Strike Commando / Cobra Force

Während Sergeant Mike Ransom hinter feindlichen Linien operiert, erfährt er von einer russischen Präsenz in Nordvietnam. Um einen Beweis für diese Entdeckung zu erhalten, kehrt Ransom in das feindliche Gebiet zurück, wird jedoch gefangen genommen und einer Vielzahl von Folterungen ausgesetzt. Schließlich entkommt er, um seine Mission fortzusetzen, obwohl er von einem Verräter in seinen eigenen Reihen behindert wird.

Strike Commando ist ein Film, der sich jeder Beschreibung entzieht, ohne um Übertreibung zu betteln. Es handelt sich um Action-Sploitation, die von Anfang bis Ende haarsträubenden aber unterhaltsamen Unfug zu bieten hat. Ja wirklich!!! Der sogenannte „Brain-Trust“ (man vertraut darauf, dass man sein Gehirn nicht benutzen muss!) von Bruno Mattei und Claudio Fragasso ist auf alle Genrekonventionen übergesprungen und hat diesen unglaublichen Eintrag ausgespuckt. Michael Ransom (Reb Brown) ist ein harter Bursche – er kann anscheinend nicht getötet werden. Sein Kommando-Team sprengt mühelos Vietcong-Stützpunkte, wird jedoch von einem schmutzigen und unangenehmen Kommandanten (Christopher Connelly) hintergangen, wodurch er mit wenig Hoffnung auf Überleben hinter den feindlichen Linien gefangen zurückbleibt. Doch selbstverständlich überlebt er! Einen Fluss hinunter treibend und von Vietnamesen mit weißen Gesichtern (hä!?) begrüßt, die von Luciano Pigozzi (mit französischem Akzent … huh?!) angeführt werden, wird der massige Amerikaner zu ihrem Retter. Die bösen Russen, befehligt vom riesigen und lustigen Jakoda (Alex Vitale), haben jedoch andere Pläne. Töte sie alle … was er auch tut.

Während er zerquetschte Körper im Arm hält und wie verrückt schreit, muss Ransom nun die Russen, den Vietcong, die Männer an der Macht, die Soldaten wie Dreck behandeln, winzige Miniaturboote, Hütten, Logik und auch alles andere dafür bezahlen lassen! Oh ja, und das tun sie. Unterwegs wird Ransom gefoltert und beinahe gezwungen antiamerikanische Parolen übers Radio zu senden … aber doch nicht mit Ransom. Ihn mit einer verrottenden Leiche zurückzulassen, stresst ihn nur, wie seine Entführer feststellen müssen … und wenn er gestresst ist, können ihn nur eine Zillion Kugeln und ein Zeitlupen-Wasserfall-Stunt dazu bringen, sich besser zu fühlen. Na ja, ein bisschen besser. Menschen explodieren und THE END wird abgespult, wobei ein weiser Ransom jegliche Form von Wahrheit für den Film ablehnt.

Mattei und Fragasso haben einen perfekt albernen Actionfilm zusammengemanscht, der sich so verrückt gestaltet, dass man fast schon spüren kann, wie viel Spaß das Video macht, wenn man es in den Videorekorder steckt. Nicht das, was Historiker als solides Filmemachen bezeichnen würden, das wird nicht einmal versucht. Reb Brown ist wahnsinnig in seiner Rolle und brüllt fast JEDE Zeile heraus, sei es weiches Gerede über Popcorn, das auf Bäumen wächst, bis hin zu wütendem Geschwafel. Das ganze wirkt so irrsinnig, dass es schwierig wäre, es absichtlich zu wiederholen … wenn es irgendjemanden interessieren würde, dies zu versuchen. Christopher Connelly übertreibt seine Reaktionen wie kein anderer, während Alex Vitale die Show mit seinen Szenen als Jumbo-Russe stiehlt, der „Amerikanskis“ mit solchem Nachdruck hasst, dass er mehrere Kampfszenen, viel Gekicher und eine Reihe von Stahlzähnen präsentiert, die die Beste Zeile des Films anspornt.

Mattei leitet die Aktion mit dem Flair eines Regisseurs, der seine Berufung gefunden hat. Man könnte ihn als allenfalls mittelmäßigen Filmemacher bezeichnen, doch man kann nicht leugnen, er habe es nicht verstanden, seine Darsteller dazu zu bringen, unter Kugelhagel vernünftig zu fallen. Stuntmänner stellen sich in Reihe an, um in herrlich wildem Headflop-Stil erschossen zu werden. Brown befindet sich in der richtigen Position, um ein riesiges Maschinengewehr mit unbegrenzter Munition zu schwingen, und ja … der Wasserfall ist für alle sichtbar. Unterstützt von einem enorm seltsamen Drehbuch, das hauptsächlich auf Fragassos Konto geht, gibt es endlose sowie sonderbare Dialogzeilen zu hören und gnadenlos alberne Einstellungen zu ertragen. Außerdem hatten die Synchronsprecher offensichtlich sehr viel Spaß, man höre sich einfach an, was als Vietnamesisch durchgeht. Scharfschützen sollten darauf achten, dass Rene (Tiger Joe) Abadeza in der Eröffnungssequenz ins Gesicht geschlagen wird und Ninja-Veteran Mike Monty als Major Harriman auftaucht! Die Musik von Luigi Ceccarelli erweist sich passender als gewöhnlich und man wird sie vermutlich tagelang vor sich hin summen.

Ein Film, wie eine Granate im Mund, der einem mit lächerlichem Nervenkitzel den Geist vernebelt und mit einem Überschuss an Ersatzmunitionskoffern das Gedächtnis verunreinigt, was nur eine weitere Reise durch Reb Browns kugelgeladenes Disneyland beilegen kann. Strike Commando ist in jeder Hinsicht ein Kultfilm und als unverzichtbarer „Trash“ zu bezeichnen.

Nachtrag:

Die VHS von Wonderworld basiert auf der Italienischen Fassung, welche ca. 10 Min. kürzer ist als die US-Fassung. Allerdings ist unklar welche der Schnitte auf Kürzungen für die dt. FSK 18 Fassung zurückzuführen sind und welche Schnitte der Ital. Fassung gelten. Rein Laufzeittechnisch ist die dt. FSK 18 VHS Fassung ca. 3,5-4 Min. kürzer als die ungekürzte Ital. Fassung. —> hier geht’s zum Schnittbericht

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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