The Cotton Club – Berlinale Special

Mein dritter Berlinale Ausflug war ein Versuch, endlich eine klaffende Lücke in meinem Coppola Wissen zu schließen. In The Cotton Club von 1984 lässt Francis Ford Coppola (Rumble Fish) das swingende Harlem der späten 20er auferstehen und zu meiner Freude in einem Leinwand-Fest das seinesgleichen sucht. Ich war fasziniert von dem Film.

Der Film handelt von dem Musiker Dixie (Richard Gere), der verzweifelt nach Arbeit sucht. Als er fast schon versehentlich dem Gangster Dutch (James Remar) das Leben rettet, ist er fortan für den Laufbursche, Hausmusiker und Aufpasser. Letzteres insbesondere für seine Vera (Diane Lane), eine junge Sängerin die sich mit dem skrupellosen Dutch abgibt um irgendwann ihren eigenen Club eröffnen zu können. Auch dem nichtsnutzigen Vincent, dem Bruder von Dixie (Nicolas Cage) verschafft Dutch einen Job. Dixie fühlt sich nicht wohl im Umfeld des brutalen Dutch, außerdem verliebt er sich in Vera. Der Besitzer des berühmten Cotton Club Owney (Bob Hoskins) hält in Harlem die Balance zwischen den rivalisierenden Gangstern. Der is ein eher vernünftiger Typ, und sieht in Dixie jemand vielversprechendes, schickt den nach Hollywood um Filmstar zu werden. Während in Harlem alles drunter und rüber geht, wird Dixie ein berühmter Schauspieler, doch als er zurück kommt, wird es Zeit ein für alle mal das Problem Dutch aus der Welt zu schaffen….

Und dann ist da noch so viel mehr. Zum Beispiel die Musik, und natürlich die Story der beiden Steptänzer Dalber und Clay, die Ausrutscher von Vincent, die Eskapaden von Vera, und die Gangsterpolitik rund um Owney. The Cotton Club ist ein vielschichtiger, facettenreicher Film der den Zuschauer geradezu bombardiert mit Musik, Tanz, unglaublich gelungenen Dialogen, tollen Schauspielern, erstklassigem Bild und Schnitt. Zu Unrecht mit zu wenig Auszeichnungen bedacht – und die Goldene Himbeere für Diane Lane ist ja wohl eine Frechheit, aber naja. Der Film ist deutlich lang, aber irgendwie muss Coppola hier eine volle Breitseite aus zwei Genres in eine Story quetschen. Es ist ein Musikfilm und ein Gangsterfilm, außerdem ein Liebesdrama. Das lässt den Film sehr schwer wirken, überladen teilweise, aber es ist eben Coppola, da muss man schon erwarten dass man aus allen Rohren mit Kino beschossen wird.

Ein Nachteil dieses Facettenreichtums des Films ist sicherlich, dass Richard Gere teilweise etwas an die Seite gedrängt wird, und man nicht mehr sicher ist, wer den nun die Hauptcharaktere sind. Hier fehlt an einigen Stellen etwas Balance. Das macht Coppola aber wieder gut, indem er alle Charaktere gleichermaßen interessant macht, alle mit ihren Problemen, und alle spielen sie mehr oder minder eine Rolle in den Scharmützeln rund um den Cotton Club. Dort fährt er immerhin alles auf was er so auftreiben konnte, ob Cabaret Tänzerinnen, Big Bands oder Step-Künstler. Es ist ein Feuerwerk an 20s-Lifestyle der einen wesentlichen Teil des Charmes des Films ausmacht. Das klappt aber nur weil Coppola dies in einer visuellen Verpackung präsentiert, die umwirft. Die Kamera und Lichtarbeit, die Kostüme, das Szenenbild, The Cotton Club ist umwerfend. Daran änderte auch die an einigen Stellen etwas beschädigte Kopie, die man hier präsentieren konnte (die sonst aber erstklassig aussah).

Richard Gere, Diane Lane, Bob Hoskins, James Remar, und viele mehr, das Staraufgebot tut dann sein weiteres um den Zuschauer zu begeistern.  Teilweise gibt es ein paar Gewaltausbrüche, derbe Sprüche oder gar etwas peinliche Momente (immerhin ist der Film aus den 80ern), aber im Große und Ganzen musste ich sagen, wieso habe ich den Film vorher noch nicht gesehen? Ich bin begeistert, verzaubert und sehr angetan von dem Film, der hat mich gefesselt, in den Bann gezogen und sehr gut unterhalten. Die Dialoge sind rasiermesserscharf, der Film sieht prächtig aus und die Musik ist bis zum Schluss erste Sahne. Mal wieder ein Beispiel dafür, dass Coppola  auch nach seinen großen Epen weiter hervorragendes Kino gemacht hat.


Die Kostümbildnerin bekam dieses Jahr en Ehrenbären. Weitere Berlinale 2017 Kritiken folgen.

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Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

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