Sukkubus – den Teufel im Leib / Die Puppe / Posseduta

Nach erfolgreichem Viehauftrieb verbringen zwei Hirten und ein junger Knabe den Alpsommer längere Zeit auf einer abgeschiedenen Hütte in den Schweizer Alpen. Zunächst gehen die schlichten Gemüter ihrer Arbeit nach, doch jeder weitere Tag in dieser kontaktlosen Ödnis lässt die Enthaltsamkeit zur Qual werden. Im Rausch von Selbstgebranntem bauen sie eines Abends eine weibliche Puppe, deren Anblick die Situation eskalieren lässt. Den unterdrückten Trieben freien Lauf lassend, verlustieren sie sich wahnhaft an dem verkleideten Stück Holz und sprechen unbedarft eine uralte Beschwörungsformel aus. Schockiert wenden sie sich ab, als urplötzlich ein Tuch lebendig wird und sich gegen seine Peiniger wehrt. Abgetan als mögliche Sinnestäuschung, legen sie sich schlafen. Am nächsten Morgen erscheint es allen wie ein böser Traum, doch die drei Männer bemerken zu spät, dass sie nicht mehr alleine sind… (Subkultur Entertainment)

Die Schweizer Alpen: Drei Hirten – der (selbst-)gerechte Senn (Peter Simonischek), der hormonelle Hirt (Giovanni Früh) und der Junge Handrbub (Andy Voss) – sollen den Sommer auf einer Alm verbringen, um sich um die ihnen anvertrauten Kühe zu kümmern. Natürlich werden sie von Tag zu Tag mehr von Einsamkeit und sexueller Frustration geplagt – so sehr, so dass sie in einer Nacht im Schnapsrausch aus Ästen, Wurzeln, Stroh und Decken eine sogenannte Tuntschi (im Grunde genommen eine archaische Sex-Puppe) basteln und sich mit ihr „vergnügen“. Eigentlich soll alles nur Spaß und Spiel sein … bis die Tuntschi (Pamela Prati) zum Leben erwacht und sich nicht gerne ausnutzen lässt.

Die Männer sind zunächst schockiert, nehmen sie dann aber gefangen, vergewaltigen sie und lassen später einen Stier mit ihr durchgehen – zu diesen Gelegenheiten verwandelt sie sich allerdings wieder in eine Tuntschi … und schließlich tötet sowie häutet sie Hirt und nagelt seine Haut an die Hütte der Hirten. Die anderen beiden tun danach das einzig Vernünftige und treiben ihre Kühe zusammen, um so schnell wie möglich die Berge zu verlassen. Es ist jedoch nicht sehr wahrscheinlich, dass die Tuntschi sie so einfach gehen lässt.

Bei seiner ersten Veröffentlichung war Sukkubus – den Teufel im Leib kein Erfolg beschieden, entwickelte sich allerdings zu einem kleinen Hit auf VHS unter dem Sexploitation-Publikum. Sukkubus kann eigentlich als interessanter Film bezeichnet werden, egal wie man ihn auch betrachtet: Im Grunde ist der Film, der auf einer Schweizer Legende basiert, als eine Mischung aus Folk-Horror, Softcore-Sex und existenziellem Drama zu beschreiben, mit drei etablierten Darstellern in den männlichen Hauptrollen gegenüber Penthouse-Gal Prati (die hier konsequenterweise meistens nackt erscheint). Außerdem repräsentiert Sukkubus nach einer über 40-jährigen Karriere Georg Tresslers letzten Film, der bei vielen Meilensteinen des deutschen Nachkriegskinos (und einigen sinnlosen Sexkomödien in den 70er Jahren) involviert war.

All dies verspricht also zumindest etwas Interessantes, wobei der Film dieses Versprechen auch einhält. Sicherlich handelt es sich hier um kein Meisterwerk, doch vieles im Film hat eine gewisse archaische Qualität aufzuweisen, vom relativen Fehlen bedeutungsloser Dialoge über die schnörkellose Regiearbeit bis hin zur schlichten Schönheit der Alpenkulisse. Interessanterweise lässt der Film ein wahres Spektakel vermissen, weswegen auch nicht alle Schrecken so schockierend wie erwartet rüberkommen, wobei sich das Finale als etwas enttäuschend (weil viel zu kurz abgehandelt) erweist. Alles in allem repräsentiert der Streifen aber auf jeden Fall eine sehr interessante Angelegenheit. Ach ja, Christoph Schlingensief war hier Regieassistent.

Bonusmaterial:

  • Archivinterview mit Regisseur Georg Tressler (ca. 18 Min.) —> Herr Tressler lässt kein gutes Haar an den Deutschen, vor allem deutschen Filmemachern…
  • „Nichtkopierer“ – Verworfene Takes, Rohmaterial (stumm), ca. 154 Min. (HD) *
  • „Reste“ – Nicht verwendete Takes, Rohmaterial (stumm) ca. 259 Min. (HD) *
  • „Schnittreste“ – Im Schnittprozess entferntes Material (stumm) ca. 195 Min. (HD) *
  • „Kopiermuster“ – Testkopierung etc., Duplikat-Negativ (stumm) ca. 1 Min. (HD) *
  • Deutscher Kinotrailer
  • Bildergalerie
  • Booklet mit dem Text Go to Hell, Heidi! von Paul Poet —> sehr interessant sowie informativ
  • *Blu-ray Exklusiv

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 1.66:1
  • Alterseinstufung: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur: ‎Tressler, Georg
  • Medienformat: ‎Breitbild
  • Laufzeit: ‎1 Stunde und 20 Minuten
  • Darsteller: ‎Simonischek, Peter, Früh, Giovanni, Voss, Andy, Prati, Pamela
  • Untertitel: ‏Deutsch, Englisch
  • Studio: ‎Subkultur Entertainment

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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