The Hills Have Eyes

The Hills Have Eyes

The Hills Have Eyes (Hügel der blutigen Augen) ist ein Horrorklassiker von Wes Craven aus dem Jahr 1977. Der Film, der maßgeblich das Kannibalen- bzw. Hinterwäldler-töten-Reisende-Genre geprägt hat, war erfolgreich genug, diverse Fortsetzungen hervorgebracht zu haben, sowie unterhaltsame Remakes aus den 2000er Jahren.

Der Film handelt von dem Rentner Big Bob Carter (Russ Grieve), ehemalis Polizist, der mit seiner Frau Ethel (Virginia Vincent), den Kids Bobby und Brenda (Susan Lanier) und deren besserer Hälften Lynne (Dee Wallace), inklusive Enkelkind und Hund, auf dem Weg nach Kalifornien ist. Entgegen der Warnungen eines Tankstellenwarts (John Steadman) fahren sie eine vermeintliche Abkürzung durch ein ehemaliges Militärgelände. Als sie von der Straße abkommen, steckt das Wohnmobil fest und Big Bob, sowie Doug (Martin Speer) und sein Sohn Bobby (Robert Houston) machen sich in verschiedene Richtungen auf, um Hilfe zu holen, während einige der Kids und die Frauen beim Wagen bleiben. Als die Nacht hereinbricht, werden sie zur Zielscheibe von ganz und gar garstigen Wüstenbewohnern (u.a. Michael Berryman, James Whitworth, Lance Gordon, Janus Blythe und Cordy Clark) und müssen fortan ums Überleben kämpfen….

The Hills Have Eyes

Bewaffnet mit nur einer vagen, aber recht positiven, Erinnerung an das gleichnamige Remake (Regie Alexandre Aja, von 2006) machte ich mich auf, diese Lücke in meiner Filmbindung nun endlich zu schließen. Denn ich war mir ziemlich sicher, diesen Film noch nie gänzlich gesehen zu haben. Also eine Premiere. Daevid hat den Film und die Scheibe ja auch vor einer Weile schon mal besprochen, daher halte ich das hier auch einigermaßen kurz.

„Stay on the main road!“ ruft der Alte man ein letztes mal den werdenden Opfern hinterher. Also sie wurden ja gewarnt, und während das vor allem zu Beginn des Genres noch direkt oder indirekt gebräuchlich war, hat natürlich heute auch Einzug gehalten, dass Opfer nicht gewarnt werden was auf sie zu kommt. Das Genre funktioniert nämlich nach den alten Regeln des Fantasy-genres: there be dragons – es gibt Gegenden die sind gefährlich und wer sich dort hinbegiebt hat selber Schuld. Ob nun The Texas Chainsaw Massacre, Wrong Turn oder Haus der 1000 Leichen, den ich überigens sehr mag, das Kinopublikum hat einen fortdauernden Appetit nach wahlweise dummen Teenagern oder nichtsahnenden Familien, die mit verlässlicher Regelmäßigkeit sich in die amerikanischen No-Go-Areas verlaufen um dann grausam und unterhaltsam ermordet zu werden.

The Hills Have Eyes

The Hills Have Eyes is nun selbst erstmal kein Meisterwerk, und dafür ernte ich sicher Schelte. Der nur drei Jahre vorher erschienene Genrevertreter mit der Kettensäge ist ganz objektiv betrachtet ein bei weitem besserer, wirksamer und wertvollerer Film. Aber, das muss man Craven zu Gute halten, er hat das Genre hier sehr stilsicher erweitert und viel Kreativität an den Tag gelegt mit den Ängsten des Publikums zu spielen. Einige Jahre nach seinem Debut Last House on the Left war er auf dem besten Wege in den Olymp der Splatter-Regisseure. Vieles an dem Film ist bis heute grob und auch unappetitlich, aber richtig schocken kann der Film nicht mehr, außer vielleicht in seiner Garstigkeit und weil das viele Gekreische wirklich extrem nervt (nicht nur akkustisch). Aber ansonsten ist alles an Zutaten vorhanden: der dumme Preppie, ein Hund, Kannibalen, Rivalität unter Kannibalen, die böse Regierung, Atomwaffen, Klapperschlangen, kaputte Autos und fiese Kills.

The Hills Have Eyes

1985 dreht Craven eine Fortsetzung, die ich glaube ich aber auch noch nicht gesehen habe. Beim Remake war er Mitproduzent, und auch davon gibt es ein Sequel bei dem er involviert war. Für alle jüngeren Leser – das kommt gleich nochmal bei der Bluray-Besprechung: als der Film in Deutschland das erste mal ins Kino kam, machte man aus den verstrahlten Kannibalen kurzerhand Aliens. Es sollte eine weile dauern bis es dann doch noch eine Synchronfassung geben sollte, bei der man inhaltlich wieder zum Original zurückkehrte.

Unterm Strich fühle ich mich bei meinem Eindruck von dem Film doch recht gut bestätigt, wenn man so links und rechts guckt nach anderen Kritiken, dem IMDb-Durchschnitt und so weiter dürfte man aus heutige Betrachtung gut sagen dass der Film Kultstatus hat, wertvolle Filmgeschichte geschrieben hat und viel Einfluss hat – bis heute – aber selbst nicht genug Qualität mit sich bringt um als Meisterwerk oder gar sehr guter Film zu gelten. Dafür ist die schauspielerische Leistung ein klein wenig mager und vieles ein wenig zuplausibel, aber das liegt natürlich auch ein klein wenig am Alter des Films und der heutigen Betrachtung. Für Craven war es aber ein wichtiger Schritt hin zu späteren Werken, etwas schade nur dass er eine Abbiegung in Richtung des Teenie Slashers genommen hatte, sein wahrer Erfolg ist letztlich A Nightmare on Elm Street und später Scream.

