pathologische Abneigung gegen den Weihnachtsmann zu erklären. Zunächst wird er durch den Mord an seiner Familie, von „Santa“ begangen, traumatisiert, um später weitere schreckliche Erfahrungen im Waisenhaus zu machen. Denn dort schwingt die strenge Mutter Oberin das Zepter, die Billy mit ihrem Credo „Bestrafung ist notwendig, Bestrafung ist gut.“ erst recht zu einem verwirrten Kind werden, sowie alte Wunden aufreißen lässt. All dies führt dazu, dass Billys traumatische Erfahrungen schreckliche Konsequenzen in der Zukunft nach sich ziehen.

Mit achtzehn Jahren findet Billy (Robert Brian Wilson) im örtlichen Spielwarenladen Arbeit und alles scheint gut zu laufen, bis zur festlichen Jahreszeit, als er für den Schauspieler, der im Laden den Weihnachtsmann spielt, einspringen muss. In das rot-weiße Kostüm gekleidet, schnappt Billy während der Weihnachtsfeier vollkommen über und schlachtet erstmal die betrunkene Belegschaft ab. Danach geht er in die Nacht hinaus und murmelt fortwährend seinen neuen Slogan „Bestrafe!“ Ab hier betritt der Film gewohnte Pfade, denn Billy hackt nun jeden, den er trifft, auf verschiedene weihnachtliche Art und Weise in Stücke, bis die Behörden ihn aufhalten. Der Fantasie bleibt nichts überlassen und „glücklicherweise“ wurde auch jede Nicht-Nonnen-Darstellerin angewiesen, sich ihres Oberteils zu entledigen, bevor sie brutal abgeschlachtet wird.

Denkt man mal länger als ein paar Sekunden darüber nach, gestaltet sich Stille Nacht, Horror Nacht wirklich enorm düster. Der Film handelt davon, wie eine Reihe von schrecklichen Ereignissen und schlechten Entscheidungen zur Entstehung eines Mörders führen, doch aufgrund seiner Struktur verbringt der Zuschauer die meiste Zeit mit diesem Mörder, um auf einer gewissen Ebene mit ihm sympathisieren zu können. Es gibt jedoch keine Erlösung, keine Moral, die man lernen könnte, während die letzte Szene mit Billys jüngerem Bruder Ricky zeigt, dass sich der ganze traurige Zyklus wiederholen wird. Ironischerweise überträgt Billy sein Trauma auf ein Waisenhaus voll mit Kindern, eine Ironie über die sich die Produzenten wahrscheinlich keine Gedanken gemacht haben.

Stille Nacht, Horror Nacht hat etwas an sich, was den Film schon irgendwie über den durchschnittlichen Horror-Flic stellt. In diesen Streifen geht es gewöhnlich um unerbittliche Kräfte des Bösen, Dämonen und Monster, doch hier wird ein armes, unglückseliges Kind thematisiert, das niemals eine Chance hatte. In den Händen von Leuten, die nicht nur mit Brüsten und gewalttätigem Mord ein Schnäppchen machen wollten, hätte aus Silent Night Deadly Night ein großartiger Horrorfilm werden können. So wurde „nur“ ein anständiger Grindhouse-Slasher mit einigen Schwächen daraus, sollte für das geneigte Publikum allerdings recht bekömmlich zu konsumieren sein.

Anolis Entertainment bringt Stille Nacht, Horror Nacht im Rahmen ihrer Die 80er Phantastische Filmklassiker-Reihe als Nummer 2 in einer BluRay-Mediabook-Edition heraus und leistet damit, wie bereits gewohnt, hervorragende Arbeit. Das Bild präsentiert sich im 1,85:1 / 16:9 (1920x1080p) Format und sieht absolut klasse aus. Es zeigt sich sehr gut restauriert, farbenfroh, enorm scharf und wunderbar detail- und kontrastreich. Nur bei einigen Szenen musste auf „minderwertiges“ (Video-) Material zurückgegriffen werden, was Anolis allerdings erklärt. Beim Ton kann man zwischen den Sprachen Deutsch und Englisch (beide DTS-HD-MA 2.0 Mono) wählen, wobei deutsche Untertitel zuschaltbar sind. Außerdem gibt es neben dem US-Kinotrailer, der deutschen Kinofassung, TV- und Radiospots, Filming locations – Damals und heute, Kritiken & Kontroversen und einer Bildergalerie noch das 24-seitige Booklet, von Jonas Hoppe interessant gestaltet und toll geschrieben, zu bestaunen. Die Audiokommentare mit Robert Brian Wilson und Scott J. Schneid sowie mit Michael Hickey, Perry Botkin, Michael Spence und Scott J. Schneid gehört eindeutig zu den Höhepunkten der Veröffentlichung, versorgen sie den geneigten Zuschauer doch mit einer Fülle an interessanten Informationen über den Film. Das Gleiche kann auch über die featurettes Slay Bells Ring: The Story of Silent Night Deadly Night und Oh Dear – Linnea Quigley über Silent Night Deadly Night berichtet werden. Fans von trashigen Horror-Streifen werden, trotz einiger Defizite, riesigen Spaß mit Stille Nacht, Horror Nacht haben.

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Darsteller: Robert Brian Wilson, Toni Nero, Gilmer McCormick, Lilyan Chauvin
Regisseur: Charles Jr. Sellier
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Mono), Englisch (Dolby Digital 2.0 Mono)
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
Studio: Anolis Entertainment
Produktionsjahr: 1986
Spieldauer: 85 Minuten

Diese Edition sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Anolis Entertainment zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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