Transylvania 6-5000

Neue Beweise für die Rückkehr des Frankenstein-Monsters zu finden, so lautet der Auftrag für zwei amerikanische Journalisten, die zu diesem Zweck nach Transsylvanien reisen: der über Ernste, realistische Jack (Jeff Goldblum) und der neurotische, auf eine Story versessene Gil (Ed Begley, Jr.). Vor Ort erwartet sie zwar nicht die Kreatur, auf die sie es abgesehen haben, aber ein Panoptikum der schrägsten Typen, die alle einen unheimlichen Touch haben, darunter ein einfühlsamer Wolfsmensch, ein erotisierter Vamp (Geena Davis), der sich als Vampir ausgibt, ein schräges Dienerpaar, eine Mumie und ein Bürgermeister, der etwas zu verbergen hat. (Wicked-Vision Media)

Mitte der 80er Jahre war es nur natürlich, dass Hollywood damit begann, die Grundlagen zu dekonstruieren und zu parodieren, die durch eine jahrzehntelange Vorherrschaft von Studios wie Universal und Hammer sowie deren Erfolg gegenüber dem Mainstream-Horrorkino geschaffen wurden. Viele der filmischen Konzepte und Monster, die sich genauso in der Populärkultur eingenistet haben, wie sie in die Annalen der Kinogeschichte eingegangen sind, lassen sich noch heute als Blaupausen für viele Horrorfilme (und Rip-offs) lesen. Ende der 70er Jahre begannen Michael Myers, Freddy Krueger, Jason Voorhees und eine Vielzahl von weiteren Slasher-Bösewichten dem Kinopublikum das Fürchten zu lehren und die alten (im Gegensatz eher lächerlich wirkenden) Hollywood-Monster damit „endgültig“ abzulösen. Wie es bei allen Film-Genres der Fall war und ist, hatten auch die Monsterfilme irgendwann die letzte Stufe ihres Zyklus erreicht: die Parodie. Vampire, Werwölfe, Mumien und die siebenbürgische Ikonographie waren komplett ausgeschöpft und für das Publikum der 80er sowieso überhaupt nicht mehr gruselig gewesen. Die Monstersymbolik wurde fortan von der kommerziellen Halloween-Saison beherrscht und verlor dadurch sogar noch mehr an kollektivem Schrecken und echtem Horrorpotential gegenüber einer Generation trächtig mit Slasher-Filmen. Dank der zyklischen und parodistischen Behandlung von Monsterfilmen können die legendären Monster der filmischen Vergangenheit genauso wie deren Genre-Konventionen jedoch neu erfunden werden. Angst verwandelte sich in selbstreflexives Lachen und bereitete die Monster-Parodie auf einen weiteren Erfolg in den 80ern vor.

Transylvania 6-5000 mag den meisten Zuschauern aufgrund des Mitwirkens von Jeff Goldblum in Erinnerung geblieben sein; ein damals noch recht frisches Gesicht in Hollywood, das in diesem speziellen Film in die satirische Rolle eines zentralen Charakters schlüpft. Doch auch für seinen ausgefallenen, etwas gewöhnungsbedürftigen Humor erweist sich Transylvania 6-5000 als erinnerungswürdig. Im Gegensatz zu anderen Komödien dieser Art (Horror-Parodien) aus den 80er Jahren, verlässt sich Transsylvania 6-5000 nicht auf den Erzählstil der National Lampoon Filme, der sich lediglich auf die allzu offensichtlichen Handlungen seiner Figuren stützt, sondern lässt stattdessen den Witz aus dem Dialog entstehen und offenbart damit etwas, das nicht jedermanns Sache sein dürfte. Der Film liefert einen trockenen, nischenhaften Sinn für Humor, der die Randbereiche des Publikums anspricht und den Mainstream umgeht. Nichts ist in Siebenbürgen 6-5000 sicher. Der Film parodiert Dracula (mit Geena Davis als nymphomane „Vampirin“ Odette), Frankenstein (hier das zentrale Monster des Films) und Der Wolfsmensch (jetzt ein sensibler Kerl im Zeitgeist der 80er Jahre). Alles wird kollektiv auf den Prüfstand gestellt und satirischen Kommentaren, Selbsterkenntnis sowie ungeschickter Parodie unterworfen. Goldblums Charakter fasst die vielen Wahrheiten des berühmten Siebenbürgens am besten in einem Satz zusammen, indem er erklärt: “Translyvania is actually pretty cute”. Regisseur und Drehbuchautor Rudy De Luca (der später das Skript zu Mel Brooks Dracula – Tot aber glücklich schreiben sollte) nutzte Goldblums komisches Timing und trockenen Humor, um das Publikum von Anfang an zum Kichern zu bringen. De Luca, der bereits mit Mel Brooks zusammengearbeitet hatte, entwickelte allerdings ein eher mittelmäßiges Drehbuch, das sich inhaltlich auf das Wissen des Publikums über das klassische Hollywood-Studio-Horror-Multiversum verlässt. Funktioniert das? Ja, tut es. Doch die Komödie kommt oft zu kurz, indem sie nur seichte Unterhaltung zu bieten weiß, anstatt lautes Gelächter zu erzeugen.

