U-Turn

U Turn ist ein Thriller von Oliver Stone aus dem Jahr 1997.

Der verschuldete Bobby (Sean Penn) hat auf dem Weg nach Las Vegas in einem verlassenen Wüstenkaff in Arizona eine Autopanne. Während er sein Auto bei dem hinterlistigen Mechaniker Darrell (Billy Bob Thornton) lässt, gerät er in dem Städchen teils ungewollt teils selbst verschuldet in ein tödliches Liebesdreieck, als er der hübschen Grace (Jennifer Lopez) in die Arme läuft. Ihr Mann, der Politiker McKenna (Nick Nolte), hingegen hat die Nase von seiner Spielchen spielenden jungen Frau voll, und schlägt Bobby vor, dass dieser sie für Geld umbringt, und es wie einen Unfall aussehen lässt. Doch die dreht den Spieß um, wickelt ihn um den Finger, und schon steckt Bobby tief im todgefährlichen Labyrinth dieses kleinen Nests, unsicher wer wen hintergeht…. doch er braucht das Geld, denn die Gläuberiger sind hinter ihm her und sein Auto kaputt….

U Turn

Bevor ich näher auf den Film eingehe, was mich an dem Film aus heutiger Sicht nochmal besonders interessiert hat ist die Besetzung in den diversen Nebenrollen. Da wäre einmal Powers Boothe (Extreme Prejudice in dem er auch mit Nick Nolte auf der Leinwand zu sehen ist) als Sheriff, dann taucht da auf Jon Voight (Coming Home) als ein blinder Bettler, Bo Hopkins (From Dusk Till Dawn 2), außerdem Claire Danes (Homeland) und Joaquin Phoenix weit vor deren Durchbrüchen, und in einer Szene ist sogar kurz Liv Tyler (Stealing Beauty) zu sehen. Vor allem Phoenix war mir nach all den Jahren noch gut in Erinnerung. Seine Rolle in Walk the Line hat er vermutlich deshalb bekommen, weil er hier schon als Rockabilly auftritt und dann Johnny Cash aus der Jukebox trällert.

Noch eine kleine Exkursion. U Turn kam 1997 in die Kinos und basierte auf dem Roman Stray Dogs, den Stone lizenzierte noch bevor er erschien. Für mich war U Turn aber schon immer sowas wie ein Remake des sträflich wenig beachteten Red Rock West aus dem Jahr 1993 (Amazon) mit Nicolas Cage und Dennis Hopper (da hatte ich vor vielen Jahren schon mal zu geschrieben). Vielleicht hat der Romanautor ja Red Rock West gesehen, aber ich finde jedenfals beide Filme unglaublich ähnlich. Witzigerweise gibt die Trivia zu Red Rock West her, dass man den Film zum Rytmus von Ennio Morricone gedreht hat, der für U Turn den Soundtrack dann beisteuerte, also noch eine Parallele. Und jetzt wirds kompliziert: Red Rock West ist eigentlich noch älter, denn die Produktionsfirma saß eine Weile untätig auf dem Film bis man ihn schließlich auf Festivals brachte aber letztlich nie wirklich in die Kinos.

U Turn

Genug der Trivia. U Turn entstand in einer Zeit, in der Oliver Stone noch hip, cool und edgy war, und kam drei Jahre nach dem stilistisch streckenweise nicht unähnlichen Natural Born Killers raus, der wiederum lose auf einem Drehbuch von Quentin Tarantino basierte (im Gegensatz zu True Romance aber nicht zur Freude von Tarantino). Das war auch die Phase in der Stones Haus und Hof-Fotograf sozusagen noch Bob Richardson war, der aber jetzt schon seit vielen Jahren zusammenarbeitet mit…. Quentin Tarantino. Sowohl für Richardson als auch Stone könnte man sagen waren die 90er ein Experimentierfeld, das merkt man an den visuellen Stilmitteln, der inneren Unruhe und der nicht ganz runden Bildsprache. Spätere Werke beider sehen anders aus, und auch noch frühere sahen anders aus.

Die Musik für U Turn kommt weitgehend wie schon erwähnt von Ennio Morricone, das war mir so gar nicht mehr klar, aber das letzte mal dass ich diesen Film sah war auch schon Ewigkeiten her. Ich finde das nicht ganz zum Film passend, aber U Turn ist ja ohnehin ein Experiment, insbesondere bei Schnitt und Montage, sehr schrill, da passen Ennios Mandolinen letztlich doch noch ganz gut. All das, plus Sean Penns Starpower, Billy Bobs eklige Aufmachung, Voights irres Outfit und J-Lo’s wohl doch nciht teuer versicherter Hintern konnten dem Film aber kaum Erfolg bescheren, dann dann auch noch für eine Goldene Himbeere nominiert wurde. Damals wie heute konnte man vermutlich eben wegen dieses experimentiellen Stils, dem etwas hyperaktiven paranoiden Vibes und den unsympatischen Figuren, nicht viel anfangen. All das umso mehr vielleicht ein Grund, sich Red Rock West mal genauer anzusehen, der gleiche Film quasi, ohne Stones Experimente. Ne, keine Sorge, ich höre schon auf für den Konkurrenzfilm Werbung zu machen, liebe Lesende.

