The Northman

Jahre sind vergangen, seit Wikingerkönig Aurvandil (Ethan Hawke) bei einem Anschlag hinterrücks ermordet wurde. Sein Sohn Amleth (Alexander Skarsgård), der als Kind Zeuge der blutigen Tat war, kehrt körperlich gestählt nach Island zurück, fest entschlossen, unbarmherzig Vergeltung zu üben, seine Mutter Gudrun (Nicole Kidman) zu retten und den Mörder Fjölnir (Claes Bang) zur Rechenschaft zu ziehen. (Universal Pictures)

Regisseur Robert Eggers dreht gerne düstere Filme über den Wahnsinn und die Magie der Welt. Mit The Witch (2015) und Der Leuchtturm (2019) konnte er seine Vision auf die Leinwand bringen und dabei Budgets sowie Erwartungen niedrig halten. Für The Northman wurden dem Regisseur erhebliche Ressourcen geboten, um seinen Traum von einem Wikinger-Epos wahr werden zu lassen. Endlich konnte er Visualisierungen verwirklichen, die man für großes Geld kaufen kann und eine illustre Besetzung engagieren. Eggers weicht dabei jedoch nicht weit von seinen filmischen Interessen ab, indem er zum Dreck und Blut verschärfter Konflikte zurückkehrt. Er kreiert einen historischen Film, der Geschichtsschreibung respektiert sowie Mythologie integriert und macht aus The Northman ein großes Kinoereignis (gemeinsam mit Co-Autor Sjón), allerdings zu seinen eigenen Bedingungen. Der Film ist gewalttätig, laut und scheut sich nicht unangenehm zu werden, während der Regisseur versucht sein Publikum 135 Minuten lang in einem Zustand von psychischer Unruhe zu halten. Eine Aufgabe, die Eggers in dem Prozess ein brutales Seherlebnis zu erschaffen, ziemlich fordert.

Amleth (Alexander Skarsgard) ist Königin Gudruns (Nicole Kidman) Sohn und froh seinen Vater König Aurvandill (Ethan Hawke) willkommen heißen zu können, als der von diversen Raubzügen nach Hause zurückkehrt. Der König genießt es wieder bei seiner Familie zu sein, doch Gefahr lauert dort, wo er sie am wenigsten vermutet. So wird er dann auch ziemlich bald von Männern ermordet, die seinem Bruder Fjolnir (Claes Bangs) treu sind. Amleth (noch ein Jüngling) gelingt es den Häschern seines Onkels zu entwischen und sich im Laufe der Jahre zu einem Furcht erregenden Wikingerkrieger zu entwickeln, der mit seiner animalischen Seite in Berührung steht. Voller Wut über den Tod seines Vaters hatte Amleth bereits als Kind Rache geschworen und verbirgt nun seine wahre Identität, um Fjolnir und dessen Frau Gudrun auf Island als Sklave zu dienen. Dort bändelt er mit der slawischen Sklavin Olga (Anya Taylor-Joy) an und macht sie mit seiner geheimen Mission vertraut, Fjolnir ermorden zu wollen. Mit Hilfe eines speziellen Schwertes, das nur er beherrschen kann, macht er sich daran seine Rache zu verwirklichen.

The Northman adaptiert die skandinavische Legende von Amleth (von der wiederum William Shakespeares Hamlet inspiriert wurde), wobei der Film auch Elemente aus Die Legende von Beowulf (2007) und Conan, der Barbar (1982) beinhaltet. Inspiration kommt hier allerdings auch noch von anderer Seite, während Eggers hofft die Zuschauerschafft in diese Welt hineinziehen zu können, indem er sich Zeit nimmt die Atmosphäre des Schauplatzes und der Charakterdynamik ausführlich darzustellen. König Aurvandill kehrt nach monatelanger Abwesenheit schwer verletzt (was er vor seinem Gefolge jedoch verbirgt) nach Hause zurück und ist nun bereit seinen Erben, den er sehr liebt, auf kommende Aufgaben vorzubereiten. Folgerichtig wird der König nicht sehr lange im Spiel gehalten und auf grausame Weise aus dem Leben gerissen, wodurch Amleths Flucht ausgelöst wird, welche den Jungen eine dunkle Reise erleben lässt, die ihn zu einer hochmotivierten Tötungsmaschine macht.

