The Boy

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Kennen Sie Brahms? Brahms ist der achtjährige Sohn von Mr. und Mrs. Heelshire (Jim Norton, Diana Hardcastle) und er fordert ganz besonders liebevolle Aufmerksamkeit und Zuwendung. Die soll er künftig von der jungen Amerikanerin Greta (Lauren Cohan) erhalten, die als seine neue Nanny einen strikten Regelkatalog erhält. Aber auch der kann sie nicht ansatzweise auf das vorbereiten, was sie bei Arbeitsantritt im pittoresken Herrenhaus wirklich erwartet: Brahms ist eine Porzellanpuppe! Was Greta zunächst für einen grausamen Scherz hält, lässt nach Verletzung einiger Regeln jedoch nur einen Schluss zu: Die Puppe führt ein furchteinflößendes Eigenleben… (Capelight Pictures)

THE BOY

Die junge Amerikanerin Greta (Lauren Cohan, The Walking Dead) könnte es mit ihrem Job als Nanny im ländlichen Großbritannien gar nicht besser getroffen haben. Bereits die Taxifahrt zum herrschaftlichen Anwesen der Heelshires suggeriert die Ruhe und Abgeschiedenheit, die Greta nach traumatischen Erlebnissen in ihrer Heimat offensichtlich dringend braucht. Dass sie ihre künftigen Arbeitgeber zunächst gar nicht antrifft, ist nicht weiter schlimm: Auf Strümpfen erkundet sie das verwunschen wirkende Herrenhaus, in dem sie erst der örtliche Lebensmittelhändler Malcolm (Rupert Evans, The Man In The High Castle) aus ihren Träumen reißt. Zwischen den beiden entspinnt sich ein Flirt, der von der Dame des Hauses, Mrs. Heelshire (Diana Hardcastle), rüde unterbrochen wird. Für Greta sei es an der Zeit, ihre Schuhe wieder anzuziehen und ihren künftigen Zögling kennenzulernen. Aber ihre Stiefeletten sind spurlos verschwunden und Heelshire Junior ist ganz anders, als von Greta erwartet.

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Denn als ein ernsthaft wirkender Mr. Heelshire (Jim Norton) den Blick auf den achtjährigen Brahms freigibt, bricht Greta zunächst in ungläubiges Gelächter aus: Brahms ist lediglich eine Porzellanpuppe. Schnell muss die junge Amerikanerin lernen, dass es ihren künftigen Arbeitgebern bitterernst ist: Greta soll sich – nach einem erfolgreichen Testlauf in Sachen Akzeptanz durch den „Knaben“ – um Brahms kümmern und für einen fürstlichen Lohn lediglich ein paar Grundregeln befolgen, während die Heelshires in den dringend benötigten Urlaub fahren: Nie soll sein Gesicht abgedeckt werden, die täglichen Speisungen folgen einem ebenso strikten Ablaufplan wie die Vorbereitung der Bettruhe oder die Zerstreuung mit Musik oder Poesie. Weil sie Geld und Abgeschiedenheit dringend benötigt, lässt Greta sich auf den Deal ein – und lässt nach der Abreise der Heelshires sämtliche gute Vorsätze wieder fallen. Was kümmert es schon eine – zugegebenermaßen unheimlich wirkende – Puppe, wenn man sie zu füttern unterlässt? Schon bald allerdings häufen sich die unerklärlichen Vorkommnisse. Vollkommen alleine im Haus, weiß Greta schlichtweg nicht, ob sie sich Knarzen und Kinderstimmen nur einbildet, oder ob das bedrückende Weinen, das sie zu hörenglaubt, durchaus real ist. Etwas Unbeschreibliches greift nach Greta, purer Schrecken macht sich breit und entpuppt sich – zunächst – doch nur als Albtraum.

