The Riffs – Die Gewalt sind wir / 1990: I guerrieri del Bronx / 1990: The Bronx Warriors

Manhattan ist eine vom Krieg zerrüttete Insel. Barbarische Gangs durchstreifen New York und verbreiten Tod und Vernichtung. Als die Polizei ganz Manhattan abriegelt, können die rivalisierenden Gangs nur noch sich selbst bekämpfen. Als eine junge Erbin in die Kriegszone flieht, kann sie nur noch ein heroischer Einzelgänger namens Trash vor den Mordkommandos der Polizei retten. (X-Cess Entertainment)

Der Film spielt in der Zukunft – oder was einmal die Zukunft war. Im Jahr 1990 wird die Bronx von den örtlichen Behörden aufgegeben und zum „Niemandsland“ erklärt. Verschiedene Banden haben das Gebiet eingenommen und ihre Anführer haben sich bereit erklärt, ihre Zonengrenzen zu respektieren. Doch als ein junges und hübsches Mädchen (die Tochter des Regisseurs Enzo G. Castellari, Stefania Girolami), das bald die Manhattan Corporation erben wird (die anscheinend der weltgrößte Waffenproduzent und -händler ist), in der Bronx auftaucht, bricht die Hölle los. Ann will auf gar keinen Fall die Führung der Manhattan Corporation übernehmen und sich deswegen in der Bronx verstecken. Sie hofft vom Vorstand irgendwann vergessen zu werden, um ein „normales“ Leben führen zu können. Doch der Waffenproduzent engagiert sofort Hammer (Vic Morrow), einen außergewöhnlich grausamen „Polizisten“, der sie zurückbringen soll, damit der Konzern sie zu seiner fügsamen Marionette machen kann.

Kurz nachdem Ann die Grenze zur Bronx überschritten hat, wird sie von den Mitgliedern einer Rollhockey-Gang gefangen genommen und dann von Trash (Mark Gregory), dem außergewöhnlich gutaussehenden Anführer der Riders (oder Riffs, was denn nun!?), gerettet. Das Konzept hinter 1990: The Bronx Warriors kann kaum als originell bezeichnet werden, aber auch nicht als schlecht. Hier wird man ziemlich schnell erkennen können, dass sich Enzo G. Castellari von Walter Hills The Warriors (1979) und John Carpenters Escape from New York (Die Klapperschlange, 1981) inspirieren ließ und beschloss, einen ähnlich attraktiven postapokalyptischen Film zu drehen. Die Bronx mit ihrem rauen Ruf schien der perfekte Ort für den Film zu sein.

Leider realisiert man gleichzeitig auch sehr schnell, dass Castellari weder das Talent noch das Budget zur Verfügung hatte, um einen Film drehen zu können, der es mit The Warriors und/oder Escape from New York aufnehmen könnte. Die Schauspielerei in The Riffs – Die Gewalt sind wir ist größtenteils als schlichtweg schrecklich zu beschreiben. Der gerade einmal 19-jährige Mark Gregory, der offenbar von Castellari in einem Fitnessstudio entdeckt wurde und keinerlei schauspielerische Erfahrung vorzuweisen hatte, wirkt vor der Kamera enorm androgyn, auffallend steif und manchmal zeigt er sich sogar von seinen eigenen Zeilen verwirrt, wobei die meisten Männer, die seinen Befehlen folgen, tatsächlich häufig genervt rüberkommen. Als Anführer einer so brutalen, wie gefürchteten Motorradgang ist er jedenfalls vollkommen fehlbesetzt. Selbst erfahrenen Schauspielrecken wie Fred Williamson, der The Ogre (einen weiteren angeblich einflussreichen Bandenführer) mimt und Joshua Sinclair, der den misstrauischen sowie verräterischen Rider (Riff) Ice verkörpert, gelingt es nicht, den Film ein wenig auszubalancieren, während Christopher Connelly als Hot Dog und Vic Morrow als Hammer zwar solide spielen, es allerdings auch nicht gerade vermögen Bäume auszureißen. Ach ja, George Eastman aka Luigi Montefiori ist als Golan, Anführer der Rollerskates-Gang, ebenfalls mit von der Partie, doch außer seinem enorm kurzen Kampf gegen Williamson (der dennoch einen der wenigen Höhepunkte des Films repräsentiert, da hier ja schließlich Black Caesar auf Antropophagus trifft) hat er nicht viel zu tun.

Gianfranco Amicuccis (Ein Haufen verwegener Hunde, 1978) Schnitt erweist sich leider als ebenso wenig überzeugend, wie der gesamte Film. Das Filmmaterial aus der Bronx kann teilweise als recht atmosphärisch beschrieben werden, doch die Übergänge zwischen den einzelnen Segmenten (sowie den Aufnahmen in und um Rom) sind ganz einfach zu ungleichmäßig geraten. Auch die Massen-Action-Sequenzen am Ende sehen eher mittelmäßig aus. Der Soundtrack von Walter Rizzati (Das Haus an der Friedhofsmauer, 1981) kann wohl als die größte Stärke des Films gehandelt werden. Er mischt Funk mit Psychedelica und wird sehr gut zum Einsatz gebracht, um die ungewöhnliche Atmosphäre des Streifens noch zu verstärken. The Riffs – Die Gewalt sind wir repräsentiert den ersten Film von Castellaris Bronx Warriors-Trilogie. Die anderen beiden Filme sind Fuga dal Bronx (The Riffs II – Flucht aus der Bronx, 1983) und I nuovi barbari (Metropolis 2000, 1983), da Rats – Notte di terrore (Riffs III – Die Ratten von Manhattan, 1984) nur noch dem deutschen Titel nach etwas mit The Riffs zu tun hat.

Bonusmaterial:

  • Audiokommentar mit Marcus Stiglegger und Kai Naumann —> wieder einmal sehr interessant, informativ sowie unterhaltsam.
  • Dt. Kinotrailer (01:46 Min.)
  • Ital. Kinotrailer (02:39 Min.)
  • US-Trailer (02:34 Min.)
  • Deutsche Kinoschnittfassung (85:37 Min. / 84:02 Min. o. A. / 9 Kapitel)
  • Interview mit Autor Dardano Sacchetti (15:38 Min.) —> der ein wenig vom Thema abkommt und einige „seltsame“ Anekdoten zum Besten gibt.
  • Deutscher Originalvorspann (01:29 Min.)
  • Deutscher Kinoaushang (02:26 Min.)
  • Trailer: Riffs 2 & 3 (03:07 Min.)

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 2.35:1
  • Alterseinstufung:‎ Nicht geprüft
  • Regisseur: Castellari, Enzo G.
  • Medienformat: Breitbild
  • Laufzeit: ‎1 Stunde und 34 Minuten
  • Darsteller: Morrow, Vic, Connelly, Christopher, Williamson, Fred, Gregory, Mark, Girolami Goodwin, Stefania
  • Untertitel: Deutsch
  • Sprache: Italienisch (DTS HD 1.0), Deutsch (DTS HD 1.0)
  • Studio: X-Cess

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 2.35:1, 16:9 – 1.85:1, 16:9 – 1.77:1
  • Alterseinstufung: ‎Nicht geprüft
  • Regisseur: Fragasso, Claudio, Mattei, Bruno, Castellari, Enzo G.
  • Medienformat: Breitbild
  • Laufzeit: 4 Stunden und 42 Minuten
  • Studio: ‎X-Cess

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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