Tödliche Strahlen / The Invisible Ray

Dr. Rukh ist davon überzeugt, dass in Afrika vor Millionen von Jahren ein radioaktiver Meteorit abstürzte, der aus einem Material bestand, das stärker als Radium strahlt. Dr. Rukh, der das Radium X genannte Material in einem Vulkankrater berührt, stirbt beinahe, jedoch hat Dr. Benet ein Gegenmittel und rettet seinen Kollegen vor dem sicheren Tod. Rukh ist zwar gerettet, leidet aber fortan unter Verfolgungswahn und verändert sich zusehends. Die gefährliche Strahlung führt zu unheilvollen Ereignissen. (Ostalgica)

Dr. Janos Rukh (Boris Karloff) ist ein zurückgezogen lebender Wissenschaftler, der in seinem Haus in den Karpaten an einem Projekt arbeitet, von dem er glaubt, dass es für die Menschheit irgendwann von großem Nutzen sein wird. Heute Nacht – eine dunkle und stürmische Nacht – hat er eine Gruppe von Leuten eingeladen, von denen er hofft, dass sie großes Interesse an seinen Theorien haben werden und hat seine Frau Diana (Frances Drake) gebeten, nach den Scheinwerfern ihres Fahrzeugs Ausschau zu halten. Sie steht am Fenster und spricht tief besorgt mit ihrer blinden Schwiegermutter über Rukhs mentale Gesundheit. Dann nähert sich ein Fahrzeug und Diana eilt durch die Gänge zum Labor und Observatorium, wo ihr Mann, der von ihrem verstorbenen Vater sehr bewundert wurde, seine Arbeit verrichtet. Er wird seinen Besuchern überraschende Dinge zu zeigen haben, doch was wie ein Segen für die Menschheit erscheint, kann sich auch genauso gut in einen Fluch verwandeln.

Mitte der dreißiger Jahre hatten sich Boris Karloff (hier wird nur sein Nachname gelistet, so groß war sein Ruhm) und Bela Lugosi in einen Kreislauf von Horrorfilmen über verrückte Wissenschaftler eingelebt, in dem sie auch bis zum Ende ihrer jeweiligen Karriere verweilen sollten. Der unsichtbare Strahl des Originaltitels macht zwar niemanden unsichtbar und man kann ihn sogar auch bei Dunkelheit sehen, doch durch ihn wird der Film schon eher als Science-Fiction gekennzeichnet, denn als gruseliger Reißer. Nach einer Geschichte von Howard Higgin und Douglas Hodges von John Colton (der im Vorjahr Der Werwolf von London verfasst hatte) geschrieben, weist Tödliche Strahlen eine ambivalente Einstellung zur Wissenschaft auf, wo Blinde geheilt werden, Menschen aber auch zu Mördern gemacht werden können.

Die ersten zehn oder fünfzehn Minuten sind als großartig zu bezeichnen, wo Rukh demonstriert, wie er sich die Macht der Andromeda-Galaxie zu Nutze gemacht hat, um seine Gäste in die Vergangenheit blicken zu lassen. Diese Szenen haben einen angemessen kosmischen Umfang zu bieten, mit Planeten und Sternen, die vorbeifliegen, bis man einen Blick in die Vergangenheit werfen kann: die Erde vor Tausenden von Millionen Jahren und ein Asteroid, der irgendwo in Afrika einschlägt. Genau zu diesem Einschlagpunkt möchte Rukh nun reisen, weil er sich ziemlich sicher ist, dass eine Probe des Meteoriten unglaubliche Eigenschaften an den Tag legen wird. Als er dort mit seiner Frau und dem skeptischen Arzt Felix Benet (Bela Lugosi) im Schlepptau ankommt, entwickelt sich die Geschichte leider zu einem komplett klischeehaften „Dunkles-Afrika-Abenteuer“, mit verängstigten Eingeborenen und wenig überzeugenden Dschungel-Sets.

