The Opium Connection / Afyon oppio / The Sicilian Connection

Die Herstellung und der Vertrieb von Opium und dem daraus gewonnen Heroin liegen in den Händen einer verzweigten internationalen Gangsterorganisation. Joseph Coppola, Top-Agent der US-Anti-Drogenbehörde, kämpft mit äußerstem Einsatz für die Ausrottung des mächtigen Syndikats. Sein Auftrag führt ihn von Afyon in der Türkei, wo das Opium hergestellt wird, über Sizilien, wo die Mafia die Heroinherstellung und den Weitertransport in die USA kontrolliert, bis zurück nach New York. Coppola übernimmt zur Tarnung einen Nachtclub und gibt vor, selbst 500kg Rohopium kaufen zu wollen. Wird ihm der Trick gelingen, so an die Hintermänner heranzukommen? (filmArt)

„Was ist das, das Wasser da unten? Das Meer?“, fragt Mafiaboss Don Vincenzo (Fausto Tozzi) beiläufig einen Bestatter. Letzterer ist damit beschäftigt, einen Sarg zu begraben, der nicht nur eine Leiche enthält, sondern auch den noch lebenden, neugierigen Marschall der Carabinieri, der es wagte, das, was wie eine normale Beerdigung aussah (es aber nicht war) mit einer polizeilichen Untersuchung zu stören – das Innere des Verstorbenen enthielt Päckchen mit rohem Morphium. Auf diese geniale Art und Weise werden Drogen von Istanbul nach Sizilien geschmuggelt. „Schon möglich, ich kann mich aber auch täuschen. Interessiert mich nicht, ich bin nicht neugierig“, antwortet der Bestatter unter Don Vincenzos achtsamen und sardonischem Lächeln. Hinter ihnen füllt das weite sizilianische Meer den Horizont.

Der Prolog von The Opium Connection gestaltet sich ebenso grimmig, wie er voll von schwarzem Humor ist, im Einklang mit dem Rest des Films, einem Actioner mit hohem Tempo, der in der Türkei, auf Sizilien und in den USA spielt. Der Streifen ist irgendwo zwischen Terence Youngs Poppies Are Also Flowers (Mohn ist auch eine Blume, 1966) – man siehe die semi-dokumentarischen Sequenzen, die die Ernte und Verfeinerung von Opium zeigen – und The French Connection (French Connection – Brennpunkt Brooklyn, 1971) angesiedelt, mit einem überzeugenden Ben Gazzara als Undercover-Agent auf den Spuren eines Internationalen Drogenrings.

Trotz seines Themas interessiert sich Duilio Colettis Drehbuch weniger für politische Denunzierungen als für Unterhaltung. The Opium Connection bietet seinem Publikum eine überlebensgroße Ansicht der Mafia mit Charakterisierungen, die irgendwie an Pietro Germis groteske Komödien erinnern, wie das Schwitzen von Mafiosi mit Basque und Schnurrbart sowie Frauen, die tagsüber trauern und sich nachts mit Gästen des Hauses im Bett vergnügen. In einer Szene steht Gazzara (an Don Calogeros Tisch) im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zweier Frauen, während beim Mittagessen ein Verführungsspiel zwischen einer Tasse Kaffee und einem Eisbecher stattfindet: Baldi schneidet eine Reihe von Nahaufnahmen von Malisa Longos und José Grecis Mündern zusammen, während sie auf löffelnde Art und Weise Sahne genießen, in einer humorvollen Variation der berühmten Verführungsszene aus Tony Richardsons Tom Jones – Zwischen Bett und Galgen (1963).

Darüber hinaus bringen Coletti und Baldi einige amüsante Ideen ein, wie zum Beispiel ein Heroinlabor, das unter einem zerstörten Kloster versteckt ist (den Chemiker mimt Genre-Stammgast Luciano Rossi) oder eine rasante Schießerei in einem abgedunkelten Restaurant. Die Idee, Heroin in Leichen zu schmuggeln, sollte auch noch in anderen italienischen Kriminalfilmen aufgenommen werden, nämlich in Luigi Vanzis Piazza Pulita (1931 – Es geschah in Amerika, 1973) und Andrea Bianchis abgründigem Quelli che contano (Die Rache des Paten, 1974).

ACHTUNG SPOILER !!!

Andererseits ist das Ende, in dem Gazzara an einem regnerischen Tag in New York City kurz vor dem Abspann mitten auf einer überfüllten Straße von einem unsichtbaren Scharfschützen erschossen wird, keine Vorwegnahme des düsteren Pessimismus der poliziotteschi, sondern eine willkürliche, spöttische Anmerkung, die den zynischen Ansatz des Films weiter unterstreicht.

Die Besetzung ist als erstklassig zu bezeichnen: neben einem recht überzeugend auftretenden Ben Gazzara an der Spitze versammelt Baldi eine Reihe von erfahrenen Charakterdarstellern, die in Kriminalfilmen der damaligen Zeit immer wieder auftreten würden, wie Fausto Tozzi, Luciano Catenacci, Bruno Corazzari und Corrado Gaipa, der einen denkwürdigen Mafia-Boss verkörpert, der in einer Szene ein Kreisdiagramm auf einer Tafel zeichnet, um Gazzara zu erklären, wie hoch sein Anteil sein wird, so als wäre er ein Mathematiklehrer. Jess Hahn (Am Abend des folgenden Tages, 1969) übernimmt auch eine kleine Gastrolle.

Mit der Nummer siebzehn ihrer Polizieschi Edition The Opium Connection ist filmArt eine recht gute Veröffentlichung gelungen. Der Film stellt zwar keinen Meilenstein des Genres dar, ist aber sicherlich zu den besseren mittelmäßigen Vertretern zu zählen und kommt als ansprechend gestaltete Blu-Ray / DVD Combo mit Wendecover daher. Die technischen Daten (Bild: 2,35:1 / 1080p und Ton: DTS-HD Master Audio 1.0) wissen auch zu überzeugen, befinden sich allerdings nicht auf aller höchstem Niveau. Ich denke jedoch es wurde das Beste aus dem vorhandenen Ausgangsmaterial herausgeholt. Als Extras enthält die Combo die gekürzte italienische Fassung (restauriert und nicht restauriert; italienischer Ton liegt nur hier vor), den englischen Vorspann sowie diverse englische Trailer des Films. Untertitel lassen sich nicht zuschalten.

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  • Seitenverhältnis : 16:9 – 2.35:1
  • Alterseinstufung : Freigegeben ab 18 Jahren
  • Regisseur : Baldi, Ferdinando
  • Medienformat : Breitbild
  • Laufzeit : 1 Stunde und 38 Minuten
  • Darsteller : Gazzara, Ben, Greci, Jose, Hahn, Jess, Longo, Malisa, Monti, Silvia
  • Studio : filmArt

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Diese Edition wurde uns freundlicherweise von filmArt zur Verfügung gestellt.

Die Screenshots stammen NICHT von dieser Edition !!!

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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