TNT Jackson / Dynamite Jackson

Diana ‚TNT‘ Jackson sucht in den Hinterhöfen und düsteren Vierteln Hongkongs nach dem Mörder ihres Bruders. Zusammen mit einem Kampfkunstlehrer namens Joe kämpft das tödliche Duo mit Drogenhändlern der Unterwelt, um den Mann zu finden, der für den Tod ihres Bruders verantwortlich ist.

Cirio H. Santiagos Blaxploitation-Flick TNT Jackson repräsentiert einen durch und durch schrecklichen, wenn auch furchtbar unterhaltsamen B-Streifen, der es kaum auf 72 Minuten Laufzeit schafft. Der Film muss anscheinend recht beliebt gewesen sein, da die Produzenten (u.a. Roger Corman) es für angebracht hielten, diesen dünnsten aller Handlungsstränge in den nächsten Jahrzehnten noch dreimal neu zu verwursten (als eine beinahe detailgetreue Kopie kann Nackte Fäuste – Die tödliche Karatelady / Firecracker genannt werden). Das ehemalige Playmate Jeannie Bell ist äußerlich als eine Wucht zu beschreiben, doch wenn sie beginnt zu kämpfen, verliert sie sehr viel von ihrem Glanz. Ihr Stunt-Double kann schmerzhaft offensichtlich erkannt werden, während diese Aufnahmen die einzigen darstellen, die es vermögen die häufigen Kampfszenen zum Leben erwecken. Die Verwendung von in camera edits, um den Eindruck von Geschwindigkeit zu erwecken, kann hier nicht beeindrucken, wobei dieser billige Ansatz zur „Verbesserung“ einer Kampfszene später in eine Reihe von unabhängig produzierten Kung-Fu-Quickies übernommen wurde.

Santiago hat während seiner langen Karriere eine Menge an sogenanntem filmischen „Müll“ produziert, allerdings nicht ohne einige wirkliche Perlen unter all den gefälschten Diamanten zu kreieren. Er profitierte auch von einer lukrativen Partnerschaft mit dem berühmten Produzenten/Regisseur Roger Corman, der hier (in einem seltsamen Mix aus Blaxploitation-Grooves und Martial-Arts Kicks mit einigen der erbärmlichsten choreografierten Kampfsequenzen, die jemals konzipiert wurden) als Executive Producer fungierte. Seltsamerweise scheint das ganze Unternehmen nachsynchronisiert worden zu sein, während die Soundeffekte von der chinesischen Seite zu stammen scheinen, da sie genauso klingen wie in zahlreichen Indy-Kung-Fu-Produktionen, von denen viele eine noch schmackhaftere Variante von Schund darstellen. Berichten zufolge drehte Santiago gleichzeitig ein Begleitstück zu diesem Film mit dem Titel Dynamite Wong and TNT Jackson.

Der Film gestaltet sich recht häufig unsinnig und die nahezu ununterbrochene Flut von Kampfsequenzen zwischen schablonenhaften Comic-Charakteren lässt niemals so etwas wie Charakterisierung oder eine zusammenhängende Geschichte zu. Der Streifen gehört zwar nicht zu den schlechtesten seiner Gattung aber es gibt weitaus bessere Beispiele für diese Art von Film da draußen, wie die extravagantere Shaw-Warner-Koproduktion Cleopatra Jones and the Casino of Gold (Cleopatra Jones gegen die Drachenlady), die in der zweiten Hälfte des Jahres 1974 produziert wurde.

Die einzige Szene des Films, an die sich die meisten Betrachter wahrscheinlich noch erinnern können, repräsentiert Bells urkomische „Kampfszene“, in der sie Oben-ohne gegen einen Raum voller Bösewichte antritt. Man kann sich nicht einmal daran erinnern, warum sie hier in einen Kampf verwickelt wird, nur dass sie halbnackt mit den Armen um sich schlägt. Die langen Einstellungen ihres offensichtlichen Stunt-Doubles sind under-cranked und, wie etwas weiter oben erwähnt, zeigen des Films einzige Beispiele von passabler Choreographie. Leider gibt es nicht genügend davon, um diesen unterdurchschnittlichen Flick auf das Niveau anderer Streifen von nubischer Dominanz wie Ein Fall für Cleopatra Jones (1973) und Coffy – Die Raubkatze (1973) zu bringen. Ersterer bietet ebenfalls nur wenig überzeugende Kung-Fu/Karate-Sequenzen, doch immerhin gibt es die überragende charismatische Präsenz von Tamara Dobson zu bewundern (in einer interessanten Geschichte mit Insignien im James-Bond-Stil), um das Interesse des Zuschauers aufrechtzuerhalten. Letzterer konnte Pam Grier aufweisen, die das Charisma und den Sexappeal von gleich mehreren Schauspielerinnen in sich vereinigte. Nichts davon gibt es in diesem generischen Drive-in-Quickie zu finden.

Jeanne Bell ist ja zumindest als ziemlich attraktiv zu bezeichnen, auch wenn sie sich als ziemlich vergessenswert erweist, was ihre Bildschirmpräsenz betrifft, abgesehen von der kurzen Oben-ohne-Kampfsequenz. Fans werden sich wahrscheinlich noch an sie in so bemerkenswerten Blaxploitation-Hits wie Trouble Man (1972) und Three the Hard Way (Drei eiskalte Profis, 1974) erinnern. Außerdem trat sie im „Trash“-Klassiker The Klansman (Verflucht sind sie alle, 1975) sowie in Fernsehserien wie Sanford and Son (1972 – 1977) und Kolchak: The Night Stalker (Der Nachtjäger, 1974 – 1975) auf. Stan Shaw ist im unsterblichen Truck Turner (Chikago Poker, 1974) und den durchaus skurrilen sowie spielerisch offensiven Darktown Strutters (1975) zu sehen. Was TNT Jackson betrifft, so handelt es sich, wie bereits erwähnt, um einen durch und durch furchtbaren, wenn auch schrecklich unterhaltsamen B-Streifen, der es noch nicht einmal schafft die 80 Minuten Marke zu knacken. Santiagos Film gestaltet sich genauso harmlos, wie trivial und repräsentiert alles andere als TNT.

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  • Alterseinstufung: Nicht geprüft
  • Regisseur: Cirio H. Santiago
  • Medienformat: Farbe
  • Laufzeit: 1 Stunde und 12 Minuten
  • Darsteller: Jeannie Bell, Stan Shaw, Pat Anderson, Ken Metcalfe, Max Alvarado
  • Studio: Brentwood Communications
  • Produzenten: Cirio H. Santiago, Roger Corman

Ein beinahe komplettes Rip-Off von TNT Jackson stellt Nackte Fäuste – Die tödliche Karatelady / Firecracker dar, starring sexy Jillian Kesner !!! Es könnte sogar darüber spekuliert werden, ob Santiago das Titelblatt des TNT Jackson-Skripts nicht einfach ausgetauscht und mit der Aufschrift Firecracker versehen hat. So ähnlich gestaltet sich die Handlung dieser Filme! Hier reist eine sexy Kampfkünstlerin auf die Philippinen, um ihre vermisste Schwester zu finden (anstelle des Bruders in TNT). Sie versucht sich in einen Drogenring hineinzuschleusen und arbeitet schließlich mit einigen Undercover-DEA-Agenten zusammen (wieder genau wie bei TNT).

Jillian Kesner in Firecracker
Jeannie Bell

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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