Dennoch findet Rukh seinen Meteoriten und damit ein neues Element, das er Radium „X“ nennt. Inzwischen haben sich Diana und der Neffe des Sponsors der Expedition, Ronald Drake (Frank Lawton), ineinander verliebt, wobei sie nicht wissen, wie es mit ihnen weitergehen soll, da Diana ja noch mit Janos verheiratet ist? Keine Bange, ihr beiden Turteltäubchen, die Liebe wird schon einen Weg finden, denn der Wissenschaftler sieht sich jetzt seinem Element ausgesetzt und leuchtet deswegen nicht nur im Dunkeln, sondern kann bei Berührung auch andere Lebewesen töten. Lugosis Rolle ist hier recht interessant angelegt worden, da er mal den Guten mimt (was ihm ziemlich gut gelingt) und sein Charakter Dr. Benet ein Serum zusammenbraut, mit dem Rukh seine Symptome lindern kann. Allerdings droht sein Verstand immer mehr zu erodieren und als die Expedition schließlich nach Europa zurückgekehrt ist, bildet er sich ein, dass die Früchte seiner Arbeit von seinen Kollegen gestohlen worden sind. So beginnt er eine Mordserie und die Geschichte nimmt ihr tragisches Ende. Nichts geht über die Eröffnungssequenz, während auch der Rest des Films als ereignisreich beschrieben werden kann. Hätte Rukh doch nur den Rat seiner Mutter befolgt und sich von Allem ferngehalten und sich einzig und allein auf seine Experimente konzentriert. Doch dann, ist anzunehmen, hätte man wohl keine Geschichte mehr gehabt.

Tödliche Strahlen erscheint im Rahmen der Ostalgica Classic Chiller Collection in einer DVD/Blu-Ray Combo und ist erstmals deutschlandweit in High Definition erhältlich. Das Bild wird im 1,37:1 Format (1080p, AVC, 24fps) präsentiert und macht (bedenkt man das Alter des Films) einen wirklich guten Eindruck, während auch beim Ton kein Grund zur Beschwerde besteht. Hier kann man zwischen der englischen und deutschen Spur (DTS-HD Master Audio 1.0) wählen, die sich beide klasse hören lassen. Möchte man sich den Film lieber im Originalton ansehen, so stehen deutsche und englische Untertitel zur Verfügung. Als Extras beinhaltet die Combo, neben dem Originaltrailer zum Film und zwei Bildergalerien auch noch das exklusive Hörspiel „Der Magnetiseur“ – nach E. T. A. Hoffmann mit Peer Augustinski, Sascha Draeger, Claus Wilcke, Peter Buchholtz und Wolf Rahtjen. Außerdem wurde noch ein Bonusfilm The Phantom Creeps (ca. 21min.), ein 16-seitiges Booklet mit dem Titel „Ein paar Überlegungen zu Tödliche Strahlen“ und interessantem sowie informativem Text von Lars Johansen (35 Millimeter – Das Retro-Film-Magazin) und ein recht gelungenes Video-Essay, ebenfalls von Lars Johansen, auf bzw. in die Combo gepackt. Als Highlight der Extras muss allerdings der sehr informative sowie unterhaltsam eingesprochene Audiokommentar von Clemens Williges, Marco Koch und Lars Johansen von 35 Millimeter – Das Retro-Film-Magazin angesehen werden. Die klasse Veröffentlichung kommt in einem ansprechend gestalteten Papp-Schuber daher und hat auch ein unterschiedliches Covermotiv zu bieten. Ostalgica gelingt eine tolle Veröffentlichung eines kleinen aber feinen Horrorfilms, der sicherlich nicht vermag im Fahrwasser der ganz Großen des Genres mit zu schwimmen, es aber dennoch bestens versteht sein Publikum zu unterhalten. Auf jeden Fall mehr als nur einen Blick wert!

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  • Seitenverhältnis: 4:3 – 1.37:1
  • Alterseinstufung: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur: Hillyer, Lambert
  • Medienformat: ‎Breitbild
  • Laufzeit: 1 Stunde und 19 Minuten
  • Darsteller: ‎Lugosi, Bela, Karloff, Boris, Drake, Frances, Lawton, Frank
  • Untertitel: Englisch, Deutsch
  • Studio: ‎Ostalgica

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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