The Devil’s Backbone

Spanien 1939. Gegen Ende des Bürgerkriegs ist das Waisenhaus Santa Lucia, das weit entfernt von der nächsten Stadt mitten in einer einsamen Ebene liegt, randvoll mit Kindern. Vor nicht allzu langer Zeit verschwand dort spurlos ein Junge, und niemand hat eine Erklärung dafür. Als auch der zwölfjährige Carlos in Santa Lucia ein neues Zuhause findet, geschehen plötzlich merkwürdige Dinge. Eine schemenhafte Gestalt taucht auf. Es ist der verschwundene Santi, dessen Geist nachts durch das alte Gemäuer zieht und Carlos mit den Worten „Viele von euch werden sterben“ verfolgt. Erst angsterfüllt, ist Carlos mit der Zeit absolut sicher, dass die weitverzweigten Kellergewölbe des Waisenhauses ganz offensichtlich ein düsteres Geheimnis verbergen. (Wicked-Vision Media)

Von allen Regisseuren, die heute im Horror-Genre arbeiten, können nur wenige den Ehrgeiz, den Einfallsreichtum und die visuelle Schönheit von Guillermo del Toro erreichen, einem Filmemacher, dessen Wirksamkeit zum Teil durch die Anzahl der Räder bestimmt wird, die sich gleichzeitig in seinem Kopf drehen. Während diese Räder ebenso komplexe und inspirierende wie intime und ansprechende Geschichten in Bewegung setzen, verwebt del Toro sie zu wunderschönen filmischen Märchen, die oft als ein anderer Film beginnen, als der Film im dritten Akt, aufgrund einer organisch entwickelten Erzählstruktur. Indem er diese klassisch gewachsenen Geschichten mit moderner Sensibilität durchdringt, strahlt del Toro ein ausgereiftes Verständnis von kindlicher Verwunderung aus und erforscht in seinen Filmen die Wurzeln tiefsitzender Ängste. del Toro ist ein Meister der Nutzbarmachung unserer Kindheitsängste geworden. The Devil’s Backbone stellt eine der ruhigeren und bodenständigsten Geschichten dar, die del Toro je kreiert hat, ist gleichzeitig allerdings auch unglaublich gruselig und gespenstisch. Angst und Schrecken lauern hinter jeder Ecke, während der „menschliche“ Teil der Geschichte von Gier und Rache handelt.

The Devil’s Backbone erzählt die Geschichte des jungen Carlos (Fernando Tielve), der in einem Waisenhaus unterkommt, das während des spanischen Bürgerkriegs Gold von Francos Regime aufbewahrt, jedoch heimlich republikanische Loyalisten damit unterstützt. Im Waisenhaus freundet sich Carlos mit Jaime (Inigo Garces), dem Tyrannen der Einrichtung, an und erfährt vom Geist eines kleinen Jungen, der das Gelände heimsuchen soll. Während Carlos dem Spuk nachgeht, wird das Gold zum Streitpunkt zwischen dem impulsiven Platzwächter (Eduardo Noriega) und den Verwaltern des Waisenhauses (Marisa Paredes und Federico Luppi), wobei die Handlungsstränge zu einem dramatischen, schockierenden Crescendo verflochten werden. Die Geschichte taucht nie vollständig in das Phantastische ein, bewahrt aber gleichzeitig einen scharfen und bissigen Sinn für Allegorie, außerdem wird ihr ein Mysterium hinzugefügt, als sich die Ereignisse langsam miteinander verbinden. Darüber hinaus ist das Drehbuch von del Toro, Antonio Trashorras und David Munoz hervorragend geschrieben. Es baut Spannung auf, die eine natürliche Eleganz erzeugt, welche die Vergleichsmomente von Drama und Emotion noch befriedigender gestaltet, was für den Zusammenhalt der intensiven Momente des Schreckens unerlässlich ist. Wichtig auch die Mitarbeit des Produzenten Pedro Almodovar und des Kameramanns Guillermo Navarro, dessen scharfer, farbenfroher visueller Stil und der Wunsch nach intimem Geschichtenerzählen dazu beitragen, den Film in einen spezifischen, konsumierbaren Kontext zu stellen.

