Two-Lane Blacktop (Asphaltrennen)

Two-Lane Blacktop ist ein legendärer Roadmovie von Monte Hellman (China 9, Liberty 37) aus dem Jahr 1971. Einige (viel zu lange) Zeit nach dem Erscheinen einer lange überfälligen Criterion Version des Klassikers erscheint dieser nun auch bei Koch Media hierzulande in einer angemessenen Fassung.

Der Film handelt von dem Fahrer (James Taylor) und seinem Mechaniker (Dennis Wilson), die mit einem als Drag-Car aufgemotzten alten Chevy durch das Land düsen, von einem Rennen zum nächsten. Sie gabeln eine Anhalterin (Laurie Bird) auf, doch auch das lässt die beiden nicht so recht aus dem Konzept bringen, dass da lautet: von Rennen zu Rennen leben und immer ein wenig bescheiden dicke Wetten an Land ziehen, nur um mit der alten Kiste dann problemlos zu gewinnen. Als sie der Fahrer eines Pontiac GTO (Warren Oates) verfolgt und provoziert, fordern Sie ihn zu einem Rennen bis and die Küste heraus. Für „slips“, also die Zulassungspapiere. Alles oder nichts also heißt es für die Autonarren…

Monte Hellmann schuf mit seinem minimalistischen Roadmovie einen Kultfilm der heute in der Library of Congress als kulturell signifikant aufbewahrt wird. Die kultigen Autos, die kargen Landschaften, die Laiendarsteller, Two-Lane Blacktop ist ein melancholischer Trip durch die Vereinigten Staaten, der nicht die legendäre kraft von Easy Rider hat, oder die Action-Fokussierung von Gone in 60 Seconds, er ist auch nicht abgedreht wie Dirty Mary, Crazy Larry: er ist eine kunstvolle Momentaufnahme einer ziellosen Generation, voller Bildsprache und einer guten Dosis Unerfülltheit.

Richtig ergriffen hat mich der Film allerdings nicht. Es ist eben gerade nicht Easy Rider, das wäre eine Übertreibung. Der Film ist ruhig, ein wenig melancholisch, er sieht gut aus, es gibt interessante Dialoge und natürlich coole Autos. Aber er hat mich nicht sonderlich unterhalten, es fehlt ein Ende, eine Aussage, eine Kontroverse, was auch immer. Fand ich zumindest. Und so war ich letztlich ein klein wenig enttäuscht. Mit der Betrachtung der Extras und den nochmaligen Sichtungen mit Audiokommentaren wächst einem der Film aber stärker ans Herz, man beginnt ihn visuell besser zu schätzen, und er eröffnet doch neue Perspektiven.

Laurie Bird, die spätere Lebensgefährtin von Art Garfunkel die sich noch im gleichen Jahrzehnt das Leben nahm, verleiht dem Film ein dringend notwendiges Quentchen Freigeist und Frische, neben der eher hölzernen Performance der Hauptdarsteller. Denn die Truppe aus James Taylor, dem Beachboy Wilson, und  Warren Oates (dem Peckinpah Mann) spielt zwar gut, aber ich denke mir manchmal hätte der Film mit einem besseren Führungsduo mehr gerissen. Monte Hellman ist es, der hier einfach ein sehr mutiges Autorenkino hinlegt finde ich, aber eben kein epochales Meisterwerk.

Wie auch die Nouvelle Vague des französischen Kinos auch, so sind die Filme der amerikanischen Äquivalente Kinder ihrer Zeit und bedienten ein Publikum dass sich kulturell auslebte, Grenzen erkundete und turbulente Zeiten erlebte, also auf der Leinwand gar nicht unbedingt Kurzweil suchte, sondern Interpretationsräume. Two-Lane Blacktop zeigt – und das fand ich immerhin sehr positiv – mit deutlich weniger Aufgeregtheit als seine bekannteren Genrevertreter ein USA-Bild dieser Zeit abseits der Hotspots, ohne große Moralpredigten und mit mehr Herz und ruhiger beobachtender Linse. Der Film lädt also noch viel mehr als andere  zur Diskussion und Reflexion ein. Und ja, es gibt coole Autos.

Der Klassiker erscheint ende Juli erstmals hierzulande in HD bei Koch Media, und das auch noch in einem hübschen Mediabook (BluRay plus 2 DVDs). An Tonspuren gibt es Deutsch (DTS-HD 2.0), Englisch (DTS-HD 2.0), Englisch (DTS-HD 5.1 – getestet). Deutsche und Englische Untertitel liegen bei, gut so. Die 5.1 Spur ist laut der Criterion Website mit Hellman entstanden, wenn es exakt die ist, die hier verwendet wurde (könnte sein). Ob das Bildmaterial das gleich ist, wäre interessant zu wissen. Das Bild sieht jedenfalls sehr gut aus, da gibts nix zu meckern, außer vielleicht was etwas sehr dunkle Szenen betrifft.

Die Extras decken sich teilweise mit der Criterion Edition. Trailer (US-Trailer, kam mir vor als enthielte er Aufnahmen die nicht im Film auftauchten, darauf geht Siegel aber auch später ein); Super informativer und auch unterhaltsamer Audiokommentar mit Monte Hellman und Regisseurin Allison Anders (Four Rooms) – warum Produzent Gary Kurtz genannt ist verstehe ich nicht; ein neuer Audiokommentar von Filmkenner Mike Siegel (Pendechos) der nochmal ganz neue Blicke auf den Film wirft (denn Hellmann und Anders erzählen ja eher von der Entstehung des Films, Siegel betrachtet ihn eher historisch, aber auch als Fan); der mit Rudy Wurlitzer und David N. Meyer von der Criterion ist leider nicht enthalten; Featurette „On the Road Again: Two Lane Blacktop Revisited“ (42min, Hellmann besucht mit seinen Studenten einige Locations und erzählt vom Film)Featurette „Somewhere near Salinas“ (27min, hier spricht Hellman mit Kris Kristofferson, ebenso wie das andere bereits 2007 entstanden)Videopiece „Sure Did Talk to You“ (23min, im gleichen Jahr entstanden, hier u.a. mit Production Manager Walter Coblenz, Jared Hellman der damals noch ein Kind war, Steve Gaydos von Variety, Dennis Bartok von der American Cinemathek und Produzent Michael Laughlin)Screentests mit Taylor und Bird; Bildergalerie; Booklet von Mike Siegel (lag mir zur Rezension nicht vor). Dann gibts das ganze für die Masochisten noch als DVD Version.

Insgesamt ist das ganze ein Muss für Cineasten und solche die es sein wollen, und natürlich Pflicht für Hellman Fans und 60s Kino.

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Die BluRay wurde uns von Koch Media zur Verfügung gestellt

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Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

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1 Antwort

  1. 31. Juli 2017

    […] Sebastian von Nischenkino bespricht „Two-Lane Blacktop“, den er zwar mochte, mit dem er aber auch nicht so richtig warm wurde. Bluntwolf wiederum nimmt […]

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