Über den Todespass (The Far Country)

The Far Country

The Far Country ist ein Western bzw. Goldgräber-Abenteuer von Anthony Mann aus dem Jahr 1954 mit Jimmy Stewart in der Hauptrolle, und Walter Brennan an seiner Seite.

Jeff Webbster (Stewart) und sein Weggefährte Ben Tatum (Brennan) treiben ihr Vieh nach Skagway am Yukon (Alaska). Als sie versehentlich eine Hintrichtung stören, lässt der Richter Gannon (John McIntire) die Herde konfiszieren und sie stehen mit nichts da. Sie heuern als Begleiter für einen Treck nach Dawson City hinter der Grenze in Kanada an. Doch nachts klauen sie kurzerhand die Herde und machen damit über die Grenze, wo Gannon ihnen rein rechtlich nichts anhaben kann. Mit von der Partie ist auch die junge Renee (Corinne Calvet). In Dawson angekommen, einer Goldschürferstadt ohne Recht und Gesetz, Infrastruktur oder Moral, verhökert er die Herde an die höchstbietende Ronda Castle (Ruth Roman), die eigentlich in Skagway auf Gannons Seite stand. Er und Ben kaufen Schürfrechte und machen Zaster, während Sheriff Rube (Jay C. Flippen) Mühe hat, Ordnung sicherzustellen, nachdem Ronda einen Saloon zusammen mit Gannon aufmacht, der mit brutalen Methoden entweder an das geschürfte Gold oder direkt die Claims gelangt. Jeff hält sich weiterhin raus, doch als es ihn und Ben direkt trifft, muss er Partei ergreifen…. und sich unter anderem Frank Newberry (Jack Elam), einem von Gannons Schergen, stellen.

The Far Country

Wow, was für ein Film. Ich hatte mich lange darauf gefreut, und meine Erwartungen wurden übertroffen. The Far Country ist ein opulentes, spannendes, gut gespieltes, ausgewogenes, sowohl genretypisches als auch genre-übergreifendes Abenteuer, das überrascht, unterhält, schockt und unterhält. Bis ins Detail gut besetzt, spannend, vielfältig. Nie langweilig und überraschend.

Zunächst muss man konstantieren dass sich Stewart und Brennan in ihrem Zusammenspiel ebenso wohl fühlen wie das Filmteam im fernen Alaska: irgendwie ist das eine ganz widrige Gegend und das Leben findet unter widrigsten Bedingungen statt, und doch kämpft man sich durch, mit einem lockeren Spruch auf den Lippen und dem Gewehr im Anschlag. Es ist ein wilder Ritt, den der Film abdeckt, von den kleinen Gaunereien im Goldgräber-Städchen an der Küste, wo die Goldgräber quasi an zentraler Stelle ihrer Reichtümer entledigt werden über den gefährlichen Pass bis Tief nach Kanada, wo Recht und Ordnung erst einziehen, nachdem Monate lang Anarchie herrscht. Es ist eine Welt der schnellen Colts und der Glückspilze, der Hartgesottenen und Gewieften.

The Far Country

Mann schafft den Spagat aus unterhaltsamem Abenteuerfilm und hartem Western. Der Film ist mithin gar nicht zimperlich, im Gegenteil. Aber die Leichen, wie sie fallen, sind weder Schauwert noch Schockinstrument, sondern natürlicher Begleiter der Menschen auf diesen Abenteuern. Dass wir hier mit einigen soziopolitischen Konventionen zu tun haben und vielleicht sogar ein wenig Sozialkritik, das kriegt man auch als heutiger Zuschauer übrigens maximal noch dadurch mit, dass z.B. Corinne Calvet eine scheinbar viel jüngere Person spielen soll (Zöpfe und Mütze, das musste reichen um junges Alter zu simulieren) und natürlich das typisch amerikanische zwiespältige Verhältnis zu Recht und Regierung, wenn einer ketzerisch in den Raum wirft, wessen Recht und Regeln es denn seien.

The Far Country

The Far Country bietet großartige Unterhaltung und Spannung, viele großartige Szenen mit flinken Dialogen und bissigem Kommentar und natürlich die ein oder andere brenzlige Action-Sequenz. Es ist ein ganz großer Vetreter seines Genres, ein Film der ganz viel rein packt und nicht am Gewicht seiner Ambitionen erstickt sondern gekonnt über die Ziellinie bringt.

The Far Country

Die BluRay bietet sowohl den Transfer von 2010 als auch den neueren 4K Transfer von 2019 (aufgrund dessen sich diese Veröffentlichung ja verzögert hatte). Der neuere ist auch der klare Sieger, das zeigt nicht nur ein direkter Vergleich der unter den Extras enthalten ist, sondern auch ein genauerer Blick darauf, worin die beiden „Restaurationen“ sich unterscheiden (die Welt hat sich ja auch weiter gedreht, und die Möglichkeiten heute sind andere als noch vor knapp 10 Jahren). Der 2019 Transfer sieht großartig raus. Er leidet zwar ein klein wenig unter mangelnder Schärfe, aber gleicht das aus durch eine hohe Auflösung und Detailreichtum. Der 2010er sieht nur vermeintlich schärfer aus, denn bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass man sich diese wahrgenommene (aber nicht tatsächliche) Schärfe der Konturen erkauft hat durch sehr starken Einsatz von digitalen Rauschfiltern und Kantenglättung. Zwar ist auch bei der 2019er Restauration der Einsatz von Kantenglättung zu vernehmen, aber er setzt viel später ein, während die 2010er Version bei genauem Hinsehen zu einem Pixelbrei verkommt. Ja, der neue Transfer sieht etwas blass aus, aber für einen Film aus den späten 50ern ist das auch völlig normal. Ich finde es großartig, dass Explosive Media lieber verschoben hat und auf die angekündigte Neu-Abtastung gewartet hat. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, und lässt diesen überwältigenden Klassiker in neuem Licht erscheinen. Außerdem enthalten ist ein Vergleich, der die 1,85:1 mit 2,00:1 Bildverhältnisse vergleicht. Das ist instruktiv, aber da beide enthaltenen Transfers in 1.85:1 vorliegen kein Rückschluss auf eine der Versionen. Das breitere Seitenverhältnis durch stärkere Maskierung dürfte zum Beispiel in Kinos mit ganz großer Leinwand, wie dem Cinerama Dome in LA zu sehen gewesen sein. Ansonsten gibts auf der Scheibe noch den Trailer und diverse Bilder. Man kann zwischen Englisch (getestet) und der deutschen Synchronfassung wählen, Untertitel gibt es ebenso. Der Ton klingt ganz okay.

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Die BluRay wurde uns freundlicherweise zur Rezension zur Verfügung gestellt.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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