Der Titel Transylvania 6-5000 allein ist schon seltsam, wurde allerdings von einem Bugs Bunny Zeichentrickfilm (1963) übernommen, wozu ein Glenn Miller Song namens Pennsylvania 6-500 parodiert wurde, um das Titelthema des Films bilden zu können, das während des Vorspanns gespielt wird. Das Entschlüsseln dieser Parodie bestimmt den Ton des Films bevor er überhaupt richtig angefangen hat und setzt wieder intertextuelles Verständnis voraus. Witzigerweise wurde der Film seinerzeit von der Kritik verrissen, wahrscheinlich weil dessen trockene Herangehensweise an das Thema Komödie nicht gut mit dem turbulenten Filmklima von 1985 harmonieren wollte, das mit Komödien wie Zurück in die Zukunft, Fletch – Der Troublemaker, The Breakfast Club, Die Goonies, L.I.S.A. – Der helle Wahnsinn, Susan … verzweifelt gesucht, Pee-wees irre Abenteuer und Teen Wolf (um nur einige wenige zu nennen) überflutet wurde. T6-5000 ist jedoch nicht für die großen Lacher des Mainstreamkino-Publikums geeignet, sondern offenbart die Lächerlichkeit, die im Realismus des Hollywood-Horrors oft zu finden ist und verwandelt ihn für das zeitgenössische Publikum in eine Parodie. Möglicherweise bestand das Problem des Films darin, dass er nicht so „dämlich“ war wie Jim Careys jugendlicher Vampir-Streifzug Einmal beißen bitte oder so „intelligent“ wie der Über-Budget-Klassiker Zurück in die Zukunft. T6-5000 befindet sich irgendwo in der Mitte des Spektrums und zielt darauf ab Bücherwürmer und/oder Allwissende-Horror-Kritiker herauszufordern die Vielzahl von Witzen verstehen und genießen zu können, die sich auf Wissen über Filme, Legenden und Pop-Kultur stützen.

Transylvania 6-5000 könnte als Vorläufer der Horrorkomödie 5 Zimmer Küche Sarg (2014) angesehen werden, in der das Horrorgenre in den Mittelpunkt gerückt und dekonstruiert wird, damit das Publikum die geliebten Monster (von denen man immer weniger zu sehen bekommt) gleichzeitig bewundern und verhöhnen kann. Natürlich nur, wenn man Van Helsing von 2004 nicht in die oben genannten Filme einordnet. Monster dieser Art scheinen sich noch immer im letzten Zyklus der Parodie zu befinden, obwohl bereits versucht wurde sie als Reboots (Die Mumie) neu zu starten. Ein Hinweis darauf, dass der Zyklus noch nicht erfolgreich abgeschlossen worden ist. Das ehemalige Jugoslawien als Drehort ähnelt dem unheilvollen Land der Monster zweifellos, präsentiert sich in Erzählung, Dialog und trockenem Humor allerdings vollständig amerikanisiert. Insgesamt bleibt Transylvania 6-5000 hinter dem maßgebenden Monster-Mash Titel Monster Busters (The Monster Squad) von 1987 zurück, wobei der Streifen diejenigen Filmliebhaber anspricht, die Absurdität, Parodie und albernes Kichern zu schätzten wissen, ohne den zehnten National Lampoon Film zu erwarten.

Wicked-Vision Media veröffentlicht Transylvania 6-5000 als Nummer 28 ihrer Collector’s Edition im Mediabook (BluRay und DVD), mit drei verschiedenen Cover-Motiven, die jeweils limitiert sind. Bild (1,85:1/1080p) und Ton (Deutsch + Englisch DTS-HD Master Audio 2.0) bewegen sich auf hohem Niveau, da kann man nicht meckern. Deutsche oder englische Untertitel können zugeschaltet werden. Extras: 24-seitiges Booklet mit einem Text von David Renske in Deutsch und Englisch / Audiokommentar mit Regisseur Rudy DeLuca und Visual Consultant Steve Haberman / Audiokommentar mit James Chandler und Ash Hamilton von Horror-Fix.com / Trailer / TV-Spots / Bildergalerie und Storyboard. Insgesamt handelt es sich bei Transylvania 6-5000 um eine äußerst gelungene Mediabook-Edition, die bei Liebhabern und Freunden von Monsterfilm-Parodien enorm gut ankommen sollte. Allerdings mit Sicherheit nicht jedermanns Humor trifft.

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Darsteller: Norman Fell, Carol Kane, Jeffrey Jones, Geena Davids, Joseph Bologna
Regisseur(e): Rudy De Luca
Untertitel: Deutsch, Englisch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Wicked-Vision Media
Produktionsjahr: 1985
Spieldauer: 94 Minuten

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Die Screenshots wurden von der DVD aufgenommen !!!

Diese Edition wurde uns freundlicherweise von Wicked-Vision Media zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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