There’s Always Vanilla / The Affair

Der Taugenichts Chris und das schöne Model Lynn gehen eine stürmische Beziehung ein, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt zu sein scheint.

Nach dem Erfolg von Die Nacht der lebenden Toten hätte man vermuten können, dass Regisseur George A. Romero diesen großen Erfolg mit einem weiteren monumentalen Horrorfilm fortsetzen würde. Doch falsch vermutet! Romero wollte nicht als Horrorfilmregisseur typisiert werden und beschloss deswegen hastig seinen Horizont zu erweitern und eine romantische Dramedy zu inszenieren. War das der richtige Schritt? Wenn man bedenkt, dass den Film zu dieser Zeit niemand gesehen hat und niemand außer Romero selbst und seinen hartnäckigsten Fans von seiner heutigen Existenz weiß, kann man mit Sicherheit sagen, die Antwort ist eindeutig ein Nein. Nur weil There’s Always Vanilla relativ unbekannt ist, heißt das nicht, es müsse sich zwangsläufig um einen schlechten Film handeln, oder? Nun…

Die Geschichte handelt von einem gepflegten Herumtreiber (Schauspielneuling Raymond Laine aka Ray Laine), der in seine Heimatstadt zurückkehrt, sich mit seinem Vater trifft und ihn zum Haus seiner Ex-Freundin bringt, wo er ihn von einer Stripperin verführen lässt. Anschließend schickt er seinen Vater weg und trifft zufällig auf ein wunderschönes Model bzw. Werbeschauspielerin (Judith Streiner aus Die Nacht der lebenden Toten). Die Beiden beginnen eine schizophrene Beziehung, die zu viel Herzschmerz und einem Abtreibungsversuch führt. Wie traurig!

Das Hauptproblem dieses Films ist, dass er sich unvollständig anfühlt. Es erscheint so, als hätte Romero nicht genug Geld zur Verfügung gehabt, um das Drehbuch vollständig zu Ende zu drehen. Also musste er schnell schwache Erzählsequenzen aufnehmen und den Film dann irgendwie mit diesen Erzählelementen zusammenflicken, um dessen Flow zu verbessern und ihm Sinn zu verleihen. Das Ergebnis muss ganz einfach als unkonzentriert bezeichnet werden, egal welche cleveren Schnitttricks Romero auch im Ärmel hatte. Der Film hat wirklich kein Ziel oder erfüllt mit seiner Handlung keinen Zweck, so dass sich das Publikum am Kopf kratzt, nachdem der Film ohne die Beantwortung von offenen Fragen oder ohne gebundene Handlungselemente plötzlich endet.

Das Schauspiel ist eigentlich als ziemlich gut zu beschreiben, vor allem für einen Film mit solch niedrigem Budget, wobei Raymond Laine eine gute Leistung als der sehr selbstbewusste, wenn auch erfolglose sowie unbekümmerte Herumtreiber abliefert. Das gute Schauspiel und einige clevere Schnitte sind das einzige, was man an diesem Film hervorheben kann. Der Rest verfehlt sein Ziel.

Das Endergebnis wurde von der Öffentlichkeit zum größten Teil übersehen, während Romero selbst sehr offen damit umgeht, den Film nicht zu mögen. Nachdem man diesen „verloren gegangenen“ Film endlich mal gesehen hat, kann man durchaus erkennen, warum er nicht sehr gut gelungen ist und nur wie ein Film mit (gut) zusammengemischten Bildern wirkt, der nicht richtig fertiggestellt worden ist. Als Kuriosum ist der Streifen jedoch noch immer ein Muss für Romero-Fans, da There’s Always Vanilla einen seiner wenigen Streifzüge außerhalb des Horror-Genres darstellt. Man erwarte nur ganz einfach keinen guten Film. Capelight Pictures war so freundlich diesen Film als Bonus für Interessierte in ihre Blu-Ray Veröffentlichung von Romeros viertem Film, Crazies, aufzunehmen.

Bonusmaterial:
Making-of: „Affair of the Heart“; Audiokommentar von Travis Crawford; Location-Bildergalerie mit Kommentar von Lawrence DeVincentz; Trailer

Beim Capelight-Shop oder Amazon bestellen

(Im Mediabook zu Crazies als Bonusfilm enthalten)

Diese Edition wurde uns freundlicherweise von Capelight Pictures zur Verfügung gestellt.

Das Bildmaterial stammt nicht von dieser Edition!

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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