Von Corleone nach Brooklyn / Da Corleone a Brooklyn / From Corleone to Brooklyn

VHS – Edition

Mord an Roms Mafia-Boss Salvatore Santoro! Giorgio Berni (Maurizio Merli), Chef des Anti-Mafia-Dezernates, fährt nach Sizilien, um die Ermittlungen zu leiten. Als Auftraggeber verdächtigt er Michele Barresi, den allmächtigen „Paten“ von Palermo. Aber Berni braucht einen Zeugen! Einer von Barresis Männern, Salvatore S., ist bereit, das tödliche Mafia-Gesetz des Schweigens zu brechen… Berni spielt eine riskante Karte. Er will mit seinem Zeugen nach New York fliegen, um Palermos mächtigen Mafia-Boss zu überführen. Wird es ihm und seinem Zeugen überhaupt gelingen, New Yorker Boden lebendig zu betreten?! (VPS-Video)

Kurzinhalt inkl. Spoiler !!!

Nach dem Mord an Salvatore Santoro in Rom wird Kommissar Giorgio Berni (Maurizio Merli), der den Fall bearbeitet, nach Palermo geschickt, um mit Kommissar Danova (Venantino Venantini) zusammenzuarbeiten, da es gute Gründe zur Annahme gibt, dass Santoro im Auftrag der Mafia getötet worden ist. Währenddessen verhaftet Lieutenant Sturges (Van Johnson) von der New Yorker Polizei einen Mann, der sich als Vito Ferrando ausgibt, des Drogenhandels verdächtigt wird und keine Ausweispapiere vorweisen kann. In Sturges Bericht, den er nach Palermo schickt, heißt es, Ferrando könnte eigentlich Mafia-Boss Michele Barresi (Mario Merola) sein, der bereits wiederholt der Justiz entkommen konnte. Barresi wird unterdessen von dem Verbrechen in Rom freigesprochen, ließ in der Zwischenzeit jedoch Francesco Santoro, Salvatores Bruder, in Palermo umbringen. Damit ihm auch dieser Mordauftrag nicht zum Verhängnis werden kann, sollen die beiden einzigen Zeugen der Tat – seine Geliebte Liana Scalia (Sonia Viviani) und einer der Attentäter, ihr Bruder Salvatore Scalia (Biagio Pelligra) – aus dem Weg geräumt werden. Liana wird somit von einem von Barresis Männern erschossen, während ihr Bruder der Polizei in die Hände fällt. Berni erhält daraufhin von seinen Vorgesetzten die Erlaubnis, den Gefangenen höchstpersönlich nach Amerika zu überstellen, da Scalias Aussage für Barresis Verurteilung von entscheidender Bedeutung sein könnte. Die Reise von Palermo – der Kommissar und sein Gefangener begeben sich zunächst mit dem Zug auf den Weg nach Rom, bevor sie dann zur Sicherheit lieber mit einem Taxi weiterfahren (um ihre Spuren zu verwischen), bis sie ihre Tour schließlich mit dem Flugzeug fortsetzen – in die Vereinigten Staaten erweist sich als enorm gefährlich, weil die Gangster selbstverständlich versuchen den für sie äußerst lästigen Zeugen auszuschalten. Nachdem sich Berni in der Wohnung seiner Ex-Frau Paola (Laura Belli) in Rom versteckt hat, gelingt es ihm letztendlich Barresis Männer los zu werden und nach New York City zu gelangen. Dort angekommen, kann er den Mord an Scalia allerdings nicht mehr verhindern: Der Zeuge wird direkt vorm Gerichtsgebäude erschossen. Scalia hatte jedoch eine schriftliche Zeugenaussage verfasst, die Barresi stark belastet.

Von Corleone nach Brooklyn stellt in vielerlei Hinsicht ein symbolisches Werk innerhalb der poliziotteschi dar. Umberto Lenzis Film löst die düstere Melancholie eines schwindenden Genres in einer ahnungslos initiierten Reise (sowohl des filone, als auch seines symbolischen Helden) zu seinen eigenen fernen Ursprüngen jenseits des Ozeans auf. Darüber hinaus markiert Von Corleone nach Brooklyn mit dem symbolischen Zusammenschluss seiner beiden größten Stars das natürliche Aufeinandertreffen – sowohl thematisch als auch kommerziell – des reinen Kriminalfilms und seiner neapolitanischen Variante, der Sceneggiata (eine für Neapel typische Form des musikalischen Dramas). Franco Micalizzis herausragender Score widmet dem „Eisernen Kommissar“ sowie seinem Mafioso-Gegenspieler sogar zwei gegensätzliche Themen.

