The Devil’s Mirror / Feng Lei Mo Jing

The Devil's Mirror

Der Golden Lions-Clan um Chief Wen (Ching Miu) und Sohn Wen Jianfeng (Liu Tan) hat den Bai-Clan um Bai Tian Xiong (Wang Hsieh), dessen Tochter Bai Xiaofang (Shu Pei-Pei) und Deputy Leng Yun (Tung Lam) zu einem Treffen eingeladen. Hier bespricht man die Bedrohung durch die Jiuxuan-Hexe (Li Chia-Chien) und ihren Bloody Ghouls Clan. Diese nutzt die Gunst der Stunde, ihre Kämpfer zur Residenz des Bai-Clans zu schicken, um dort einen magischen Spiegel zu stehlen. Zwei von ihnen werden auf der Flucht getötet, tragen jedoch Insignien der Golden Lions bei sich. Ein geschickter Schachzug, um die beiden Clans gegeneinander auszuspielen. Denn ihr erklärtes Ziel ist es, den Golden Lions um den ihren Spiegel auch noch zu erleichtern, da sie beide Stücke benötigt, um an ein sagenumwobenes Schwert zu kommen, mit dem sie dann die Martial Arts World beherrschen kann. Tian Xiong ist bei seiner Rückkehr aufgebracht ob deren Hinterhältigkeit, während seine Tochter Xiaofang nicht an solch eine List der verbündeten Familie glauben mag. Was Vater und Tochter nicht wissen, ist, dass Leng Yung einen Pakt mit der Hexe geschlossen hat. Als nun Jianfeng am Tor des Bai-Clans steht, empfängt ihn Leng Yung mit einer Übermacht bewaffneter Kämpfer. Nur das beherzte Eingreifen Xiaofangs kann ihn retten. Gemeinsam wollen sie den Plan der Jiuxuan-Hexe aufdecken…

The Devil's Mirror

Im Jahr 1972 zu einer Zeit entstanden, als der große Chang Cheh die Martial Arts-Produktionen der Shaw Brothers Studios dominierte und ein gewisser Bruce Lee sich anschickte, durch seine wenigen, aber immens erfolgreichen Kung-Fu Filme das Eastern-Kino grundlegend zu verändern, mutete The Devil’s Mirror als Vertreter des klassischen Wuxia schon überholt an. Die Geschichte um zwei Clans, magische Spiegel und einer bösen Hexe würde man als Shaw-Fan eher in einer Periode gut fünf Jahre früher verorten. Fünf hört sich erst einmal nach keiner langen Zeitspanne an, aber für asiatische Fließbandproduzenten, die kurzlebige Trends bedienten, war das in einer Zeit ohne Fanzines, Video-Auswertung oder gar das kollektive Gedächtnis des Internets schon eine halbe Ewigkeit. Zwischen Chang Chehs bluttriefenden Männer-Abenteuern, die hier schon die Grundlage für die Heroic Bloodshed Krimis der späten 80er legten, und den aufkommendem Handkantengekloppe des Kung Fu Films mutete The Devil’s Mirror sicherlich erst einmal reichlich altbacken an. Wobei erwähnt sei, dass die Wuxia-Filme bereits ab Mitte der 70er durch die Filme Chu Yuans ein fulminantes Comeback bei den Shaw Brothers feierte und sie bis zum operativen Ende ihres Kino-Zweigs (zugleich waren die Shaw Brothers eines der größten TV-Studios Hongkongs) begleiten sollten.

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Und natürlich bietet The Devil’s Mirror all die Ingredenzien, die das Herz des Wuxia-Fans höher schlagen lassen: sich argwöhnisch beäugende Clans im Nirgendwo des bergigen Hinterlands; in Persona der Hexe eine böse Macht, die alles und jeden unterwerfen will; magische Artefakte; eine Legende; eine (sehr, sehr zurückhaltende) Romanze; und natürlich Wire-Fu gestützte, teils recht blutige Schwertkampf-Action. Die Locations gestalten sich, ganz Shaw-typisch, abwechslungsreich. Die schönen Interieurs der Clan-Festungen entstanden in den Studios von Movietown, auch eine dunkle, sehr expressiv ausgeleuchtete Höhle als Unterschlupf der Hexe darf nicht fehlen. Dazu gesellen sich verschiedene Szenen unter freien Himmel, die eindrucksvoll das damals noch vorhandene weitläufige und bergige Hinterland Hongkongs nutzten. Der große Showdown findet schließlich in der Grabstätte eines lange verstorbenen Feldherrn statt, welche mit Säulen verziert und einem mit Feuertöpfen ausgeschmückten Graben um das aufgebahrte Skelett in der Mitte des Raumes ausgestattet ist. Das Auge isst ja schließlich mit.

