Stromboli

Stromboli ist ein Nachkriegsdrama von Roberto Rossellini (Rom, offene Stadt) aus dem Jahr 1950 mit Ingrid Bergmann (Casablanca) in der Hauptrolle. Dieser Klassiker des italienischen Neorealismus wurde 2012 aufwendig restauriert und ist bei Koch Media erhältlich.

Nach dem Krieg lernt Kriegsflüchtling Karin (Bergmann) den Soldaten Antonio kennen. Nachdem ihr Einreisegesuch nach Argentinien abgelehnt wird, bleibt ihr nur die Heirat mit dem Italiener, um aus dem Flüchtlingslager  zu kommen. Antonio ist allerdings, anders als sie, ein einfacher Fischer, der nach seinem Militärdienst auf seine Heimatinsel Stromboli zurück kehrenn will. Dort merkt Karin sofort, in welchem Schammassel sie steckt. Der Vulkan ist eine Drohkulisse die das Leben dort noch mehr deprimiert, als die ohnehin schon krasse Armut und die Ödnis des Fischerlebens. Sie fühlt sich wie in einem Gefängnis, und wir oben drein als blondes Gift im Dorf schnell zur Projektionsfläche für sämtliche Xenophobie, Neid und Zukunftsangst. Sie schmiedet Fluchtpläne….

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Rosselini schuf mit diesem unglaublich tragischen Werk einen düsteren Einblick in die italienische Nachkriegsgeschichte und gleichsam eine Parabel über die Aussichtslosigkeit gewisser gesellschaftlicher Situationen und den Kampf Mensch gegen Natur. Die damals höchst erfolgreiche Bergmann spielt überzeugend das cosmopolite Mädchen, dem das arme Leben im isolierten Fischerdorf ein Graus ist. Die Ignoranz, Einfältigkeit und Aussichtslosigkeit des Lebens dort passt nicht zu ihrem gehobeneren Ursprung, und ihrer Lebenslust. Vor der idyllischen aber doch bedrückenden schwarz-weiß Kulisse des Films spielt sich dann ein mitreissendes Drama ab.

Schauspielerisch stellt der Film nicht die kreativen Freiräume zur Schau wie man sie zum Beispiel von Bergmann in Casablanca kennen würde. Es ist hier mehr die Gesamtsituation, zusammen mit dem Vulkan und dem zeitgenössischen Einblick in den Tunfischfang, die den Film ausmachen. Bergmann als verzweifelte Person in mitten der Aussichtslosigkeit sind der Einblick in den Mikrokosmus des verarmten Nachkriegs-Italien. Ein zwar nicht umwerfender, aber dennoch beeindruckender Film (den Martin Scorsese auch in seiner Dokumentation A Voyage to Italy (hier bei Amazon.de sehr empfehlenswert) als Einfluss zitiert), den man gesehen haben sollte.

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Die DVD berucht auf der 2012 Restoration des Films und zeigt ein recht gutes Bild, dass sich altersbedingt nicht arg viele Schwächen leistet. Oftmals ist das Bild etwas blasser oder von der Belichtung weniger optimal als bei den vielen Nahaufnahmen. Der Ton (die semi-synchronisierte Fassung getestet, von der ich nicht sicher bin ob sie ebenso aufwendig restoriert wurde, wie im Vorspann angegeben, was sich aber wohl auf die Originalspur bezieht) ist akzeptable, kratzt etwas und ist vor allem in Lauten Szenen nur ein Brei, aber das kennt man von Filmen diesen Alters. Ich rate dazu, nach Möglichkeit zum BluRay Mediabook zu greifen, zur Rezension stand mir nur die DVD zur Verfügung.

Jetzt bei Amazon.de kaufen (oder DVD) oder zu der Rossellini Box greifen

stromboliDie DVD wurde von Koch Media bereitgestellt. Vielen Dank.

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Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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