The Fortress

The Fortress - nanhamsanseong

The Fortress (Namhansanseong) ist ein koreanischer Historienfilm von 2017. Die chinesische Armee der Qing Dynastie marschiert im Winter 1636 nach Joseon (heutiges Nordkorea) ein und belagert die Festung Nanhamsanseong, auf die sich der koreanischen König Injo, derzeitiger Throninhaber der Joseon Dynastie, und verbündeter der rivalisierenden Ming Dynastie mit seinen Truppen zurückgezogen hat. Der zahlenmäßig und technologisch überlegene Feind zieht die Schlinge enger, testet die Verteidigungslinien der hungernden und frierenden Wachregime aus, während der König mit seinen Beratern und Ministern abwägt ob man zum Gegenangriff antritt, kapituliert oder das Bündnis wechselt und dem Khan der Qing die Treue schwört. Eine aussichtslose Situation, die mancher intrigierende Minister schamlos dafür ausnutzt, Rivalen am Hofe des Königs zu übertrumpfen. Der zögerliche Regent setzt zunächst auf Verstärkung aus dem Süden der Halbinsel, doch als auch diese ausbleibt… muss er seine Führungsstärke unter Beweis stellen.

The Fortress - nanhamsanseong

Viele Kritiken haben dem Film den Wechsel aus kurzen brutalen Actionsequenzen und langatmigen Episoden zu Hof negativ angelastet. Ja, das bremst den Film etwas, der damit durchaus gleichsam Spannung aufbaut und illustriert wie abgehoben der Adel agierte, aber es wäre auch ohne diese Kombination kein reinrassiger Actionfilm geworden. Da müsste man sich bei ähnlichen Filmen umsehen wie z.B. The Great Battle (derzeit auch bei Amazon Prime). The Fortress ist ein akribisches Historiendrama, kein Schlachtenepos. Wenn man sich damit abgefunden hat, offenbart sich ein mitreißender Film mit viel Tiefe und Untertönen.

The Fortress - nanhamsanseong

Der Film zeigt wunderschöne schlichte Bilder, bietet einen sehr soliden Soundtrack von Oscar-Preisträger Ryuichi Sakamoto (The Revenant, Femme Fatale), der sich aber sehr zurückhält, und großartige schauspielerische Leistungen. Teilweise schweift der Film etwas ab oder schwelgt zu sehr in einzelnen Riten und Problemen, aber das macht er konstant. Der Film zieht das bis zum Ende durch: es ist kein halbgares Belagerungsdrama oder politisches Melodram, sondern konstant eine ehrliche Befassung mit Ehrlichkeit, Ruhm und Kapitulation, Unterwerfung und Loyalität. Zentraler Schauplatz des Film ist nicht das Schlachtfeld, oder die Festungsmauern, sondern der Thronsaal des Königs, in dem er mit seinen Beratern erbitterte Debatten führt über die zu treffenden Entscheidungen. Dabei wird klar, dass viele Berater sehr abgehobene Ideen von Ehre und Tradition haben, andere Minister schnell ans Messer liefern würden, und eher sich selbst, dem Adel, bzw. der Krone, als dem Volk verpflichtet sehen.

The Fortress - nanhamsanseong

Die Festung Namhansanseong, heute Weltkulturerbe, ist – anders als bei einigen der bekannten chinesischen Historienepen (z.B. Hero von Zhang Yimou), hier weder optisch noch inhaltlich vermittelt ein Symbol der Stärke oder wirklicher Zufluchtsort, sondern eigentlich ein Exil bzw. sogar eine Falle. König Injo kann hier weder die Belagerer überdauern, noch sie bezwingen, oder sie irgendwie militärisch abschrecken. Seine Untertanen erfrieren an den Festungsmauern, die Leute hungern und die Invasoren sind seiner Armee zahlenmäßig und technisch weit überlegen. Abgeschnitten vom Rest des Landes (im Süden stehen andere Armeen die ihm eigentlich beistehen könnten) muss er dort ausharren, und steht zwischen der Wahl zu kämpfen, oder zu verhandeln.

The Fortress - nanhamsanseong

Für Regisseur Dong-hyuk Hwang (Silenced) war es der nur vierte Spielfilm, doch er beweist hiermit dass er in prachtvollen Bildern und dialogstarken Sequenzen ein überzeugendes Historien-Epos stemmen kann, unterstützt von einer Besetzung die bis in die Nebenrollen sehr gut zu begeistern weiß. Ein spannender, gelungener und ausgewogener Film, wenn auch möglicherweise nicht das Actionspektakel dass sich die Zuschauer erwarten würden – bzw. die Vorschaubilder suggerieren.

Die BluRay bietet keine weiteren Extras außer dem Intro mit Cast und Regisseur, sowie einigen Trailern und einem kurzen Making-Of. Der Ton liegt in einer deutschen Synchronfassung sowie in Koreanisch (getestet) vor, jeweils nur DTS-HD MA 5.1 – aber da der Film ohnehin sehr behutsam ist, frage ich mich wie viel mehr eine 7.1 Abmischung beispielsweise zu vermitteln vermocht hätte. Der Ton klingt sehr gut und der subtile Score kommt perfekt zur Geltung. Es gibt optionale deutsche Untertitel. Das Bild sieht prächtig aus, der bedrückende Farbton überzeugt und die feinen Kontraste und die gute Schärfe lassen kaum zu Wünschen übrig.

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The Fortress

Die BluRay wurde uns freundlicherweise von Koch Films zur Verfügung gestellt.

 

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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