The Fortune Cookie

Der Glückspilz (The Fortune Cookie) ist eine Komödie von 1966 aus der Werkstatt von Billy Wilder (Extrablatt). Der Film handelt von dem Kameramann Harry Hinkle (Jack Lemmon), der am Spielfilmrand eines Footballspiels von einem Spieler umgerannt wird, aber ohne größere Verletzungen im Krankenhaus aufwacht. Doch sein zwielichtiger Schwager Willie Gingrich (Walter Matthau), ein kleinkalibriger Unfallanwalt, wittert das große Geld und lässt verkünden wie schlecht es ihm ginge. Er will alle verklagen, den Stationbetreiber, den TV-Sender, das Footballteam, die Liga…. widerwillig spielt Harry mit und muss zusehen, wie sein Schwager eine großangelegte Täuschung inszeniert, der die Anwälte der Gegenseite versuchen auf die Schliche zu kommen. Dafür spannen sie auch den Privatdetektiv Purkey (Cliff Osmond) ein, mit dem Willie schon des öfteren zu tun hatte. Der Schwager fährt auch die alte Flamme bzw. Ex-Frau Sandy (Judi West) seines pseudo-verletzten Verwandten auf, winkt mit dem großen Geld und denkt an alles. Doch die Gewissensbisse könnten die Aktion letztlich zum Scheitern bringen….

Der Film ist lang, zu lang. Wilder lässt sich hier unglaublich viel Zeit mit seiner Moralpredigt. Das ganze ist verflixt gut und detailliert, herrlich gespielt natürlich, aber eben auch echt zäh. Das ist die Schattenseite des Meisterregisseur-Daseins: das Studio lässt einen mitunter tun was man will, das muss nicht immer gut sein. Jemand hätte sagen sollen Billy, lass uns 30min loswerden, das wird dem Film nicht schaden. Hatte wohl keiner den Mumm, zu widersprechen, ähnlich wie Harry Hinkle seinem Schwager Willie, ein skrupelloser Vielschwätzer mit gierigen Absichten, dem es weniger um Harry geht als um das Geld.

Wilder zeigt hier wie einfach ihm eine solche Parabel von der Hand geht. Alles was er braucht ist letztlich sein Traumduo Matthau-Lemmon, und ein Drehbuch gewürzt mit Sprachakrobatik dass einem der Kopf schwirrt. Man fühlt sich an The Apartment erinnert, und überhaupt passt die Story natürlich wunderbar in das Wilder Universum. Eine kleine Seele in der großen Welt, die Hoffnung es mit ein wenig Trickserei doch nicht auch ganz groß zu schaffen, eine Moral der Geschichte, eine verflossene Liebe, etwas Tragik – fertig ist das Wildersche Drama. Eine besonders interessante Komponente finde ich ist in dieser Geschichte die Rolle des Sportlers Luther „Boom Boom“ Jackson (Ron Rich) der unfreiwillig Teil der Abzocke wird, und von Schuldgefühlen geplagt, weil er ja glaubt er habe den armen Harry in den Rollstuhl befördert, sich um diesen kümmert. Wilder komplettiert seine Moralgeschichte also mit einer weiteren Dosis Unschuld, hier nicht vollständig aber nach meinem Empfinden weitgehend ohne Rassismus zu thematisieren. Ganz das Gegenteil Harrys Exfrau…..

Die BluRay bietet recht solides Bild (der Film ist s/w), das sein Alter nicht verbergen kann aber deutlich besser aussieht als z.B. das von Ariane. Man bekommt den Originalton (getestet) und auch die deutsche Synchro, sowie Untertitel ebenfalls auf Deutsch und Englisch. Das ganze klingt total in Ordnung, ist aber auch in erster Linie ein Dialogfilm der in wenigen Locations spielt. Extras gibt es quasi keine, man kann den Film allerdings mit der isolierten Filmmusik ansehen (wer macht das eigentlich). Auch der Originaltrailer liegt bei.

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Die BluRay wurde uns freundlicherweise von Koch Media zur Verfügung gestellt. Die Screenshots sind von der Twilight Time.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

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