The Hills Have Eyes

Doch nun zur BluRay. Der Grund warum ich überhaupt endlich über den Film herfalle ist die Standard-Edition von Turbine (seit 8.10. im Handel), die BluRay und 4K UltraHD BluRay in der etwas preiswerteren Standardausgabe ohne Schmuck und Trallala bringt, für alle die sich nicht vor geraumer Zeit mit umfangreichen limitierten Mediabook-Sammlereditionen ausgestattet haben oder auch nicht aus dem Ausland importieren wollen (da ist von Arrow Video zum Beispiel auch was im Anmarsch). Auf Amazon ist diese leider aktuell nicht gelistet aber guckt mal im Turbine Shop. Für diese Besprechung nehme ich die UHD zur Grundlage, regelmäßige Leser wissen aber vielleicht dass ich dafür nur so halb ausgerüstet bin.

Bei der Tonspur (Englisch getestet) hat man die Wahl zwischen eines 7.1 Upmixes (der klingt OK aber man muss im Sinne der Dialoge schon ordentlich hoch drehen), sowie dem 2.0 Mono Original und einem 2.0 Stereo. Letzterer klingt etwas angenehmer aber gedämpfter , während der Original-Track etwas unangenehm laut und rauschend ist. Man hat also irgendwann ein wenig überarbeitet und dabei aber am Original nicht zu viel gefriemelt außer ein wenig für Stereoanlagen fit zu machen. Es ist letztlich Geschmacksache. Die 7.1 Spur lohnt eigentlich nicht, außer bei Action und Musik, da hat man dann etwas mehr Ramazamba, aber das Material gibt einfach nicht viel her. Mein Favorit ist die 2.0 Stereo-Spur, das passt gut und ist ausreichend dynamisch für das Heimkino-Erlebnis ohne zu viel am Original zu verfälschen, hier rauscht kaum was und auch bei dem oben schon bemängelten Gekreische in manchen Szenen kriegt man nicht gleich Trommelfellschaden. Die Synchronfassungen habe ich nicht getestet, aber es sei positiv erwähnt dass man hier sämtliche Optionen zur Auswahl hat, für wenn man an sowas Interesse hat: die werkgetreue Synchro in 5.1 oder eine 2.0 mono Spur der alten „Alien-Synchro“, sowie Untertitel zu beiden Synchros passend, aber optional auch englische Untertitel.

The Hills Have Eyes

Das Bild bietet sehr guten Kontrast und Schwarzwerte und sieht damit auch noch in dunklen Szenen gut aus, doch die Schwäche des Materials zeigt sich natürlich deutlich: so mangelt es an Auflösung und Schärfe ,und das Bild zeigt schon sehr deutliches Grieseln, Flackern oder gar mal Schäden und Streifen. Unterm Strich aber sieht das so sehr authentisch und sehr gut aus, auch wenn man berücksichtigt dass es zwar ein aufwendiger 4K Scan ist, dafür aber nicht das 16mm Originalmaterial zur Verfügung stand (16mm ist auch nicht das allerbeste Material für sowas), sondern ein 35mm-Negativabzug, den man 2017 hier restauriert hatte (lief auch kurzzeitig in Kinos). Das Bild hatte man erstmas dann auch farbkorrigiert und davon profitieren heir vor allem auch Besitzer von HDR-kompatiblen Geräten. Bei BluRay Rezensionen gibts auch einen Bildvergleich.

Extras sind auf der UHD keine enthalten, aber auf der beiliegenden BluRay Version gibt es eine Reihe interessanter dreingaben, die es sehr gut verschmerzbar machen dass man sich keine teurere Sammleredition geholt hat. Da wäre zu meinen der Audiokommentar mit Wes Craven und Peter Locke, ein ruhiger, informativer und auch unterhaltsamer Kommentar für Fans, aber da beide eine sehr ruhige Stimme haben auch en wenig einschläfernd wenn man sich nicht brennend für die Details interessieren sollte. Dann gibt es das alternative Ende (11min) in OmU, das ich jetzt aber nicht drastisch anders empfand. Jede Menge Schnittmaterial (18min) liegt außerdem bei, man wundert sich fast ein wenig dass Craven nicht doch mal eine erweiterte Fassung nachgeliefert hat. „The Hills Have Eyes – Ein Blick zurück“ ist eine Interview-Dokumentation mit vielen Beteiligten (54min) von Perry Martin aus dem Jahr 2003, sie lag auch schon beispielsweise der alten Anchor Bay DVD bei. Außerdem gibt es noch Trailer und TV Spots, ein Interview mit Michael Berryman (14min) und den Originaltrailer zum Sequel.

Also vielleicht ergattert ihr noch eines der im Juli erschienenen und bereits vergriffenen Mediabooks, ansonsten findet ihr das hier ab 19. November bei Amazon (oder im Turbine Shop).

Die UHD und BluRay wurden uns zur Verfügung gestellt. Screenshots via HiDefdigest

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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