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Mit einer Lauflänge von unter 90 Minuten schreitet die Story um die beiden Spiegel flott voran. Der Konflikt ist schnell etabliert, die Fronten sind schnell erhärtet. Jianfeng und Xiaofang bündeln ihre Kräfte, gehen aber erst einmal getrennte Wege. Im Mittelteil muss sich die Tochter des Clanführers mit ihrem Vater und seinem blinden Vertrauen in Berater Leng Yun auseinandersetzen. Letzterer, so erfahren wir, ist nur ein entfernter Verwandter (den sie „Onkel“ nennen muss), der in Geldnot Unterschlupf und Arbeit bei Tian Xiong suchte. Und, wie schon erwähnt, ein linkischer Intrigant ist. In der Zwischenzeit macht die Hexe Jagd auf Jianfeng, um ein Druckmittel gegen seinen Vater, der den zweiten Spiegel versteckt hält, in der Hand zu haben. Es gelingt ihren Schergen auch, ihn festzusetzen. Dadurch wird Xiaofang tatsächlich zur vorübergehenden Heldin der Geschichte erhoben, die nun nicht nur der Falle Leng Yuns entkommen, sondern auch Jianfeng aus den Fängen befreien muss. Am Ende bündeln die Clans wieder ihre Kräfte, um die Jiuxuan-Hexe, die drauf und dran ist, die Martial Arts World zu unterjochen, in einem großangelegten Finale endgültig zu besiegen.

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Die Figuren in The Devil’s Mirror kommen über Stereotypen nicht hinaus. Xiaofang und Jianfeng zeichnen sich durch ihre Rechtschaffenheit und ihren Mut aus. Chief Wen ist ein alter Mann und eher passiv veranlagt (weswegen die Hexe sich wohl auch gute Chancen ausrechnet, per Erpressung an seinen Spiegel zu kommen), während Tian Chiong eher aufbrausend daherkommt, aber auch der beste Kämpfer unter den Protagonisten darstellt. Er führt auch die coolste Waffe, ein kunstvoll geringeltes Zepter. Leng Yun ist dann der typische Verräter, er ist der Mann mit den zwei Gesichtern, der seinen Herrn Lügen eintrichtert, während er sich der Hexe unterwirft. Die Jiuxuan-Hexe stellt die interessanteste Figur des Ensembles dar. Sie trägt ein Amulett als drittes Auge auf der Stirn und macht sich Leng Yun mit der Aussicht auf Sex (oder, im Falle des Versagens, Tod) gefügig.

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Ihre Elite-Kämpfer, die sie aussendet, um den Spiegel des Bai-Clans zu stehlen und später Jianfeng gefangen zu nehmen, hat sie anscheinend aus den Reihen der Golden Lions zwangsrekrutiert (es gibt da einige Andeutungen), indem sie sie mit einem Fluch belegt hat. Dieser beschert ihnen unappetitliche, lilane Narben im Gesicht, die potenziell zum Tod führen und nur durch einen Trank der Hexe im Zaum gehalten werden können. Ihr übriges Gefolge im Bloody Ghouls Clan scheint ihr hörig, aber dadurch scheinbar auch unfähig, eine Meisterschaft der Kampfkunst zu erlangen.