Wie bei den meisten del Toro Filmen entsprechen die wunderbaren technischen Aspekte den großartigen und überzeugenden darbieterischen Leistungen, insbesondere der Kinderschauspieler, die mit nahezu unnachahmlicher Konstanz spielen. Fernando Tielve und Íñigo Garces meistern ihre Rollen hervorragend, wobei es ihnen gelingt eine glaubwürdige, beinahe brüderliche Beziehung zu porträtieren und, wenn in Gefahr, einige der intensivsten emotionalen Momente des Films zu kreieren. Auch die erwachsenen Schauspieler wissen zu überzeugen. Der Star von Cronos, Federico Luppi, verdreifacht sein dramatisches Spiel, bleibt in seiner Rolle als Waisenhausarzt aber unglaublich leichtherzig und beruhigend. Während auch Marisa Paredes, Eduardo Noriega und eine unglaublich beeindruckende Irene Visedo hervorragendes leisten. Die beste Vorstellung liefert allerdings Junio Valverde als Geist, Santi, dessen Verwundbarkeit an die Universal Monster von einst erinnert und trotz seines kindlichen Gesichts immer noch schrecklich gruselig rüberkommt.

Obwohl der Film sehr geradlinig sowie unkompliziert strukturiert ist, passt dies aufgrund der emotionalen Komplexität und der fehlerbehafteten menschlichen Beziehungen bestens zu del Toros Stil. Dem Regisseur, der auf die Grundbedürfnisse des Filmemachens beschränkt ist, gelingt es seinen Einfallsreichtum und seine Leidenschaft auf packende Art und Weise auf die Leinwand zu übertragen. Der Film ist wunderschön, wagemutig sowie herzzerreißend, und obwohl das Endergebnis für manche Zuschauer etwas zu düster und trostlos geraten sein mag, präsentiert sich der Ausklang vornehmlich logisch, was frischen Wind für einen Film bedeutet, der es nebenbei noch sehr gut versteht seine Zuschauer des Öfteren in Gruseln zu versetzen.

Wicked-Vision Media bringt The Devil’s Backbone im Mediabook (matt mit partiellem UV-Lack) als 3 Disc BluRay- / DVD-Combo mit zwei auf 777 Stück limitierten, verschiedenen Cover-Motiven heraus. Der Film ist klasse, die Qualität der Veröffentlichung super. Das Bild präsentiert sich im 1,85:1 (1080p) Format und macht einen klasse Eindruck, während es beim Ton ebenso nichts zu meckern gibt. Hier stehen die deutsche (DTS-HD Master Audio 5.1) und zwei spanische Spuren (DTS-HD Master Audio 2.0 + 5.1) zur Auswahl, wobei man deutsche oder englische Untertitel zuschalten kann. Die Extras bestehen aus einem 24-seitigen Booklet mit enorm informativem Text von Tobias Hohmann, den beiden Audiokommentaren mit Prof. Dr. Marcus Stiglegger und Dr. Kai Naumann, sowie mit Regisseur Guillermo del Toro, einem Vorwort von und Interview mit Guillermo del Toro, den featurettes „Was ist ein Geist?“ – Making of ‚The Devil’s Backbone‘, Hinter den Kulissen von ‚The Devil’s Backbone‘, Making of ‚The Devil’s Backbone‘, „Von Geistern und Faunen“ – Del Toros ’spanischer Bürgerkrieg‘, Die Spezialeffekte; Geschnittene Szenen (mit optionalem Regiekommentar); Storyboards; US-Teaser; dem Originaltrailer; dem deutschen Trailer und einer Bildergalerie. Insgesamt handelt es sich bei The Devil’s Backbone um eine äußerst gelungene Mediabook-Edition, die für alle Filmliebhaber ganz bestimmt interessant sein sollte.

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Darsteller: Frederico Luppi, Marisa Paredes, Eduardo Noriega, Fernando Tielve, Inigo Garces
Regisseur: Guillermo Del Toro
Format: Blu-ray
Untertitel: Deutsch, Englisch
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Wicked-Vision Media
Produktionsjahr: 2001
Spieldauer: 108 Minuten

Diese Edition wurde uns freundlicherweise von Wicked-Vision Media zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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