Tot & begraben / Dead & Buried

Willkommen in Potters Bluff, einer abgelegenen Kleinstadt and der Küste. Fotograf George kann sein Glück kaum fassen: Auf Motivsuche begegnet er am Strand einer attraktiven Blondine, die sich auch sofort zum Foto-Shooting bereiterklärt. Lange währt seine Freude jedoch nicht, schon bald lernt er die anderen – mordlustigen – Dorfbewohner kennen. Sheriff Dan ermittelt und hat es schnell mit zwei bizarren Mordfällen und verschwindenden Leichen zu tun… (Capelight Pictures)

Sucht man nach einem Film, der mühelos die Essenz des Horror-Genres einfängt, so sollte man nach Tot & begraben Ausschau halten. 1981 veröffentlicht, gerade als sich das Genre zu einem Massenmarkt-Mainstream-Phänomen entwickelte, in dem unaufhaltsame Bestien und Witze-reißende Schurken Amerikas jugendliche Bevölkerung in Scheiben sowie Würfel schnitten, schwelgt Dead & Buried in echtem Grusel und blankem Terror vor dem Unbekannten. Der Film repräsentiert sowohl eine Gruselshow, als auch ein Mysterium, das sich langsam entwirrt und es recht gut versteht bis auf die Knochen zu schockieren. Kombiniert mit einer ordentlichen Portion Gore, dank des Spezialeffekt-Zauberers Stan Winston (Terminator, 1984), stellt Dead & Buried gutes, altmodisches Filmemachen dar, präsentiert sich einfach aber elegant, klug jedoch nicht zu kompliziert und erschreckend aber weder zurückhaltend noch grotesk.

Die kleine, idyllische Stadt Potters Bluff in Neuengland ist Schauplatz einer Reihe unerklärlicher Morde, die ebenso brutal wie zufällig erscheinen. Diese Morde werden nicht nur von einem einzelnen Täter, sondern einem Großteil der Stadtbewohner gut inszeniert und perfekt ausgeführt, doch aus welchem Grund bleibt zunächst ein Rätsel. Sheriff Dan Gillis (James Farentino, Der letzte Countdown, 1980) macht sich auf den Weg, um die Verbrechen aufzuklären, wobei im Laufe der Zeit die Zahl der Leichen immer mehr zunimmt. Es gelingt ihm eine seltsame Reihe von Umständen zusammenzufügen, die auf einen noch abscheulicheren und diabolischeren Plan hindeuten, als auf die Launen eines einfachen Verrückten, weswegen er angesichts des reinen Bösen beginnt seinen Verstand zu verlieren. Alle um ihn herum – einschließlich des Leichenbestatters der Stadt, William G. Dobbs (Jack Albertson), seines Freundes Harry (Robert Englund) und sogar seiner Frau Janet (Melody Anderson) – scheinen eine Rolle bei den Verbrechen zu spielen, doch Gillis kann sich nur auf seine Instinkte und seine eigenen zwei Augen verlassen, um sowohl die Wahrheit, als auch ein Geheimnis zu enthüllen, das ihn niemals mehr loslassen wird.

Dead & Buried stellt schon etwas Einzigartiges dar, weil der Film von Anfang an zeigt, wer hinter den Morden steckt. Anstatt einfach wie ein weiteres Whodunit mit reichlich Gore gewürzt zu fungieren, führt der Streifen sein Publikum lieber zu der Frage „Warum?“. Der Film versteht es dabei geschickt umzusetzen, dass tatsächlich das „Warum?“ für wahren Terror sorgt und nicht das „Wer?“, ein Grund, warum die Fortsetzungen von Freitag der 13., Halloween und A Nightmare on Elm Street immer mehr verwässern und bedeutungslos werden. Tot & begraben ist klar, wie wichtig es ist, jedes Element unter Kontrolle zu halten, um sicherzustellen, dass die Geschichte nicht verloren geht – das „Warum?“ des Films, vor dem „Wer“ kommt und natürlich vor dem Gore, der nur zur Unterstützung der Geschichte vorhanden ist und nicht anstelle der Geschichte.