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Actiontechnisch gibt es mehrere kleine Scharmützel im Schwerkampf zu bewundern, die im weiteren Verlauf des Films gerne mal durch den Einsatz von Wire-Fu und Trampolinen aufgepeppt werden. Der Gewaltgrad ist anfangs noch eher zurückhaltend, steigert sich aber stetig (u.a. darf auch mal ein Kopf abgeschlagen werden), bis im Finale das Blut ordentlich spritzt. Die Choreographie gestaltet sich nicht herausragend, aber durchgehend auf gutem Niveau. Die Kameraführung wirkt häufig ein wenig statisch, weiß aber mit einigen kreativen Einstellungen und schönen Landschaftsaufnahmen dennoch zu gefallen und verliert in den Kämpfen, auch im Finale, nie die Übersicht. Da das Drehbuch gleichsam auf seine Intrigen-Plotte wie auch die anberaumten Kämpfe setzt, geht das absolut in Ordnung.

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Für Regisseur Sun Chung stellte The Devil’s Mirror seinen Einstand als Action-Regisseur bei den Shaw Brothers dar. Er begann seine Karriere in seiner Heimat Taiwan und erwies sich nach seinem Umzug nach Hongkong und ins Movietown der Shaw Brothers im Folgenden als einer der kreativsten Filmemacher des Studios. Er arbeitete mit fast allen Stars des Studios und bescherte Fans während seiner zwanzigjährigen Schaffensphase einige großartige Klassiker, u.a. The Bloody Escape, Die Tigerin von Hongkong, Lady Exterminator, Der Schrei des gelben Adlers, Die grausame Rache der Shaolin oder Chun Fang – Das blutige Geheimnis.

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Mit der Wuxia-erfahrenen Shu Pei-Pei (The Sword of Swords, The Magnificient Swordsman) in der Hauptrolle gut besetzt, erweist sich Kollege Lau Dan als solide, genauso Veteran Ching Miao als sein Vater Chief Wen. Li Chia-Chien gibt eine passable Hexe ab. Aber der damals vielbeschäftigte Wang Hsieh (Heads for Sale, The Lady Hermit) als Tian Xiong und Tung Lin (Intimate Confessions of a Chinese Courtesan, Regen in den Bergen) als Leng Yun sorgen dafür, dass gerade die Geschehnissen im Bai-Clan stets spannend bleiben.

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Alles in allem bietet The Devil’s Mirror gediegen spannende, wie auch optisch gefällige Wuxia-Unterhaltung, die schnell ihren Rhythmus findet und aufgrund der gut erzählten Geschichte und der wohl dosierten Action zu keiner Sekunde langweilt. Zu seiner Entstehungszeit war der Film sicherlich schon eher altmodisch, zumal Anfang der 70er Frauen als Kämpferinnen nicht mehr so im Mittelpunt standen wie in der Hochzeit der Wuxia in den 60ern. In den Filmen von Chang Cheh etwa waren sie meist nur schmückendes Beiwerk und sollten auch ab dem erneuten Aufkommen des Wuxia-Kinos ab Mitte der 70er keine nennenswerte Rolle mehr spielen. Erst nach der Reformation des Genres in den 80ern durch etwa Shing Tsiu-Tung (A Chinese Ghost Story 1-3) änderte sich das allmählich wieder.

The Devil's Mirror

Leider ist The Devil’s Mirror nur sehr schwer erhältlich. Bis auf (vergriffene) DVDs von Celestial Pictures aus Hongkong und Taiwan sind mir keine weiteren Veröffentlichungen bekannt.

The Devil's Mirror
Darsteller: Shu Pei-Pei, Lau Dan, Li Chia-Chien, Wang Hsieh, Tung Lin, Ching Miao 
Regisseur: Sun Chung
Format: Shaw Brothers Collection, Widescreen
Sprache: Mandarin (Dolby Digital 1.0)
Untertitel: Englisch, Chinesisch (traditionell)
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
Studio: Celestial/IVL
Produktionsjahr: 1972
Spieldauer: 87 Minuten

Thomas

Thomas ist Filmfan von kleinauf. Aus dem hohen Norden Deutschlands beobachtet er das Geschehen auf dem B-Filmmarkt stets interessiert. Als Autor begleitet der Chefredakteur von Badmovies.de dazu einige Veröffentlichungen mit seinen Texten oder widmet sich gleich ganzen Filmemachern oder Filmreihen in Buchform.

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