The .44 Specialist / Mark colpisce ancora

Zivilfahnder Mark Terzi, der unter Mark Patti inkognito agiert, wird von den Terroristen Paul Henkel (John Steiner) und Olga Kube (Marcella Michelangeli) in Rom angeheuert. Er soll bei einem Auftrag in Wien partizipieren von dem er aber nicht wirklich weiß um was es sich handelt. Mit seinen österreichischen Kollegen und dem zwielichtigen US-Agenten Altman (John Saxon) versucht er das Vorhaben aufzudecken. Als es zu einem Mordanschlag kommt bei dem Terzi anwesend hätte sein sollen wird ihm klar, dass jemand falsch spielt. Kurz darauf soll der Terroranschlag mit Terzis Teilnahme stattfinden… (Cineploit Records)

Mit dem dritten Eintrag in der „Mark the Cop“ – Serie, der wie die vorherigen von Stelvio Massi inszeniert wurde, erfährt Franco Gasparies Charakter einige wesentliche Änderungen: Mark ändert nicht nur seinen Nachnamen von Terzi zu Patti (da er ja inkognito agiert!?) und lässt seine .44 Magnum in der Schublade liegen, er wird auch schäbiger und näher an der Arbeiterklasse dargestellt, mit ungepflegten langen Haaren und billigen T-Shirts. In Mark colpisce ancora sieht der Held wie eine Version von Tomas Milians Monnezza aus, jedoch ohne dessen ungestüme Impulsivität. Erst in der letzten Szene bekommt Mark das Aussehen der ersten beiden Filme wieder verpasst, während er ein zufällig vorbeikommendes Mädchen „klar“ macht.

Die wichtigste Wendung des Films betrifft die Handlung: Dardano Sacchettis Drehbuch (nach einer Geschichte von Lucio De Caro) handelt vom internationalen Terrorismus und lässt Mark von Rom nach Wien ziehen, zusammen mit ein paar bösartigen Flüchtigen – Marcella Michelangeli, die in Massimo Pirris Italia: Ultimo atto? (Terror Streets, 1977) wieder als Terroristin auftauchen sollte und einem hysterisch übertrieben spielenden John Steiner – die, wie sich herausstellt, heimlich von „abtrünnigen“ Geheimdienstlern manövriert werden. „Terrorismus muss mit Mitteln bekämpft werden, die diejenigen, die sich nicht in dieser Situation befinden, nicht verstehen können“, sagt der korrupte Agent (John Saxon), der vergeblich versucht unseren Helden zu entsorgen, um dann selbst von einem seiner Killer getötet zu werden: Es handelt sich dabei um den x-ten Kommentar zu Verschwörungstheorien, die im italienischen Genrekino der damaligen Zeit in Bezug auf die Strategie der Spannung im Überfluss vorhanden waren.

Sacchettis Drehbuch erweist sich jedoch weniger simpel als gewohnt: Marks Theorie, dass Terrorismus „einen Verstand hat, ein Gehirn, das die Fäden zieht“, stößt gegen das tatsächliche Vorhandensein einer auf dem Kopf stehenden Pyramidenstruktur. „Ich selbst weiß nicht, ob ich ein Chef bin oder nicht“, gesteht der Mann, der die Geschicke der Terroristen von einem Teppichgeschäft aus steuert. Es war egal zu wissen, ohne die Beweise zu haben, wie Pasolini in seinem berühmten Artikel schrieb. Die Wahrheit ist am Ende unerkennbar. In Mark colpisce ancora spielt sich jedoch alles in einem Comic-Umfeld ab, ohne genauen Bezug auf die historischen und politischen Motive des Terrorismus, wobei darauf geachtet wird, nicht zu erklären, wer die Politik der Unordnung ausnutzt.

Obwohl er sich manchmal schlampig präsentiert (Stelvio Ciprianis Musik wiederholt auch Themen aus dem ersten Film) und der Gesamteindruck von einem hastigen Ende getrübt wird, kann Mark colpisce ancora dennoch das Verdienst zugeschrieben werden, ein schmerzhaftes und unbehagliches Thema anzufassen – mit Terroristen, die Zeilen aufsagen wie „Die Menschen müssen Angst haben, morgens ihre Häuser zu verlassen“ und „Der einzige Weg, dieses System zu stürzen, besteht darin, einen Mangel an Konsens zu erreichen, denn kein System kann sich auf den Konsens der Bevölkerung verlassen, wenn dieser unfähig ist das Chaos und die Unordnung, die korrodieren, zu bemerken“ – innerhalb eines Experten-Actionfilms: Für die beste Sequenz, in der Mark einen Hinterhalt in einem Büro des Geheimdienstes nur knapp überlebt, lässt Massi eine ähnliche Szene aus Die drei Tage des Condor (1975) nachstellen, mit lobenswertem Ergebnis.

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  • Darsteller: John Saxon, John Steiner, Marcella Michelangeli, Malisa Longo, Andrea Aureli
  • Regisseur(e): Stelvio Massi
  • Format: Letterbox
  • Sprache: Italienisch (DTS-HD 2.0), Deutsch (DTS-HD 2.0), Englisch (DTS-HD 2.0)
  • Untertitel: Deutsch, Englisch
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.85:1
  • Anzahl Disks: 1
  • FSK: Nicht geprüft
  • Studio: Cineploit Records
  • Produktionsjahr: 1976
  • Spieldauer: 94 Minuten

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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