The Riffs II – Flucht aus der Bronx / Fuga dal Bronx / Escape from the Bronx

Die Bronx, Sinnbild amerikanischer Gewalt und Kriminalisierung, soll von korrupten Politikern wegen eines gigantischen Bauprojektes gesprengt werden. Doch die Streetgangs erklären dem Establishment den Kampf und entführen spektakulär den Präsidenten des Multi-Baukonzerns. Doch nun schlägt die Regierung zurück und ein Kampf beginnt in den brodelnden Häuserschluchten New Yorks. Zusammengetrieben von der übermächtigen Gewalt der Ordnungskräfte, ordnen sich die Bewohner der Bronx neu und holen zum selbstmörderischen Gegenschlag aus und schon bald herrschen bürgerkriegsähnliche Zustande in New York. Chaos und Entsetzen gewinnen die Oberhand in einem brennenden Stadtviertel (X-Cess Entertainment)

The Riffs II – Flucht aus der Bronx spielt 10 Jahre nach dem ersten Film The Riffs – Die Gewalt sind wir und die Manhattan Corporation hat beschlossen, alle Gangs der Bronx nach New Mexico umzusiedeln. Das ist natürlich nur die Geschichte, die der zwielichtige Konzern in der Öffentlichkeit verkündet, denn heimlich schickt er sogenannte „Desinfektionstrupps“ (angeführt von Henry Silva) in den verfallenen Stadtteil, um dort jeden auszuräuchern bzw. zu ermorden, der innerhalb der Mauern des heruntergekommenen Bezirks lebt. Die Gangs nehmen die Sache natürlich nicht so gut auf, weswegen sie sich in den Untergrund zurückziehen, alle außer unserem „Helden“ Trash, den man noch aus dem ersten Film kennt. Trash (Mark Gregory) ist gleich doppelt stinksauer, vor allem, weil die Trupps seine Eltern umgebracht haben (welche Eltern haben schon ein RIESIGES Poster von ihrem Sohn an der Wand hängen!?). Anschließend macht es sich Trash nun zum Ziel mit Hilfe einer Reporterin (Valeria D’Obici) und eines Söldners (Giancarlo Prete) sowie dessen Sohn Junior (Alessandro Prete), den Präsidenten der Manhattan Corporation (Ennio Girolami als Thomas Moore gelistet) zu entführen. Die Folgen, die sich daraus entwickeln, bestehen aus Gewalt, sehr viel Gewalt.

Was man an diesem Film wirklich lieben kann, ist, dass Regisseur Enzo G. Castellari eine große Menge Spaß daran gehabt zu haben schien. Den Originalfilm hatte er überraschenderweise ziemlich ernst genommen, doch hier hatte er wohl beschlossen einfach nur Spaß daran zu haben, einen B-Film zu drehen und diesen mit haarsträubenden Action-Sequenzen vollzustopfen. Bei all den Zeitlupen, heftigen Schusswechseln und Schlägereien kann man doch tatsächlich schnell mal den Überblick verlieren! Unsere Helden haben sogar die Fähigkeit, jedes Fahrzeug auf wundersame Art und Weise in die Luft zu jagen, indem sie aus nicht weniger als einem Fußballfeld an Entfernung darauf schießen! Trash holt sogar einen Helikopter mit seinem Six-Shooter vom Himmel! Sollte sich die Handlung bzw. die Action etwa teilweise unglaubwürdig präsentieren!? Darauf kann man selbstverständlich wetten, das Ganze trägt jedoch noch zusätzlich zum rasanten Tempo des Films bei.

