The Blackout

The Blackout

Miami: Hollywood-Superstar Matty (Matthew Modine) lebt in einer Welt aus Sex, Drogen und Alkohol. Nach einem für ihn schockierenden Geständnis seiner Geliebten Annie (Beatrice Dalle) betäubt Matty seinen Schmerz mit noch mehr Drogen, bis er auf der Party eines Freundes – Mickey (Dennis Hopper) – endgültig die Kontrolle verliert und schließlich einen Blackout erlebt. New York: Monate später hat sich Matty mit seiner Freundin Susan (Claudia Schiffer) wieder aufgerappelt. Er ist mittlerweile clean. Doch als quälende Bilder auftauchen, will er sich den Dämonen der Vergangenheit stellen. Mickey bietet ihm an, die Nacht des Blackouts mit ihm zu rekonstruieren – und Matty muß  nun die ganze Wahrheit erkennen, ungeschönt, unmaskiert, eine entsetzliche Wahrheit… (filmArt)

The Blackout

Niemand kann Schuld so schön aussehen lassen wie Abel Ferrara. In The Blackout zieht er den Zuschauer nach unten in einen Sumpf aus Besessenheit, Selbsthass und Drogenmissbrauch, indem er zeigt, dass Angst in sich einen fürchterlichen Albtraum heraufbeschwören kann. Zeit und Raum sind zerrissen und aus der Form gebogen, während sich der halbe Film wie ein Flickwerk aus Rückblenden anfühlt. Kombiniert man das mit mehreren Schichten überlagerter Auslösungen und künstlerischen Handkameraaufnahmen von erotischen Tänzerinnen und man bekommt so etwas wie The Blackout. Das Schauspiel ist fast so hervorragend, wie die Regie. Matthew Modine spielt überraschend gut als der gepeinigte Hollywood-Schauspieler und die beiden Nebendarstellerinnen Beatrice Dalle sowie Claudia Schiffer bringen in ihren (wenn auch flachen) Rollen einwandfreie Leistungen. Bei Dennis Hopper hat man allerdings den Eindruck, dass er das, was seine einzige Persönlichkeit geworden zu sein scheint, ständig wiederkäut. Leider nutzt sich das stark ab, weshalb Hopper hier wie eine abgeschwächte, billige Version von Frank Booth rüberkommt. Normalerweise ist an seinem Schauspiel nichts auszusetzen, im Gegenteil, doch in The Blackout wirkt er irgendwie austauschbar. Wer auf Filme mit klar definierter Handlung steht, wird bei diesem Streifen enormer Verwirrung unterliegen.

The Blackout

The Blackout scheint aus einem drogeninduzierten Traum entstanden zu sein. Dagegen ist nichts einzuwenden, vor allem im Namen der „Kunst“ oder was auch immer … aber in diesem Fall beschreitet Ferrara ein Gebiet, was er schon vorher mit einigen Variationen betreten hatte. Nur ein paar Jahre zuvor hatte er mit Bad Lieutenant schon eine Geschichte des Exzesses und eines einsamen emotionalen Krüppels (Harvey Keitel) und mit Dangerous Game – Snake Eyes (ebenfalls mit Keitel und Madonna!) eine Parabel über das Medium Film und dessen abfälliger Wirkung präsentiert. Doch dieses Mal kreiert er eine seltsame Fusion der beiden, mit ein wenig mehr Melodrama, über einen Hollywood-Schauspieler (Matthew Modine), der von Alkohol, Kokain sowie anderen Drogen abhängig und in die rassige Annie (Beatrice Dalle) verliebt ist. Aufgrund von zu vielen Drogenexzessen der beiden und einer gescheiterten Schwangerschaft, trennt sich Annie von Matty, so dass dieser noch mehr im Drogensumpf versinkt, noch mehr Alkohol konsumiert, während er sich in Depressionen suhlt und unter den Einfluss des „Video-Filmers“ Mickey Wayne (Dennis Hopper) gerät.

The Blackout

Der Unterschied zwischen einem Film wie The Blackout und Bad Lieutenant ist, wie dabei Katharsis behandelt wird. Was Keitel durchmacht, wie weit er geht, um irgendeine Form von Erlösung zu erlangen, ist intensiv bewegend. Matty dagegen schafft es clean zu werden, bekommt eine neue Freundin und da er ein Jahr später immer noch Albträume vom Mord seiner ehemaligen Liebe hat, treibt es ihn zurück nach Miami, wo er einen üblen Rückfall erleidet. Aus irgendeinem Grund nimmt einen der innere Konflikt des Charakters, trotz der intensiven Qualität von Matthew Modines Auftritt, hier nicht gefangen. Da kommt einem Ferraras Stil in die Quere. Das macht den Film zwar nicht unbrauchbar oder langweilig aber irgendetwas fehlt die meiste Zeit über. The Blackout hat seine Momente, seine eigene fieber-alptraumhafte Güte, beeindruckend und fantastisch im David Lynch-Stil, doch die meiste Zeit über versinkt der Plot in sich selbst. Ferrara hat weitaus bessere Werke abgeliefert, mit stärkerem visuellem Fokus. Wer sich jedoch gerne in der Abwärtsspirale eines Charakters durch die dunkleren Korridore dessen Seele bewegt, kommt hier auf seine Kosten.

The Blackout

FilmArt gelingt mit der Nummer vier ihrer CineSelection wieder eine klasse Veröffentlichung. Die technische Qualität der DVD ist auf gewohnt hohem Niveau und das ausführlich geschriebene Booklet über den Film von  Prof. Dr. Marcus Stiglegger ansprechend verfasst. Weitere Extras stellen eine 4:3 Open Matte-Fassung und eine CineSelection Trailershow dar. Auch an ein Wendecover wurde gedacht. Über den Film lässt sich sicherlich debattieren … Ich freue mich jedenfalls schon darauf die Nummer 5 der Cine Selection rezensieren zu können!

The Blackout

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The Blackout DVD

  • Darsteller: Dennis Hopper, Matthew Modine, Claudia Schiffer, Beatrice Dalle, Sarah Lassez
  • Regisseur(e): Abel Ferrara
  • Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo), Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
  • Untertitel: Englisch
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: filmArt
  • Produktionsjahr: 1997
  • Spieldauer: 100 Minuten

The Blackout

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Diese DVD wurde uns freundlicherweise von filmArt zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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