TerrorVision

Außerirdische TV-Signale können richtig Ärger bedeuten. Das müssen auch die schrägen Puttermans erfahren, die mit der super Satellitenanlage „DIY 100“ ihren Fernsehkonsum veredeln wollen. Doch nicht nur irdische Programme erreichen ihr geschmackssicheres Heim – ein extraterrestrischer Koloss wird durch die Schüssel gebeamt und verspricht ordentlich Trouble für die schnöselige Familie Putterman! (Wicked Vision)

TerrorVision repräsentiert einen Horror-Comedy-Hybridfilm der Klasse B, den man leicht genießen kann, gleichzeitig jedoch einen wahrhaft lausigen Flick in fast jeder Hinsicht darstellt. Außer in dem Aspekt, der für B-Filme am meisten zählt: purer Unterhaltungswert. TerrorVision kennt seine Grenzen und sein Publikum sehr genau. Der Streifen nimmt sich selbst nie allzu ernst und ist dabei vollkommen unverhohlen käsig, so käsig wie eine Pizza mit gefüllter Kruste mit extra, extra, extra, extra Käse – und hat viel Spaß daran, wirklich mies zu sein. Doch trotz allem, was der Film innerhalb dieser eng gesteckten Grenze richtig macht, begeht er auf den anderen Gebieten auch viele Fehler. TerrorVision läuft viel länger, als nötig ist, bietet furchtbar übertriebenes Schauspiel (was wohl zum Teil intendiert war und letztendlich doch zum Spaßfaktor beiträgt) und scheint aus einem hastig verfassten Drehbuch mit EINER guten Idee entstanden zu sein, die nie über ihre Grundlagen hinaus konkretisiert worden ist. Trotzdem liefert TerrorVision vernünftigen B-Kino Horror ab und beschert seinem Publikum einen liebenswerten kleinen Film, der sein Ziel zu erreichen scheint.

Die Familie Putterman ist im Begriff eine brandneue Welt von Unterhaltungsmöglichkeiten im Fernsehen zu genießen, jedoch nur, wenn Vater Stanley (Gerrit Graham) die Do-it-yourself-Satellitenanlage richtig zum Laufen bringen kann. Der Satellitenverkäufer Norton (Sonny Carl Davis) weigert sich Stanley zu helfen. Dieses spezielle Modell verbietet es den Händlern, die Installation durchzuführen. Aus purer Frustration verpasst Stanley der Satellitenschüssel ein paar ordentliche Schläge mit einem Werkzeug, während just in diesem Moment ein mysteriöser Energiestrahl (vom Himmel kommend) in die Schüssel einschießt. Plötzlich funktioniert die Anlage. Nachdem erstmal das neue TV-Programm ausgetestet wurde (ein Samurai-Film, ein alter Kriegsfilm mit marschierenden Soldaten, MTV und ein wenig Erotik) machen sich Stanley und seine Ehefrau Raquel (Mary Woronov) auf, um einen Swinger-Club zu besuchen, während Tochter Suzie (Diane Franklin) und Rocker-Freund O.D. (Jon Gries) ihr eigenes Ding machen. Das lässt Grampa (Bert Remsen), den Ex-Militär und Patriarchen der Familie sowie seinen kleinen „Phantom-Kommando“ Enkel Sherman (Chad Allen) allein zu Hause zurück. Die Beiden wollen sich den Horror-Marathon von „Medusa“ (Jennifer Richards) ansehen, wobei ihnen nicht bewusst ist, dass sie bald wirklichem Horror in Gestalt eines Monsters aus einer anderen Welt gegenüberstehen werden.

Der Film gestaltet sich tatsächlich wesentlich unkomplizierter, als es sich zunächst anhört, zumindest bis er im letzten Akt eine Wendung in eine wirklich bizarre Richtung nimmt. Die seltsame Familie (swingende Eltern; kriegstreibender Sohn, der nach seinem militärischen Opa kommt, der in einem Bunker lebt; Rocker Tochter mit Rocker Freund) mit einem klebrig, glibberigen Monster aus einer anderen Welt zusammen zu mixen, erweist sich als ein gutes Rezept für ordentlichen Spaß auf B-Niveau. Man füge noch das Häschen mit den großen Brüsten des Late-Night-Kabel-Horror-Marathons sowie ein paar zusätzliche Opfer hinzu (die die Kreatur töten bzw. fressen kann) und die Bühne ist bereit für eine der lächerlichsten aber gleichzeitig auch seltsamsten sowie unterhaltsamsten Horror-Komödien der 80er Jahre. Es ist schwierig, einen Film wie diesen zu „beurteilen“, da nur wenig daran als besonders gut beschrieben werden kann und ein Großteil des Charmes vom Gefühl des niedrigen Budgets herrührt, einschließlich des künstlichen Soundstage-Hauses, des grob übertriebenen Schauspiels und des schrecklichen Drehbuchs. TerrorVision hätte möglicherweise nicht so gut funktioniert, wenn diese Aspekte fehlen würden. Die Prämisse ist anfangs als lächerlich zu bezeichnen – allerdings handelt es sich auch um einen Horrorfilm – doch der sehr offensichtlich ironische Flow des Streifens ermöglicht es dem Publikum, seine Ansprüche etwas herunter zu schrauben und die massiven Mängel des Films als Teil seiner Anziehungskraft zu akzeptieren (anstatt sie als solche zu betrachten). TerrorVision weiß genau, was er ist, wobei es sich als schwierig gestaltet, gegen einen Film zu argumentieren, der das erreicht, was er erreichen möchte.

Das lächerliche Design der Kreatur passt ziemlich gut zum ausgefallenen Stil des Films. Um ehrlich zu sein, TerrorVisions außerirdischer Bösewicht sieht aus wie etwas, das in einen Mixer gefallen ist – eine schmierige Ansammlung von Schleim, Blut und Augäpfeln, die in einem scheinbar zufälligen Muster zusammengemischt wurden – wobei das Fehlen einer echten Kohäsion ihn zum perfekten Bösewicht für einen Film macht, in dem es um preisgünstiges Material geht, bei dem der Authentizität wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Der Film verdient sich sein herzlichstes Lachen in einer Szene, in der sich alle Opfer – die jetzt mit der Kreatur verschmolzen sind – gemeinsam ein Bett teilen, um die Kinder der Puttermans glauben zu lassen, dass einige der Charaktere noch leben. Es handelt sich dabei um den besten Gag des Films, der allerdings nicht in vollem Umfang genutzt wird, wahrscheinlich aufgrund von Budgetbeschränkungen und logistischen Einschränkungen. Dem Film gelingt es jedoch eine Menge aus dem Wenigen herauszuholen, was vorhanden ist; wobei alles auf perfekte Harmonie bei der Arbeit ankommt. TerrorVisions Streben nach ausgefallenem Humor und billigem Charme dürfte ein aufgeschlossenes Publikum erfreuen, das nach etwas Einzigartigem in einer Welt des sinnlosen Horrorkinos sucht.

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  • Seitenverhältnis : 16:9 – 1.85:1, 16:9 – 1.77:1
  • Alterseinstufung : Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur : Nicolau, Ted
  • Laufzeit : 1 Stunde und 25 Minuten
  • Darsteller : Franklin, Diane, Graham, Gerrit, Gries, Jon, Woronov, Mary, Allen, Chad
  • Untertitel: : Deutsch
  • Studio : Wicked Vision Distribution GmbH

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Das Bildmaterial stammt nicht von dieser Edition !!!

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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