Dennoch gibt es auch ein „Wer?“-Element in der Handlung, das ans Licht kommt, wenn sowohl Sheriff Dan Gillis, als auch das Publikum (das dem Gesetz immer ein paar Schritte voraus ist) die Mysterien entschlüsseln. Sobald genügend Informationen bekannt geworden sind, gibt es keinen Zweifel mehr an der Galionsfigur hinter den Morden, doch das Geheimnis bleibt bis fast zum Ende bestehen, genauso wie die Gründe dafür. Dead & Buried hält die Dinge einfach, was wohl des Streifens stärksten Vorzug darstellt. Die Auflösung wird erklärt, aber nicht vollständig; da sich die Gründe für die Ereignisse des Films erst im Kontext des Finales erschließen lassen. Außerdem kommt der Film in der letzten Einstellung mit einer Wendung um die Ecke, die es wert ist, gesehen zu werden.

Einen weiteren einzigartigen Aspekt von Tot & begraben stellt seine Entwicklung vom spaßigen zum ernsthaften Terror dar. Die ersten beiden Morde (die im Film gezeigt werden) spielen sich ziemlich standardmäßig und albern ab, die einzige erlösende Qualität ergibt sich aus der geweckten Neugier, als sich herausstellt, dass die Kills von einer Gruppe von „Menschen“ vorsätzlich geplant und methodisch ausgeführt werden. Während sich der Film aufbaut, entwickelt er ein Tempo und eine Handlung, die langsam aber stetig die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich ziehen. Bis man erkennt, was eigentlich passiert (ähnlich wie bei einem Frosch in einem Topf mit kochend heißem Wasser), ist es bereits zu spät, denn der Film hat einen bis dahin schon vollkommen vereinnahmt und vielleicht möchte man lieber davonlaufen, doch man hat keine andere Möglichkeit, als zuzusehen, wie sich das Grauen entfaltet. Der Wendepunkt des Films offenbart sich dem Publikum nach circa 45 Minuten während einer Sequenz, in der eine auswärtige Familie durch Potters Bluff fährt und schließlich ein verlassenes Haus durchsucht. Die gesamte Sequenz repräsentiert das, worum es beim filmischen Terror geht.

Der Film erschafft eine wundervolle Atmosphäre, die sich dunkel und vorahnungsvoll präsentiert, wenn Silhouetten um das Haus streifen, vorbeiziehen oder vor einem Fenster stehen bleiben, das Mondlicht die Figuren skizziert, wobei es das einzige Licht im Haus liefert. Die Sequenz entwickelt sich von einem ruhigen, unbehaglichen zu einem totalen Wettlauf ums Überleben Action-Horror-Stück, das seine schrecklich schöne Atmosphäre aufrechterhält sowie ein hohes Maß an Spannung in den Film einfließen lässt. Es handelt sich um keinen spaßigen Horror, da kann man sich sicher sein, obwohl der Film eventuell auf diesem Level beginnt. Dead & Buried entwickelt sich zu etwas mehr, nämlich einem fabelhaften Stück Horrorfilmgeschichte, welches das Genre sehr gut versteht.

Dead & Buried ist ein hervorragendes Beispiel dafür, was einen guten Horrorfilm ausmacht. Der Film präsentiert sich nie subtil, stellt aber auch kein übertriebenes Gore-Fest dar. Hier werden Geschichte sowie Charaktere in den Vordergrund gestellt, während sich eine ebenso abschreckende wie ungewöhnliche Handlung mit einem Twist-Ende aufbaut, das man zu den besten des Genres zählen kann. Tot & begraben hat zu Recht Kultstatus erreicht. Hoffentlich wird die gute Blu-ray Veröffentlichung von Capelight Pictures das Bewusstsein und die Akzeptanz für dieses nette Stück Horrorfilmgeschichte erhöhen.

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 1.77:1, 16:9 – 1.78:1
  • Alterseinstufung: ‎Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur: ‎Gary Sherman
  • Medienformat: ‎PAL
  • Laufzeit: ‎1 Stunde und 29 Minuten
  • Darsteller: James Farentino, Melody Anderson, Jack Albertson
  • Untertitel: ‎Deutsch
  • Sprache: ‎Deutsch (DTS-HD 7.1), Englisch (DTS-HD 7.1)
  • Studio: ‎Capelight Pictures

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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