The Unholy – Dämon der Finsternis / The Unholy

New Orleans. Pater Michael (Ben Cross) wird bei dem Versuch, einen Selbstmörder zu retten, heimtückisch aus dem siebzehnten Stock geworfen. Er überlebt wie durch ein Wunder. Ist er der Auserwählte, der als einziger den Kampf mit den Dämonen des Satans aufnehmen kann? Die letzten beiden Priester von St. Agnes wurden grausam ermordet. Nun ist Pater Michael ihr Nachfolger… Millie, ein junges Mädchen, scheint in die Sache verwickelt. Diese Spur führt Pater Michael zu Luke, dem skrupellosen Besitzer eines Nachtclubs. Alles deutet darauf hin, dass Luke hinter den Verbrechen steht. Doch übersinnliche, böse Kräfte brechen hervor. In der Osternacht – der Todesnacht seiner zwei Vorgänger – stellt sich Pater Michael dem Kampf mit dem Satan, der zunächst in der Gestalt einer wunderschönen Frau erscheint… Das Böse hat einen neuen Namen! (cmv-Laservision)

Bisher hat es nur sehr wenige Filme gegeben, die die Kulturlandschaft auf die gleiche Art und Weise verändert haben wie Der Exorzist, als er 1973 veröffentlicht wurde. Plötzlich waren Filme über dämonische Besessenheit der letzte Schrei, obwohl nur wenige die Höhen erreichten, wie der ursprüngliche Exorzist, was auch die eigenen Fortsetzungen von Der Exorzist miteinschließt. The Unholy stellt in vielerlei Hinsicht einen weiteren Möchtegern-Exorzisten dar, doch ironischerweise verlässt sich der Film zu sehr auf visuelle Darstellungen von Dämonen, anstatt das Böse nur anzudeuten, wie es in einem anderen satanisch thematisierten Werk, Rosemaries Baby (1968), so eindrucksvoll gelungen war. The Unholy profitiert stark von einer hervorragenden Besetzung, die von so bekannten und respektierten Schauspielern wie Hal Holbrook und Trevor Howard komplementiert wird. Seltsamerweise handelt es sich hier um einen weniger beängstigenden Horrorfilm, dessen willkürliche Qualitäten zumindest teilweise auf eine ziemlich chaotische Vor- und Produktionsgeschichte zurückgeführt werden können (das Finale musste auf Drängen der Produzenten komplett neu gedreht werden, inklusive neuer Spezialeffekte, wie man dem Bonusmaterial entnehmen kann).

Holbrook und Howard sowie Ned Beatty und Ben Cross besitzen sicherlich die Fähigkeit ein großes Publikum anzuziehen und auch hier ist es ihr Verdienst das Interesse hingebungsvoller Filmfans wecken zu können. Das Drehbuch wurde von einem gewissen Fernando Fonseca (einem relativ unbekannten Autor mit nur einem weiteren Spielfilm, South Beach Dreams, auf seiner Liste) und Philip Yordan (einem der anerkanntesten Drehbuchautoren seiner Generation) verfasst. Yordans Werk wird heutzutage leider ziemlich unterschätzt, obwohl er für eine Vielzahl klassischer oder zumindest relativ gut in Erinnerung gebliebener Filme verantwortlich gewesen ist, darunter Polizeirevier 21 (Oscar nominiert 1951), Die gebrochene Lanze (Oscar Gewinner 1954), Johnny Guitar, König der Könige, El Cid, 55 Tage in Peking, Der Untergang des Römischen Reiches, Held der Arena, Die letzte Schlacht und mit El hombre de Rio Malo (Bad Man‘s River, 1971) sowie Captain Apache (1971) sogar noch zwei Italo-Western mit Lee van Cleef in der jeweiligen Hauptrolle.

Keiner dieser Filme scheint darauf hinzudeuten, dass Yordan ein unangemessenes Interesse an Religiosität gehabt hätte, geschweige denn dämonischer Besessenheit, doch offensichtlich wurde er vom Exorzisten „Floh“ gebissen, worauf er eine frühe Version von The Unholy folgen ließ. Dabei dürfte es aufschlussreich sein zu erwähnen, dass sich Yordans Drehbuch offenbar nicht spannend genug gestaltete, um sofort grünes Licht zu erhalten. Tatsächlich dauerte es noch mehrere Jahre, bis es das Licht der Kinowelt erblickte, und dann auch nur in einer augenscheinlich drastisch überarbeiteten Fassung. The Unholy beginnt mit einer kurzen Sequenz, die wahrscheinlich ein paar Dinge zu früh preisgibt, indem sie die Verführung eines Priesters durch eine spärlich bekleidete Frau beschreibt, die sich natürlich als ein Dämon entpuppt. Es könnte interessant sein zu erfahren, ob diese Eröffnungsvignette Teil von Yordans ursprünglichem Drehbuch gewesen ist, da sie völlig unverhohlen, nichts der Fantasie überlässt (in mehr als einer Hinsicht) und klar macht, dass hier nicht einmal die minimalste psychologische Mehrdeutigkeit zu finden sein wird, die Der Exorzist kultivierte.

