The Black Gestapo / The Ghetto Warriors / Black Enforcers

Auf Grund der Rechtslage in Deutschland möchten wir darauf hinweisen dass der im folgenden besprochene Spielfilm aktuell gemäß §15/18 JuSchG indiziert ist. Um unserem Bildungsauftrag nachzukommen und der kulturellen Bedeutung des Films gerecht zu werden, findet ihr im Folgenden einen Artikel zum Film The Black Gestapo, der sich mit Werk und Wirkung kritisch auseinandersetzt.

VHS – Edition

General Ahmed hat eine innerstädtische Volksarmee gegründet, um das Elend der Bürger von Watts zu lindern. Als die Einheimischen von Mafia-Schlägern zunehmend unter Druck gesetzt werden, bittet Ahmeds Stellvertreter Colonel Kojah um Erlaubnis, eine Schutzgruppe gründen zu dürfen, um direktere Maßnahmen ergreifen zu können. Ahmed befürchtet, dass sich diese Schutztruppe in einen Bürgerwehrmob verwandeln wird und seine Vorhersage erweist sich bald als richtig. Wird Ahmed in der Lage sein, dem machtverrückten Kojah die Kontrolle zu entziehen, oder wird er das nächste Opfer des Mobs sein?

Watts, ein Bezirk im südlichen Los Angeles, leidet unter dem Joch der Unterdrückung, was hauptsächlich an den Gangs liegt, die mit eiserner Faust über die Bürger herrschen, Schutzgeld erpressen und selbst dann noch unmögliche Forderungen nach mehr Geld stellen, wenn diese überhaupt nicht mehr erfüllt werden können. Was kann man nur dagegen tun? Nun, zufällig gibt es da eine Gruppe von „schwarzen“ Militanten, die als eine Art Volksarmee bekannt sind und vom selbsternannten Colonel Kojah (Charles Robinson) angeführt werden. Sie geben ihr Bestes, um die Gesellschaft zu verbessern und gründen eine Einrichtung, um Drogenabhängigen (die von „weißen“ Dealern versorgt werden) zu helfen, doch als drei von ihnen sowie eine Krankenschwester zusammengeschlagen werden, ist es Zeit für no more Mr. Nice Guy

The Black Gestapo! Das klingt nach einer äußerst sinnvollen Idee für einen Film, oder etwa nicht? Daran ist nichts Geschmackloses zu finden. Es dürfte wohl unnötig sein zu erwähnen, dass sich die Botschaft dieses Films (in dem Afroamerikaner den Mantel der gefürchteten Nazi-Autorität überziehen) etwas verwirrend gestaltet. Es fühlt sich so an, als wären die Drehbuchautoren Wes Bishop (der hier auch als Schauspieler fungiert) und Lee Frost auf die Idee für den Film gekommen und anschließend nicht in der Lage gewesen eine anständige Geschichte dazu auszuarbeiten. Was dem Publikum hier im Wesentlichen vorgesetzt wird, stellt letztendlich nichts anderes dar, als eine „Meet the new boss, same as the old boss“ Geschichte mit rassistischem Twist.

Nichts vermag es das erforderliche Maß an Unverschämtheit der Titelsequenz zu erreichen, in der Aufnahmen von Adolf Hitler zum Negativ werden, um ihn „schwarz“ aussehen zu lassen. Was wäre, wenn Hitler wirklich „schwarz“ gewesen wäre? Eine an Plumpheit kaum zu unterbietende selten dämliche Frage, jedoch nicht idiotischer als das, was sich sonst noch so in diesem Film abspielt. In Wirklichkeit handelt es sich hier um einen Low-Budget-Gangster-Film in der Verkleidung eines Blaxploitation-Flicks und abgesehen von ein paar Absurditäten, die sich aus seiner Prämisse ergeben, ist The Black Gestapo eigentlich als ziemlich langweilig zu bezeichnen. Die Volksarmee wird zunächst als lohnender Einfluss auf die Gesellschaft vorgestellt, die offensichtlich dem Erfolg der Black Panthers nachempfunden ist, doch dann ändert sich alles.

Das liegt daran, dass einer ihrer Haupt-Honchos, General Ahmed (Rod Perry), entsetzt darüber ist, dass seine Ex-Freundin Marsha (Angela Brent) von den Rassisten vergewaltigt worden ist. Dies zementiert Kojahs Entschlossenheit, sich gegen die „weißen“ Gangster zu wehren, was einen Rassenkrieg ausbrechen lässt. Ein Rassenkrieg, bei dem ungefähr zehn Nebenfiguren getötet werden, darunter ein Bösewicht, der von einem Auto mit Uschi Digard als Insassin von der Straße abgedrängt wird (sie sitzt nicht am Steuer, aber sie entblößt sich aus unbekannten Gründen vor ihm).

Schließlich richtet Kojah seine eigene private Miliz ein, komplett mit schwarzen Uniformen, während in einer monumental lächerlichen Szene gezeigt wird, wie die Soldaten den Black Power Gruß zelebrieren und dabei das originale „Sieg Heil!“ der 1930er Jahre Nazis darüber gedubbed wurde. Aber ja doch, das Publikum hat schon längst verstanden aber niemand kann das Ganze auch nur im Ansatz ernst nehmen und genau da liegt der große Irrtum des Films verborgen, denn der glaubt, dass jeder es tut. Und warum verbringt der Hauptschurke in Low-Budget-Gangsterfilmen der siebziger Jahre eigentlich immer die meiste Zeit damit, am Swimming-Pool abzuhängen, der von jungen Damen im Bikini bevölkert wird? Wie auch immer, die Geschichte stolpert in Richtung eines höhepunktartigen Moments, in dem die neue Gestapo – die ihr Schutzgeld scheinbar nur aus einem einzigen Geschäft bezieht – über den Bezirk herrscht und von Ahmed niedergeschlagen werden muss. Tatsächlich nimmt Ahmed den Rassisten damit nur deren Arbeit ab, indem er ein paar Dutzend seiner afroamerikanischen Brüder tötet. Es wurde ja gewarnt, der Film sei verwirrend. Ist er denn wenigstens unterhaltsam? Nicht besonders.

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  • Bildformat: „Vollbild 4:3“
  • Medium: „VHS“
  • Spielzeit: „ca. 90 min.“
  • Sprache: „Deutsch“
  • TV-Norm: „Pal“
  • FSK: 18

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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