Abgesehen davon kommt unser Held Trash in diesem Film etwas glaubwürdiger rüber, als im ersten Riffs-Streifen. Mark Gregory erschien in 1990: The Bronx Warriors einfach ein bisschen zu androgyn, um ihn als knallharten Biker-Gang-Anführer akzeptieren zu können, doch hier kauft man ihm seine Rolle definitiv besser ab. Zumindest geht, läuft und rennt er in diesem Film wie ein Mann! Es gibt sogar eine Dialogzeile, mit der ein Typ verlauten lässt: „Look how he runs! He’s a fag!“ Sollte das etwa eine kleine Anspielung darauf sein, wie er sich im ersten Film bewegt hat? Wenn ja, dann muss man Enzo dafür applaudieren, dass er diesen kleinen Insiderwitz in den Film übernommen hat. Auch der von Henry Silva verkörperte neue Bösewicht Floyd Wrangler passt wirklich gut in dieses Szenario. Der Kerl ist so dermaßen knallhart, dass er mit den Worten „Fuck Headquarters! We do it my way!“ vorgestellt wird. Okay, ist ja gut Henry … beruhige dich wieder, alte Keule! Silva stellt hier sowieso einen viel interessanteren sowie bedrohlicheren Bösewicht dar, als Vic Morrows leicht vergessenswerter Bulle aus 1990: I guerrieri del Bronx.

Was man eventuell bemängeln könnte, ist das Fehlen interessanter Nebencharaktere. Jeder, der im ersten Film cool war, wurde getötet (schnief, schnief Fred Williamson & Luigi Montefiori), weswegen für die Fortsetzung niemand übrig geblieben ist. Trash ist kein Anführer einer Gang mehr, sondern fristet sein Dasein eher als ein Einzelgänger, weswegen es auch keine interessanten Gangmitglieder unter ihm zu bestaunen gibt. Antonio Sabatos Nebenfigur Dablone ist zu wenig Leinwandzeit zugeteilt worden, sodass auch er kaum ins Gewicht fällt. Glücklicherweise vermögen es Strike (der Söldner, der Trash zur Seite steht) sowie sein Sohn Junior diese Lücke ein wenig zu schließen. Fans des italienischen Endzeit-„Trashs“ werden Strike aka Giancarlo Prete aus Castellaris I nuovi barbari (Metropolis 2000, 1983) wiedererkennen. Obwohl The Riffs II – Flucht aus der Bronx vom technischen Standpunkt aus gesehen einen schlechteren Film repräsentiert als The Riffs – Die Gewalt sind wir, kann er doch sehr viel eher genossen werden. Außerdem gestaltet sich der Film sehr viel einprägsamer, als sein Vorgänger. Mark Gregory kommt als Haupt-Antiheld „härter“ sowie besser rüber, während sich die Action als wilder und rasanter erweist. Mischt man das Ganze mit einem Regisseur, der Spaß mit dem übertriebenen Material hat, wird man garantiert eine tolle Zeit mit Fuga dal Bronx haben!

Bonusmaterial:

  • 16-seitiges Booklet mit einem informativen Text von Thorsten Hanisch
  • Video-Feature mit Prof. Dr. Marcus Stiglegger —> wie gewohnt interessant, informativ sowie unterhaltsam
  • Interview mit Kameramann Blasco Giurato —> recht interessant
  • Originaltrailer
  • Dt. Trailer
  • Alternative Titel- und Endkredits
  • Deutscher Kinoaushang

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 2.35:1
  • Alterseinstufung: Nicht geprüft
  • Regisseur: ‎Castellari, Enzo G.
  • Medienformat: Breitbild
  • Laufzeit: ‎1 Stunde und 29 Minuten
  • Darsteller: Gregory, Mark, Silva, Henry, D’Obici, Valeria, Prete, Giancarlo, Malco, Paolo
  • Untertitel: Deutsch
  • Studio: ‎X-Cess Entertainment

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 2.35:1, 16:9 – 1.85:1, 16:9 – 1.77:1
  • Alterseinstufung: ‎Nicht geprüft
  • Regisseur: Fragasso, Claudio, Mattei, Bruno, Castellari, Enzo G.
  • Medienformat: Breitbild
  • Laufzeit: 4 Stunden und 42 Minuten
  • Studio: ‎X-Cess

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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