Ich möchte auch den Film gar nicht schlecht machen. Aber ich weiß rückblickend nicht, was wir so cool an diesem Film fanden damals. Er ist stellenweise wirklich hahnebüchen, vielleicht machte uns pubertierende Jungs damals Jo-Lo im kurzen Röckchen einfach ähnlich gaga wie den Protagonisten hier im Film, wer weiß. U Turn ist voll und ganz 90er: irgendwie nichts halbes und nichts ganzes, kein echter Neo-Noir, aber auch kein echter Erotikthriller, und auch kein echter Western (Red Rock West schlägt diese Richtung eher ein) und Stone schafft es nicht so wirklich, die diversen Charaktere des Films zu einem großen Ganzen zusammenzubinden. Es ist ein etwas schräges Abenteuer, mit ein paar recht coolen Szenen an die man sich gut erinnert, aber es bleibt ein wenig ein Kuriosum in Stones Filmografie.

Mit der BluRay bekommt man wie so oft nochmal eine neue Chance, den Film zu entdecken bzw. wieder zu entdecken und sich eine frische Meinung des Films nach all den Jahren zu bilden. Vielleicht erkennt man ja verkannten Charme in dem Film oder kann darüber lachen wie „kultig“ er damals war, in der Zeit als jeder einen auf Tarantino machen musste und Gangsterfilme irgendwie immer auch Roadmovie und RocknRoll-Video waren. Kein übler Film, aber jedenfalls für mich, lediglich ein Schatten der Erinnerung an eben denselben.

Die BluRay bietet etwas grieseliges Bild, aber das ist bei Stone sehr oft Stilmittel und von Richardson auch salonfähig gemacht. Insgsamt sieht die BluRay wenn man dies berücksichtigt recht gut aus. Keine Referenzscheibe aber total solide. Was mir ein wenig weniger gefiel ist die Dominanz der Filmmusik bei der Tonspur (Englisch getestet), was teilweise geminderte Dialogverständlichkeit mit sich bringt. Die Filmmusik kann man letztlich auch gesondert auswählen, für Fans von Ennio Morricone womöglich interssant. Deutsch und Englisch liegen jeweils als 5.1 DTS-HD MA Spuren vor, wobei sich Surroundeffekte eher in Grenzen halten. Untertitel gibt es auch auf Deutsch und Englisch.

Diese Edition im Mediabook kommt mit ein paar interessanten Extras. Der Kommentar von Oliver Stone ist erstaunlich unterhaltsam und auch selbstkritisch. Man erfährt viel über den Film aber auch dessen Probleme und Stone’s Hintergründe dazu. Er ist ein guter Erzähler. Der Kommentar von Phoenix Pictures-Chef und Produzent Mike Medavoy und Nick Redman ist deutlich technischer und Business-orientierter und wirkt dadurch distanzierter, aber ist nicht minder interessant. Beide Kommentare zusammen genommen vermitteln einen wirklich umfänglichen Blick auf den Film, und egal was man heute davon halten mag, bietet er viel Raum für Interpretation und er kommt aus einer Zeit von Stones Schaffen aus der es viel zu erzählen gibt. „Movies, Politics and History: Ein Gespräch mit Olivers Stone“ (85min) ist eine Aufzeichnung einer Diskussion an der University of California Berkeley von 2016. Stone ist natürlich nicht nur als Filmemacher bekannt sondern auch als kritische Stimme im politischen Diskurs, als kontroverse Stimme gar, vor allem in seiner späteren Karrierephase, und nicht zuletzt als Macher der JFK Filme als politischer Regisseur bekannt. Stone ist auch hier natürlich gut und unterhaltsam, angefangen von seiner tiefen Stimme, aber jenseits von seinem Leben und Schaffen geht es natürlich um politische Themen und man muss ein klein wenig akademisches Interesse mitbringen um dieses Extra zu genießen, aber ich finde es großartig dass es auf der Scheibe enthalten ist. Es gibt sicher viel mehr solcherlei Material aber man sieht es zu selten auf BluRays. Einführung von Oliver Stone (2:47min), der seinen Film selbst als einen seiner seltsamsten bezeichnet. Man kann diese Intro auch vor dem Film sehen, jedenfalls sind keine wirklichen inhaltlichen Spoiler dabei, allerdings sind seine Bemerkungen schon zu Filmszenen geschnitten, und das gibt natürlich schon etwas vom Film preis. Hinzu kommt eine Bildergalerie und die Trailer. Auf der DVD ist das UC Berkeley Extra übrigens nicht enthalten.

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U Turn BluRay
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Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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