Thunderbolt and Lightfoot

Michael Ciminos Die Letzten beißen die Hunde (Thunderbolt and Lightfoot) ist einer meiner liebsten Heist-Movies und Mitternachtsfilme – und nebenbei natürlich einer der schönsten Buddy-Gaunerfilme und ein Meisterwerk. Das musste erstmal raus. Lange habe ich auf eine würdige Umsetzung dieses Klassikers auf BluRay gehofft, und nun ist sie da.

Der Film erzählt von dem untergetauchten Dieb Thunderbolt (Clint Eastwood), der zufällig auf den etwas ausgeflippten Herumstreuner Lightfoot (Jeff Bridges) trifft, just als alte Kumpane von Thunderbolt diesen aufgespürt haben und abmurksen wollen. Die beiden lernen sich nach anfänglichen Schwierigkeiten besser kennen und greifen sich gegenseitig unter die Arme. Ihre Verfolger, der brutale Red (George Kennedy) und der etwas dümmliche Goody (Geoffrey Lewis), sind hinter Diebesbeute her, von der sie glauben dass Thunderbolt sie hat. Als klar wird, dass dem nicht so ist, tun sich die vier zusammen um einen gewagten Überfall zu planen. In der Nacht des Überfalls allerdings geht einiges schief….

Cimino, dessen Heaven’s Gate sechs Jahre später das Studio United Artists in den Ruin trieb, von Kritikern zerrissen wurde und erst in den letzten Jahren wieder an ansehen gewinnt (u.a. wegen der verfügbaren restaurierten Version, die capelight ebenfalls gerade auf BluRay bringt, siehe meine Kritik), tobte sich hier im Krimi-Roadmovie-Genre richtig aus. Man vergisst leicht, dass es nach den Drehbüchern für Silent Running und Magnum Force (der zweite Teil der Dirty Harry Reihe) sein Regiedebut war. Möglich gemacht hatte es Clint Eastwood, dem das Drehbuch gefiel und Cimino dann auch für die Mitarbeit an Magnum Force anheuerte. Heute gilt Cimino als einer der ganz großen, wenn auch etwas tragischen, Figuren des amerikanischen Autorenkinos. Es ist Thunderbolt and Lightfoot der, neben anderen tragischen Roadmovies seiner Zeit (wie Easy Rider zum Beispiel), stilprägend war. Dabei ist der Film definitiv völlig anders als sein The Deer Hunter, wobei man gewisse Elemente sicherlich auch dort wieder erkennen kann.

Dabei ist der Film gar kein richtiges Roadmovie, sondern höchstens ein Kapitel in solch einem. Im Kern ist es ein Buddymovie, mit etwas Toleranz noch ein Heist Film, denn Thunderbolt und Lightfoot lernen sich quasi zufällig kennen. Sie legen kaum Strecke zurück, bis sie letztlich aus Not der Situation heraus einen Einbruch begehen. Der geht dann aber schief und letztlich geht der Film nur für einen der beiden gut aus… Es fällt daher etwas schwer, den Film konkret einzuordnen. Ich möchte es mal noch auf folgende Weise versuchen: Wie viele Filme seiner Zeit reflektiert er die Identitätskrise der jungen amerikanischen Generation. Es ist eine rastlose Generation ohne Ziel, mit Talenten die nicht gebraucht werden, mit Problemen um die sich keiner kümmert. Das Glücksrittertum, oder besser noch, der Mythos des „self made man“ (eigentlich eine durchaus amerikanisch-kapitalistische Idee), wurde in dieser Zeit auf den Kopf gestellt und durch das des Überlebenskünstlers ersetzt. Ganz im Stil von frühen Marlon Brandos oder James Deans sind es zudem Rebellen, Outcasts und Veteranen, die zu den Helden dieses Kinos werden. So auch in Thunderbolt and Lightfoot, dem vielleicht auch ein Hauch von Badlands anhaftet, der in etwa um die gleiche Zeit entstand.