Yordans Absichten waren offensichtlich alles andere als das, was letztendlich auf der Leinwand zu sehen war, wobei es vielleicht ganz einfach kein besseres Beispiel für den Beginn des Films gegeben hat. Nach der Eröffnungssequenz wird dann etwas ungleichmäßig zu einer anderen Vignette übergegangen, die einen möglichen Selbstmord eines Mannes auf dem Dach eines Hotels dokumentiert. Pater Michael (Ben Cross) wird von einem Polizisten namens Stern (Ned Beatty) gerufen, um den Sprung vom Dach zu verhindern, was leider dazu führt, dass Michael aus dem Fenster und mehrere Stockwerke tief in den sicheren Tod gerissen wird. Das Gruselige dabei ist, dass Pater Michael ziemlich unbeschadet aus dem Sturz hervorgeht. Das wiederum führt dazu, dass Erzbischof Mosely (Hal Holbrook) und der blinde Pater Silva (Trevor Howard) Michael für den „Auserwählten“ halten, der die Kirche in St. Agnes übernehmen kann, wo seine beiden Vorgänger (einschließlich des Priesters aus der Eröffnungssequenz) ermordet wurden, was Michael zunächst verschwiegen wird. Bis hier hin gibt es bereits ein paar zu viele zweckmäßige Handlungsmechanismen in The Unholy zu beklagen, einschließlich der Tatsache, dass Polizist Stern den früheren Todesfällen in der Kirche äußerst misstrauisch gegenübersteht und dass Mosely sowie Silva viel mehr zu wissen scheinen, als sie zunächst preisgeben.

Auch unter der Oberfläche des (zugegebenermaßen) interessanten Bildmaterials von The Unholy liegt ein grundlegender Fehler verborgen. Warum, nämlich, sollten sich die Mächte der Hölle gerade auf diese bestimmte Kirche konzentrieren? Diese Frage wird nie richtig angemessen beantwortet und lässt den Film in einem Sumpf von seltsamen Nebenhandlungssträngen versinken, einschließlich des ziemlich bizarren Anblicks von William Russ (weit von Das Leben und ich entfernt), als spärlich bekleideter Nachtclubbesitzer namens Luke, der möglicherweise einen satanischen Einfluss auf verschiedene Bewohner des Ortes hat, darunter Millie (Jill Carroll). Es dürfte sehr wahrscheinlich keine große Überraschung darstellen, dass Millie (eine Jungfrau in Not) Pater Michael um Hilfe bittet. The Unholy hält eine Reihe an interessanten Ideen bereit und versteht es auch überraschend gut Spannung zu erzeugen, doch die große Enthüllung des Dämons am Ende gestaltet sich irgendwie unfreiwillig komisch, angesichts seiner beiden Schergen, die auch plötzlich auftauchen. Ben Cross war mit Sicherheit der richtige Schauspieler, um die Rolle des Pater Michael zu übernehmen. Seine vielleicht angeborene Zurückhaltung wirkt hier zunächst etwas zu zaghaft, doch im Verlauf des Films entwickelt er sich zu einem heiligen Mann, der es mit den kosmischen Mächten des Bösen aufnehmen kann.

Fernando Fonseca, der eigenartigerweise Co-Autor und Produktionsdesigner für diesen Film gewesen ist (und auch eine über Board geworfene Filmmusik komponiert hatte), spricht in einem auf dieser Blu-ray enthaltenen Interview darüber, wie er New Orleans zu einem eigenen Charakter im Film machen wollte, doch ich würde Interessierten einfach vorschlagen, das „Ambiente“ dieses Streifens mit einem anderen auf The Big Easy basierenden Horror-Opus, Angel Heart (1987), zu vergleichen und zu entscheiden, welcher Film diese seltsame „Magie“ (welche die Stadt unbestreitbar besitzt) stimmungsvoller einfangen kann. The Unholy versteht es einigermaßen viel Spannung zu erzeugen, wobei einige Leute den Film doch tatsächlich auch teuflisch langweilig finden.

cmv-Laservision bringt The Unholy als Nr. 04/166 ihrer The NEW! Trash Collection in einer tollen DVD / Blu-Ray Combo Veröffentlichung heraus, die in einer roten Keep-Case-Doppelbox mit Wendecover erscheint. Auf der einen Seite das modernisierte The NEW! Trash Collection Design inkl. neuer Nummerierung, auf der Wendeseite das klassische Trash Collection Design inkl. fortlaufender Nummer. Neue Titel reihen sich damit nahtlos in die bisherige Nummerierung ein. Diese Edition ist limitiert und auf 333 Stück durchnummeriert! Das Bild wird uns im 1,85:1 (1080p / anamorph) Format präsentiert und lässt keinen Raum zum Meckern. Der Ton bietet mit der deutschen und englischen zwei Spuren (DD 2.0), die angenehm zu hören sind. Hierfür können keine deutschen Untertitel zugeschaltet werden. Die gelungene Veröffentlichung wird noch von seinem enorm umfangreichen sowie äußerst interessanten Bonusmaterial abgerundet.

Bonusmaterial:

  • Audiokommentar mit Regisseur Camilo Vila und Nathaniel Thompson
  • Audiokommentar samt isolierter Musikspur mit Komponist Roger Bellon
  • Audiokommentar mit Produktionsdesigner & Co-Autor Fernando Fonseca samt seiner nicht verwendeten Filmmusik
  • ursprüngliches Ende mit optionalem Audiokommentar von Produzent Mathew Hayden
  • „Sins of the Father“ mit Darsteller Ben Cross (19:09 Min.)
  • „Demons in the Flesh: The Monsters of The Unholy“
  • Doku über die Special FX
  • „Prayer Offerings“ mit Produktionsdesigner & Co-Autor Fernando Fonseca
  • umfangreiche Bildergalerie / Programmtrailer
  • animierte interaktive Menüs
  • Original Trailer
  • Radio & TV-Spots

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 1.85:1, 16:9 – 1.77:1
  • Alterseinstufung: Freigegeben ab 18 Jahren
  • Regisseur: Vila, Camilo
  • Laufzeit: 1 Stunde und 42 Minuten
  • Darsteller: ‎Rabasa, Ruben, Frechette, Peter, Beatty, Ned, Holbrook, Hal, Cross, Ben
  • Sprache: ‎Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
  • Studio: cmv-Laservision

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Die Screenshots stammen nicht von dieser Edition !!!

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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