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Der allerdings wird schnell Wirklichkeit, als es der nachlässigen Nanny lieb sein kann. Denn als sie sich von Malcolm auf ein Date ins Dorf einladen lässt, wird Greta bereits in ihren Vorbereitungen empfindlich gestört. Abermals folgt sie den unerklärlichen Geräuschen und Schatten bis auf den Dachboden, der urplötzlich von unten verschlossen wird. Greta ist auf dem Speicher gefangen, während Malcolm, vergebens auf sie wartet. Schlimmer noch: Von unheimlichen Schatten unter dem Dach aufgescheucht, stößt Greta sich den Kopf. Erst am darauf folgenden Tag ist sie wieder bei Sinnen und kann den Dachboden verlassen, als sich die Dachbodentüre plötzlich wie von selbst öffnet. Spätestens jetzt ist nichts mehr, wie es war für die junge Frau. Denn auch ihre in den USA zurückgelassene Vergangenheit ist drauf und dran, sie wieder einzuholen. Greta hat infolge gewaltsamer Übergriffe ihres Exfreundes Cole (Ben Robson) das gemeinsame Kind noch während der Schwangerschaft verloren. Ein Umstand, der sie auf der Flucht vor Cole ins englische „Exil“ getrieben hat und der dafür sorgte, dass sie für das merkwürdige Verhalten der Heelshires, die ihren Sohn Brahms offenbar bei einem schrecklichen Brand vor über 20 Jahren verloren hatten, Verständnis aufbringen konnte. Im Herrenhaus kann sie sich angesichts verschwundener Kleidungsstücke und unerklärlicher Ortswechsel von Brahms der unheimlichen Gewissheit nicht mehr entziehen: Die Puppe führt tatsächlich ein Eigenleben.

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Und Greta ist bereit, sich darauf einzulassen. Nicht wissend, dass die Heelshires mittlerweile gemeinsam in den Freitod gegangen sind und ihren „Sohn“ schriftlich davon in Kenntnis gesetzt haben, dass das Mädchen nun ihm gehöre. Während Gretas Beziehung zu Brahms wächst, droht jene zu Malcolm wieder abzukühlen. Bis es Greta gelingt, auch ihn von dem merkwürdigen Eigenleben der Porzellanpuppe zu überzeugen und ihn so endlich für sich zu gewinnen. Eine gemeinsame Liebesnacht aber kann der offenbar eifersüchtige Brahms noch verhindern, nicht jedoch, dass sich Greta und Malcolm auch der Gefahr bewusst werden, die von Brahms ausgehen könnte. Denn bevor er vor über 20 Jahren den Flammentod starb, wurde am Tag seines Geburtstags das gleichaltrige Nachbarsmädchen erschlagen aufgefunden. Und auch jetzt droht sich die Gewalt wieder einzunisten im Heim der Heelshires. Denn plötzlich steht Gretas Exfreund Cole in der Tür, um die schockierte Nanny unter Einsatz kaum verhohlener Drohungen in die Heimat zurückzuholen. Doch Brahms ist nicht bereit „sein“ Mädchen aufzugeben. Als Cole die Puppe im Zuge der Auseinandersetzung mit Malcolm und Greta auf dem Boden wirft, birst etwas Unvorstellbares aus den alten Gemäuern und droht im packenden Finale für alle zum Grab zu werden.

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The Boy BluRay

  • Darsteller: Lauren Cohan, Rupert Evans, Jim Norton, Diana Hardcastle
  • Regisseur(e): William Brent Bell
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
  • Studio: Koch Media GmbH – DVD / Capelight Pictures
  • Produktionsjahr: 2016
  • Spieldauer: 98 Minuten

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The Boy ist handwerklich sehr gut gemacht, der Plot ist allerdings wenig originell. William Brent (The Devil Inside, 2012), Meister des langsamen Spannungsaufbaus, lässt sich den Zuschauer im Laufe des Films fragen wer verrückt ist und wer nicht, während er einige „Jump-Scares“ mit auf den Weg nimmt. Die Besetzung ist glücklicherweise besser als die Handlung sowie die von vielen Horrorfilmen und hilft dem Betrachter auf angenehme Art und Weise über die Sequenzen hinweg, wo nicht sehr viel passiert. Stacey Meaners Drehbuch veranlasst zum miträtseln, um mit einem recht spannenden (wenn auch hanebüchenen) Finale alles auf den Kopf zu stellen. The Boy mischt geschickt einige Elemente von früheren Horrorfilmen wie The Shining (1980), Child’s Play (1988) oder The Others (2001), hat aber eine etwas frischere, modernere Atmosphäre. Bis auf die Handlung sind alle weiteren Aspekte dieses weitgehend unterhaltsamen Films auf den Punkt. Mit tollen Sets, kreativer Kameraarbeit, klasse Optik und gelungenem Schnitt weiss der Streifen vor allem auf technischem Gebiet zu überzeugen. Man kann The Boy auf jeden Fall eine Chance geben, doch sich das Ende verraten zu lassen, bevor man es selbst gesehen hat, wäre genauso bekloppt wie dasselbe ;-).

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Zu diesem Film wurde uns freundlicherweise ein online-screening sowie das Bildmaterial von Capelight Pictures zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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