Michael Cimino glückte dieser Film ganz besonders deshalb (das mag auch den Charme des Drehbuchs ausgemacht haben), weil er trotz der tragischen Thematik regelmäßig witzig sein kann. Es ist also eine tragikomische Story mit leicht überzeichneten Charakteren (Thunderbolt ist fast schon zu cool, Lightfoot zu wild, die Gangster zu schießwütig, die Landschaft zu schön, usw.) und ganz ganz viel Herz. Eingefangen wird das von wunderbaren Bildern aus  Montana und unterstrichen von einem wunderbaren Soundtrack. Eastwood und Bridges (für den der Film der endgültige Durchbruch war) harmonisieren wunderbar miteinander- so sehr, dass man sich fast eine Serie mit diesen beiden Charakteren gewünscht hätte. Diverse Nebencharaktere, so wird das auch im Audiokommentar erklärt, sind entweder Eastwood-Veteranen oder sonst auf die eine oder andere Weise ganz passend gecastete Rollen.

Letztlich ist Thunderbolt and Lightfoot (damit komm ich zu meiner Bemerkung eingangs bzgl. Mitternachtsfilme) aber auch eine prise rebellisches quasi-Exploitation Kino. Als ich den Film damals zum ersten mal sah, war ich Teenager. Ich fand den Film an sich schon rebellisch, die Charaktere wild, die wenigen Nacktaufnahmen gewagt, die Schießereien brutal und das Ende schockierend. Heute wirkt der Film auf dieser Ebene nicht mehr, der Film ist in meiner Wahrnehmung gereift zu einem amerikanischen Klassiker. Es ist nicht mehr der Mitternachtsfilm sondern das Hauptabendprogramm, und so hoffe ich werden auch mehr Film-Fans diesen Film heute wahrnehmen: als einen unsterblichen, bittersüßen Film, der vor allem in HD – lange Jahre nach fitzeligen alten PAL TV-Versionen – wieder ganz von neuem begeistern kann.

Das limitierte Mediabook von capelight (Amazon) ist für Sammler natürlich erste Pflicht. Darin steckt der Film auf BluRay und DVD, sowie ein eingeklebtes Booklet. Die Deutsche (nicht getestet) und Englische Tonspur gibt es je in PCM 2.0, wer mag kann den schönen Soundtrack auch mittels einer isolierten Musicspur genießen. Der Ton klingt dabei ziemlich gut, behält seine Authentizität (oft wird bei alten Filmen übermäßig viel herum geschraubt um die Dialoge von anderen Geräuschen zu isolieren oder gar Surround-Upmixe zu erstellen, beides wurde hier nicht gemacht) und klingt dennoch ziemlich gut, nur an einigen Stellen etwas leise. Es gibt Untertitel auf Deutsch und Englisch. Das Bild der BluRay sieht sehr solide aus. Während man beim Vorspann noch sieht wie schlecht das Material eigentlich aussah, offenbar sich nach der letzten Texteinblendung dann das Resultat von Restauration und digitaler Nachbearbeitung, und das kann sich wirklich sehen lassen. Auch in dunklen Szenen sieht der Film noch echt gut aus, und insgesamt hält sich der digitale Filter in Grenzen, aber man wird als Kenner natürlich bei genauerem Hinsehen ein wenig bedauern wie stark man hier teilweise digital eingreifen musste und was an Detail möglicherweise verloren ging. Dem Auge fällt das aber letztlich kaum auf, nur in wenigen Aufnahmen ist das letztlich wirklich auch negativ, ingesamt ist es eine erstaunlich gut aussehende BluRay. Das primäre Extra dieser BluRay ist der Audiokommentar von Filmhistoriker und Drehbuchautor Lem Dobbs , Julie Kirgo (Autorin) und Nick Redman (Dokumentarfilmer), indem sie diesen großartigen Roadmovie bis ins kleinste Detail analysieren mit viel Fachwissen, schönen Anekdoten und viel Enthusiasmus. Absolut empfehlenswerter Audiokommentar. Ansonsten gibts nur den Kinotrailer und den deutschen Trailer, leider. Das Booklet mit schönen Bildern und Texten von Stefan Jung rahmt den Film sehr gut ein und man kann auch als Nerd noch etwas lernen, so z.B. erfährt man von Douglas Sirks Film Captain Lightfoot von 1955 mit Rock Hudson, der Cimino zur Story von Thunderbolt and Lightfoot inspirierte.

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Die BluRay wurde uns freundlicherweise von capelight pictures zur Verfügung gestellt.

Quelle der Screenshots (UK BluRay)

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

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1 Antwort

  1. 21. April 2018

    […] Werk von Michael Cimino fort. Erst neulich habe ich über die neue BluRay seines Erstlingswerkes Thunderbolt and Lightfoot berichtet, und vor einigen Tagen meinen Artikel über sein Meisterwerk Heaven’s Gate um […]