Stranger Things – Staffel 3

Man schreibt das Jahr 1985 in Hawkins (Indiana) und der Sommer verspricht heiß zu werden. Das Schuljahr ist beendet und es gibt ein brandneues Einkaufszentrum in der Stadt, während die Hawkins-Crew kurz vor dem Erwachsenwerden steht. Zwischen den Teenagern blüht Romantik auf, was allerdings die Dynamik der Gruppe verkompliziert, weswegen sie herausfinden müssen, wie sie erwachsen werden können, ohne auseinander zu wachsen. Doch auch eine andere Gefahr droht, denn die Stadt wird von alten sowie neuen Feinden heimgesucht, was Eleven und ihre Freunde daran erinnert, dass sich das Böse niemals endgültig vernichten lässt, sondern sich ewiglich fortentwickelt. Jetzt müssen sie wieder zusammenhalten, um den scheinbar übermächtigen Gegner besiegen zu können, denn schließlich verleiht Freundschaft mehr Macht als Angst es tut.

Sie sind zurück! Die gebeutelten Bewohner von Hawkins sind nach anderthalb Jahren Abwesenheit in der Popkultur-Szene auf Netflix zurückgekehrt, wobei man sich fragt, welche Tricks die Duffer-Brüder diesmal aus den Ärmeln schütteln und ob El, Hopper, Dustin und der Rest der Stranger Things Bande noch immer der Aufmerksamkeit ihres Publikums gerecht werden können. Nachdem sich die Serie bereits in der zweiten Staffel ein wenig zu wiederholen schien und somit offenbarte, dass es den Duffer-Brüdern wahrscheinlich nie mehr gelingen würde den gruseligen Wow-Faktor der ersten Staffel zu rekreieren, versuchen sie es hier nicht einmal mehr. Indem sie sich von den offensichtlichen Einflüssen Stephen Kings und Steven Spielbergs der ersten beiden Staffeln abwenden, soll in der dritten Staffel mehr Action (narrativ sowie visuell) berücksichtigt werden, die von James Cameron, John Carpenter, George A. Romero, Robert Zemeckis und anderen inspiriert wurde. Ob dabei fein abgestimmte, eskapistische Unterhaltung herausgekommen ist, soll im Folgenden besprochen werden.

Die Ereignisse finden am 4. Juli-Wochenende des Jahres 1985 statt, zu dem Termin wo Romeros Zombie 2 – Das letzte Kapitel und Zemeckis‘ Zurück in die Zukunft veröffentlicht wurden, zwei Filme, welche die Handlung von Stranger Things 3 (genauso wie Ich glaub‘ ich steh‘ im Wald, Terminator und Das Ding aus einer anderen Welt) stark beeinflussen. In Hawkins sorgt die neue Starcourt Mall, die immer überfüllt zu sein scheint, für reichlich Gesprächsstoff, da einige einheimische Geschäftsinhaber ihre Läden deswegen schließen mussten und mächtig wütend auf die Betreiber sind. Außerdem ist bei Starcourt noch zusätzlich etwas äußerst Verdächtiges im Gange, das die Charaktere stärker als je zuvor involviert und zu einigen wirklich unerwarteten Konsequenzen führt. Trotzdem ist die dritte, die bisher langweiligste und dümmste der Stranger Things Staffeln.

Während Steve (Joe Keery) bei Scoops Ahoy in der Mall arbeitet, haben die anderen Kids mit typischen Teenagerproblemen wie Liebe und Freundschaft zu kämpfen, was ziemlich dümmlich sowie klischeehaft inszeniert worden ist und gesamte zwei Folgen über breitgetreten wird, gääähn. Mike (Finn Wolfhard) und El (Millie Bobby Brown) sind immer noch ein Paar, doch sie haben Schwierigkeiten miteinander zu kommunizieren. Will (Noah Schnapp) ist frustriert, da er sich bei Mike & El sowie Lucas & Max (Caleb McLaughlin / Sadie Sink) als fünftes Rad am Wagen fühlt. Dustin (Gaten Matarazzo) kehrt mit Geschichten einer neuen Freundin aus dem Ferienlager zurück, die ihm niemand abnimmt. Billy (Dacre Montgomery) hat einen Job als Rettungsschwimmer am Hawkins Pool angenommen, wo er von allen Vorstadtmüttern umschwärmt wird, während Nancy (Natalia Dyer) und Jonathan (Charlie Heaton) bei der Hawkins Post arbeiten, wo Nancys Ideen von sexistischen Kollegen verlacht werden, von denen sie sich Nancy Drew nennen lassen muss. Soweit, so uninteressant, so peinlich, so klischeebeladen, so unlustig und so laaangweilig. Eigentlich hätte man aus diesen Vorlagen etwas Vernünftiges machen können, wären doch nur die 08/15 Teenagerproblemchen nicht so fürchterlich altbacken und die dazugehörigen Dialoge nicht so fremdschäm-mäßig schlecht geschrieben worden.