The Northman ist als ein feindseliger Film zu bezeichnen, wobei Eggers nicht vor bösartigen Gewalttaten zurückschreckt, indem sich Amleth einem Rachekonzept unterwirft, das die wilde Kreatur in ihm zum Vorschein bringt. Dabei müssen Akte von Mystik und hoher Dramatik durchgearbeitet werden, wobei sich die Produktion am angenehmsten gestaltet, wenn die Dinge gewalttätig sowie blutig gehalten werden, während Amleth erlebt, wie das Leben für einen Sklaven ist, der sich seinem Feind langsam nähert und von diesem nicht erkannt wird. Eggers gelingt es dabei mit durchweg beeindruckendem Kostümdesign und toller Kinematographie eine unglaubliche Atmosphäre zu erschaffen. Besondere Konzentration liegt dabei natürlich auf dem Aspekt der Rachemission, für die Amleth zunächst Energie sammeln muss, um sie überhaupt durchziehen zu können. Außerdem wird dazu altes Wikingerstahl benötigt (das Amleth erstmal in seinen Besitz bringen muss), um seine Feinde damit spalten zu können. Zudem bringt The Northman seinem Publikum nicht nur ein brutales, Hurling-ähnliches Spiel näher, bei dem Amleth seine Kraft und Ausdauer gegen gnadenlose Gegner unter Beweis stellt, sondern auch die Unmenschlichkeit der Religion, inklusive aller Opfer, die sie fordert.

Eggers reichert den Film mit Dreck und Blut an, während die Besetzung stets bestrebt ist Blitz und Donner in theatralischen Rollen zu beschwören, die viel Geschrei und Knurren beinhalten. Anya Taylor-Joy ist an Board, um den Streifen (als Love-Interest für Amleth) etwas zu enthärten, der jedoch in erster Linie Alexander Skarsgard gehört, denn der Schauspieler gibt alles in der Rolle und versteht es dabei bestens eine recht lebendige Darstellung ungezügelter Wut zu kreieren. The Northman stellt zu Zeiten schon ein enormes Unterfangen dar, selbst wenn es sich um ein begrenztes Setting und intime Gedanken dreht, wobei Eggers sein Ding als Filmemacher mit großem Budget macht. Sicherlich bringt er Recherche und Struktur in das Projekt ein, doch das Tempo ist als ungleichmäßig zu beschreiben (was an der Laufzeit zu spüren ist) und es gibt Momente, in denen er zu sehr damit beschäftigt ist seine exquisite Optik scheinen zu lassen sowie zu vergessen, dass es auch noch eine Geschichte zu erzählen gibt, was natürlich den Erzählfluss drosselt. The Northman ist schon als eine besondere Leistung des Regisseurs anzusehen, obwohl er sich hier zu leicht ablenken lässt und unermüdlich daran arbeitet ein immersives Seherlebnis zu erschaffen, dessen dramatische Kraft begrenzt ist, da das Ganze gelegentlich zu nichts anderem als einer sensorischen Darstellung wird.

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Alterseinstufung: Freigegeben ab 16 Jahren
Regisseur: Eggers, Robert
Medienformat: Breitbild
Laufzeit: 2 Stunden und 17 Minuten
Darsteller: Taylor-Joy, Anya, Kidman, Nicole, Hawke, Ethan, Dafoe, Willem, Bang, Claes
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: ‎Deutsch, Englisch
Studio: Universal Pictures Germany GmbH

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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