Der Film wurde wie ein Roadmovie angelegt, mit einem Blick auf Clint Eastwoods The Gauntlet (Der Mann, der niemals aufgibt, 1977), aber auch auf die Tradition des italienischen Kinos und der „commedia all’italiana“. Es erscheint zudem so, als hätte Von Corleone nach Brooklyn irgendwie die Lektionen aus Luciano Salces Il federale (Zwei in einem Stiefel, 1961) und Dino Risis Il sorpasso (Verliebt in scharfe Kurven, 1962) absorbiert – zwei Filme, die auf Konflikten zwischen zwei gegensätzlichen Charakteren während einer Reise durch Italien aufbauen, die sich zu einer Reflexion über Geschichte, Moral und soziale sowie kulturelle Widersprüche des Landes entwickeln. Lenzi nimmt die schwere Last auf sich, die poliziotteschi zu Grabe zu tragen, obwohl weder ihm noch seinen Mitstreitern bewusst ist, dass es sich nicht nur um ein sterbendes Genre dreht, sondern um ein ganzes Produktionssystem, das kurz vorm Zusammenbruch steht.

Merlis Figur bewahrt und verstärkt die gleichen Zweifel, die seine Vorgänger bereits in Stelvio Massis Filmen hatten, während Merola sich selbst neu erfindet, indem er einmal den Bösewicht spielt, der sich regelmäßig in die Angelegenheiten anderer Leute einmischt – wie in der Gefängnisszene, in der er für einen kleinen puertoricanischen Dieb Partei ergreift – was ihn gleich noch verabscheuungswürdiger erscheinen lässt. Ein weiterer Szeneggiata-erfahrene Schauspieler, Biagio Pelligra, stellt überraschenderweise das Kernstück des Films dar: Er spiegelt sein eigenes Publikum in seinem außerordentlich harten, vertrauten sowie grimmigen Gesicht wider und wenn er in einem kurzen stereotypen Dialog dieselben sozial-ökologischen Rechtfertigungen (zu seiner Zugehörigkeit zur Mafia) wie Giuliano Gemma in Corleone (Der Aufstieg des Paten, 1978) exponiert, trifft er wirklich einen Nerv und sieht dabei wie ein Laiendarsteller des italienischen Neorealismus aus.

Die moralische Keule wird geschwungen, während Fadheit und Unbehagen in einem offenen sowie unversöhnlichen Ende überwiegen. Es bleibt Merolas Figur vorbehalten das letzte Wort zu haben, als er kurz vor der Auslieferung steht: „Sind Sie sich sicher, dass wir auch in Italien ankommen?“, was impliziert, dass Merlis Figur trotz allem dem Tode geweiht zu sein scheint. Während der Film auf recht unbewusste Art und Weise den Tod des italienischen Krimikinos „zelebriert“, datiert Von Corleone nach Brooklyn die weitere Metamorphose des Genres voraus. In den 80er Jahren würden Filmemacher in die USA gehen, um dort Flicks der Klasse C zu drehen, die wie Fernsehfilme aussehen und von kantigen, braungebrannten Polizisten mit Namen wie von Pornodarstellern bevölkert werden, die wie drittklassige Stuntmen rüberkommen. Wohingegen Lenzis New York City noch immer den gewalttätigen Städten Italiens ähnelt: Amerikanische und italienische Polizisten sprechen die gleiche Sprache, jeder versteht jeden, während die Kriminellen Brooklyns das gleiche Grinsen aufzuweisen haben, wie die Verbrecher Roms, die einst ihrerseits die kleinen New York Gangster nachäfften.

Außerdem unterscheiden sich die Hotelzimmer in den Vororten des Big Apple nicht allzu sehr von denen an Italiens Autobahn A1 gelegenen, während die wenigen Porträts, die an den Wänden der Wohnungen von Einwanderern hängen, die Illusion vermitteln, dass die Loslösung von ihren Lieben sowie ihrem Heimatland letztendlich nie wirklich stattgefunden hat. Von Corleone nach Brooklyn war vermutlich eine der Inspirationen für Claudio Fragassos Palermo-Milano solo andata (Palermo Milano – Flucht vor der Mafia, 1996), in dem ein Team von jungen Polizisten einen Mafioso (Giancarlo Giannini) zu dessen Prozess nach Mailand eskortiert. Allerdings versteckt sich dieses Erbe recht gut zwischen Hommagen an die zur damaligen Zeit sehr angesagten Hong Kong Action-Thriller à la John Woo und einem Anspruch auf eine bürgerlich „engagierte“ Botschaft.

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  • Artikel-Nr.: V13146
  • Bildformat: 1,85:1
  • Spielzeit: ca. 90 Min lt. Cover
  • Sprache: Deutsch
  • TV-Norm: PAL
  • Zustand: Ungekürzte Fassung – guter Zustand – Einleger
  • FSK: ungeprüft
  • Tonformat Analog: Mono
  • Medium:
  • FSK-Logo:

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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