Zu allem Unglück und Überfluss überträgt sich die ganze Schoße auch noch auf Sheriff Jim Hopper (David Harbour) und Wills Mutter Joyce Byers (Winona Ryder), was für weiteren Verdruss sorgt. Kann es sein, dass Harbour zur gleichen Zeit seinen Hellboy-Film gedreht hat, oder auf der Rolle hängengeblieben ist!? So comichaft, albern dümmlich und unsympathisch wie er hier rüberkommt!? Bei Winona Ryder verhält es sich glücklicherweise ein klein wenig anders, denn sie nervt nicht mehr so arg, wie in den beiden vorangegangenen Staffeln, hinterlässt hier jedoch auch keinen besonders erinnerungswürdigen Eindruck. Passend zu den Themen Liebe und Mobbing am Arbeitsplatz wird selbstverständlich auch wieder die neoliberale Feminismus-Keule geschwungen, die dem Publikum zwar nicht so penetrant unangemessen um die Ohren gehauen wird, wie zum Beispiel bei Ghostbitches oder der neuen Batwoman TV-Serie, dafür aber wunderbar als plot-device zum Einsatz kommen kann. Max eröffnet El nämlich eine vollkommen neue Welt, indem sie ihr zeigt, wie man auch ohne „stupid boys“ eine Menge Spaß haben kann. Dafür besuchen die beiden dann das neue Einkaufszentrum, nur um dort all den „Girly-Kram“ abzuziehen, der Max als Skateboard fahrendes, wirklich emanzipiertes Tomboy-Mädchen eigentlich extrem abstoßen müsste!? Irgendwie passt das alles nicht so richtig zueinander, dient allerdings, wie schon erwähnt, auch weitestgehend als plot-device, weil sich El nach Max‘ Gehirnwäsche nun von Mike falsch behandelt fühlt und mit ihm Schluss macht („I make my own rules now. I dump your ass!“). Natürlich werden in dem Zusammenhang beinahe alle männlichen Rollen mit den Attributen Dummheit, Faulheit, Plumpheit und Tollpatschigkeit versehen oder, wie Nancys Kollegen, als erbärmliche Sexisten dargestellt, während fast alle weiblichen Lebewesen als einfühlsame, kluge und weise Persönlichkeiten präsentiert werden. Wer schreibt da eigentlich die Drehbücher!??! Nun, ach, genug davon…

Löblicherweise wird all dieser Mumpitz dann irgendwann (endlich) von den Aktionen des Monsters unterbrochen. Die Duffers verschwenden nämlich keine Zeit (nicht!!!) mit dämlichem Vorgeplänkel, bevor sie tief in die Handlung eintauchen, sondern halten das atemberaubende Tempo während sieben der acht actiongeladenen Episoden stets bei, nur das Staffel-Finale geht über Tische und Bänke (Ironie aus!). Netflix-Serien haben zumeist die Angewohnheit irgendwann durchzuhängen oder fühlen sich von Anfang an aufgebläht an, was bei Stranger Things 3 zum größten Teil beides der Fall ist. Der Rhythmus der Serie war nie unausgewogener, was diesmal auch die gute Besetzung nicht ausmerzen kann. Millie Bobby Brown, der ihr Durchbruch mit den ersten beiden Staffeln gelang, hat sich genauso wenig weiterentwickelt, wie die anderen Darsteller.

Das Ganze fühlt sich diesmal weniger als ein Ensemble-Stück an, als je zuvor und die Art und Weise, wie die Duffers ihre Charaktere voneinander trennen und dann wieder zusammenbringen, ist geradezu profan. Das Einzige, was die Duffers gut verstehen, ist es die Drehorte, wie das grelle Einkaufszentrum aus den 80er Jahren, den Jahrmarkt zum Unabhängigkeitstag im Mittleren Westen, das Militärgelände und den überfüllten Pool, optimal zu nutzen. In dem Bereich fühlt sich Stranger Things 3 tatsächlich lebendig an. Das Staffelfinale hat wenigstens noch etwas zu bieten, kann die ganze Angelegenheit allerdings auch nicht mehr retten. Die dritten Kapitel von 80er-Jahre-Franchisen waren nur selten als gut zu bezeichnen und auch Stranger Things 3 erfüllt diesen Aspekt unserer Lieblingsperiode der Popkultur, indem eine gute Serie mit ihrer Fortsetzung in die tiefen Abgründe der Belanglosigkeit katapultiert wird.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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